Natürliche Verhütungsmethoden

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Kontrazeption

Schwangerschaftsverhütung, Verhütung, Empfängnisverhütung, Verhütungsmittel

Definition

Unter der Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption) versteht man alle Methoden, die darauf abzielen, dass es nach stattgefundenem Geschlechtsverkehr (Kohabitation) zu keiner Befruchtung (Fertilisation) der Eizelle (Oozyte) durch das Spermium kommt.

Wie sicher sind die einzelnen Verhütungsmethoden?

Bei der Angabe des Pearl Indexes wird jedoch meistens nicht mit angegeben, ob die Anzahl der aufgetretenen Schwangerschaften lediglich auf einer Unsicherheit der Verhütungsmethode selbst lag oder, ob der unsachgemäße Gebrauch des Verhütungsmittels zusätzlich noch einen Einfluss auf die aufgetretenen Schwangerschaften hatte. Somit ist der Pearl Index kritisch zu betrachten und nur als ungefährer Richtwert zu sehen.

Im Weiteren sollen die folgenden Verhütungsmethoden vorgestellt werden:

  • Natürliche Verhütungsmethoden:
    • Kalendermethode = Knaus – Ogino – Verhütungsmethode
    • Temperaturmethode
    • Billings - Methode
    • Symptothermale Methode (SMT) (Rötzermethode)
    • Coitus interruptus = abgebrochener Geschlechtsverkehr kurz vor dem Samenerguss

Kalendermethode = Knaus – Ogino – Verhütungsmethode

Die Kalendermethode wurde von Hermann Knaus und von Kyusaku Ogino in den 30er Jahren als natürliche Verhütungsmethode vorgestellt. Laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sollte diese Methode heute jedoch nicht mehr mit zu den natürlichen Verhütungsmethoden dazu gezählt werden, da sie sehr unsicher ist.

Die Kalendermethode beruht darauf, dass man mit Hilfe des natürlichen Menstruationszyklus’ ermittelt, wann die „fruchtbaren Tage“ stattfinden werden. Während dieser fruchtbaren Tage sollte man daraufhin auf den Geschlechtsverkehr verzichten und so einen Schwangerschaftseintritt verhindern.

Die Idee beruht darauf, dass es nur in einer bestimmten Zeitspanne und zwar um den Eisprung (Ovulation) herum zur Befruchtung der Eizelle (Oozyte) kommen kann.

Der Eisprung erfolgt bei einem Zyklus von 28 Tagen ungefähr am 14. Tag (genauer zwischen dem 12. und 14. Tag) nach dem Beginn der letzten Regelblutung.
Die Eizelle ist insgesamt nur 5 – 12 Stunden nach dem Eisprung befruchtungsfähig. Spermien besitzen hingegen eine Überlebensdauer von ca. drei Tagen. Die Idee der Kalendermethode ist also die, dass man mit einem Sicherheitsabstand von drei Tagen zu beiden Richtungen vom Eisprung also nicht schwanger werden kann.

Praktisch ist es so, dass Frauen, die mit dieser Methode verhüten möchten einen möglichst regelmäßigen Menstruationszyklus haben und diesen über ein Jahr lang protokollieren müssen.
Mithilfe der Aufzeichnungen wird dann ermittelt wie lang der kürzeste und wie lang der längste Menstruationszyklus war. Hat man diese Daten kann der Beginn und das Ende der fruchtbaren Tage errechnet werden.

Nach der Methode von Knaus zieht man vom kürzesten Zyklus 17 Tage ab. Das Ergebnis entspricht dann dem ersten fruchtbaren Tag. Vom längsten Zyklus werden 13 Tage abgezogen. Das Ergebnis wiederum entspricht den letzten fruchtbaren Tag.

Pearl Index

Wie sicher die einzelnen Verhütungsmethoden sind wird jeweils in klinischen Studien geprüft. Die Zuverlässigkeit eines bestimmten Verhütungsmittels kann nach dem Pearl Index (PI) beurteilt werden.

Der Pearl Index gibt an, wie viele von 100 Frauen unter Benutzung einer einzigen bestimmten Verhütungsmethode in einem bestimmten Zeitabschnitt schwanger geworden sind. Ein Pearl Index von 5 zum Beispiel bedeutet also, dass 5 von 100 Frauen unter Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode schwanger geworden sind. Je größer der Zahlenwert des Pearl Index ist, desto unsicherer ist das Verhütungsmittel.

Beispiel Menstruationszyklus

Kürzester Zyklus = 25 Tage ? 25 Tage – 17 Tage = 8. Tag
Längster Zyklus = 28 Tage ? 28 Tage – 13 Tage = 15. Tag

 

Das bedeutet, dass der erste fruchtbare Tag der 8. Tag nach Beginn der letzten Regelblutung wäre und der 15. Tag nach Beginn der letzten Menstruation der letzte fruchtbare Tag wäre. In diesem Zeitraum sollte man also Enthaltsam sein.

Die Methode von Ogino basiert auf dem selbem Prinzip, jedoch werden 18 Tage vom kürzesten Zyklus und 11 vom längsten Zyklus abgezogen.

Die Kalendermethode ist insgesamt beurteilt mit einem Pearl Index von 15 – 38 (!), je nach Studie, als eher unsicher anzusehen. Sie ist außerdem an strikte Disziplin und Respekt von Seiten des Partners gebunden. Anwendbar ist diese Methode generell nur bei Frauen mit regelmäßigem Zyklus. Doch auch bei Frauen mit regelmäßigen Zyklus kann sich dieser durch Erkrankungen, psychischen Stress oder verschiedenen Umwelteinflüssen drastisch verlängern oder verkürzen, so dass die berechneten fruchtbaren Tagen nicht mit den tatsächlichen fruchtbaren Tagen übereinstimmt und somit kein ausreichender Schutz mehr gewährleistet ist.

Temperaturmethode

Das Prinzip der Temperaturmessung zur Schwangerschaftsverhütung beruht darauf, dass es nach dem Eisprung (Ovulation) zu einer Erhöhung der Körpertemperatur um ca. 0,5º Celsius kommt. Dies geschieht ungefähr am 14. Tag nach der letzten Menstruationsblutung. An diesem Tag nimmt auch der Gelbkörper (Corpus luteum) seine Funktion auf. Der Gelbkörper produziert das Sexualhormon Progesteron, dessen Anstieg zu der Temperaturerhöhung führt.

Menstruationszyklus der Frau

Wir bedanken uns bei Thomas Steiner dem Zeicher des Bildes :-)

Die Ermittlung der Temperatur kann somit zur Bestimmung des Zeitpunktes des Eisprunges herangezogen werden. Da ein Schwangerschaftseintritt ca. drei Tage nach dem Eisprung normalerweise nicht mehr erfolgen kann, kann man davon ausgehen, dass es nach einer dreitägigen Temperaturerhöhung um 0,5º Celsius zu keiner Befruchtung einer Eizelle mehr kommt.

Praktisch sieht es so aus, dass die Frau die Basaltemperatur bestimmen muss. Das ist die Temperatur kurz nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen.
Die Temperaturmessung sollte also noch im Bett im After (rektal) oder unter der Achselhöhle (axillär) erfolgen. Man sollte sie dabei immer an der gleichen Stelle Körper bestimmen, um einen möglichst genauen Vergleich der Basaltemperaturen der verschiedenen Tage zu haben.
Auch sollte sie möglichst unter den gleichen Konditionen erfolgen. Das bedeutet, dass man im Idealfall die Temperatur zu einer in etwa gleichen Stunde, nach ungefähr der gleichen Anzahl von Schlafstunden etc. messen sollte.

Insgesamt gesehen ist die Temperaturmethode mit einem Pearl-Index von ungefähr 3, eine Methode, die nicht unbedingt sicher ist.
Von Nachteil ist sicherlich, dass man konsequent einen Temperaturkalender führen muss. Das Versäumen einer Messung macht die Methode unbrauchbar. Die gemessenen Temperaturen können außerdem aus unterschiedlichsten Gründen ungenau sein. Eine Erkrankung, welche mit Fieber einhergeht, zu wenige Stunden Schlaf oder psychischer Stress können dabei schell zu verfälschten Temperaturmessungen führen. Auch besitzen manche Frauen eine solche eindeutige, in der zweiten Zyklushälfte ansteigende Basaltemperatur nicht und können diese Methode von daher nicht anwenden.

Billings – Methode

Die Billings – Methode zieht die Konsistenz des Gebärmutterschleims (Zervixschleim) zur Bestimmung der unfruchtbaren Tage heran.

Die Idee gründet darin, dass der Gebärmutterschleim kurz vor dem Eisprung (Ovulation), während des Eisprungs und kurz danach flüssiger und klarer wird. Er wird so zusagen „spinnbar“. Das bedeutet, dass der Schleim während dieser Zeit zum Beispiel zwischen zwei Fingern zu einem Faden gezogen werden kann. In dieser Zeit ist die Frau befruchtungsfähig.

Während der restlichen Zeit des Zyklus’ ist der Schleim dagegen dickflüssiger und bröckelig. Die Menge des Schleims ist geringer. Es kommt während dieses Zeitraumes, der mit einem Anstand vom Eisprung entfernt erfolgt, zu keiner Schwangerschaft.

Wendet man die Methode an, so muss man jeden Tag die Konsistenz des Gebärmutterschleimes kontrollieren und notieren. Nur so kann gewährleistet werden, dass man den Zeitpunkt des Eisprunges ermittelt und die fruchtbaren Tage von den unfruchtbaren unterscheiden kann.

Die Billings – Methode hat einen Pearl – Index von etwa 15. Das ist im Verhältnis zu anderen Verhütungsmethoden relativ hoch.

Der hohe Pearl – Index lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die Konsistenz des Schleimes von den Frauen falsch beurteilt werden kann und somit auf den Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Tage nicht verzichtet wird und es zu einer Befruchtung der Eizelle kommt.

Eine andere Erklärung für den hohen Pearl – Index ist die, dass der Schleim durch ein hormonelles Ungleichgewicht zu einem anderen Zeitpunkt als dem Eisprung spinnbar wird.
Die Frau kann diesen Zeitpunkt dann fälschlicherweise als den Zeitpunkt des Eisprunges deuten. Sie verzichtet dann während dieses Zeitpunktes auf den Geschlechtsverkehr, hat dann jedoch unwissend zum eigentlichen Zeitpunkt des Eisprunges Geschlechtsverkehr und wird dann möglicherweise schwanger.

Erwähnenswert ist des Weiteren, dass ca. ein drittel aller Frauen dieses Phänomen der Spinnbarkeit des Gebärmutterhalsschleimes gar nicht haben und diese Methode aus diesem Grunde auch nicht anwenden können.

Insgesamt gesehen ist diese Methode als nicht sehr sicher anzusehen.

Symptothermale Methode = Rötzermethode

Die symptothermale Verhütungsmethode ist eine Kombination aus der Billings – Methode und der Temperaturmethode.

Als sicher unfruchtbar gelten dabei die Tage, an denen der Gebärmutterhalsschleim nicht mehr spinnbar ist und die Temperatur im Vergleich zu den vorausgegangenen sechs Tagen seit drei Tagen um ca. 0,5 Grad Celsius gestiegen ist.

Diese Methode hat einen Pearl – Index zwischen 2,2 – 1.

Coitus interruptus

Unter dem Coitus interruptus versteht man den abgebrochenen Geschlechtsverkehr kurz vor dem Samenerguss. Der Mann zieht also kurz vor dem Orgasmus und Samenerguss (Ejekulation) seinen Penis aus der Vagina der Frau. Dadurch soll kein Samen in die Scheide (Vagina) gelangen und es kommt zu keiner Befruchtung der Eizelle.

Der Coitus interruptus ist mit einem Pearl – Index von etwa 35 eine sehr unsichere Methode. Zum einen kann es den Mann nicht gelingen seinen Penis rechtzeitig aus der Scheide der Frau zu ziehen, zum anderen gelangen bereits vor dem Samenerguss vereinzelnd Spermien in die Scheide.

Auch ist es psychisch für beide Partner, besonders für den Mann eine starke Belastung, da er im größten Moment seiner sexuellen Lust mit dem Geschlechtsverkehr aufhören muss.
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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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