Mechanische und chemische Verhütungsmittel

Synonyme im weiteren Sinne

Pille, Antibabypille, Kondom, Diaphragma

Definition

Verhütungsmittel werden zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt. Es gibt verschiedene Methoden der Verhütung.

Verschiedene Methoden

Es gibt verschiedene mechanische Verhütungsmittel, um die fruchtbaren Tage der Frau zu überbrücken. Auf folgende Methoden gehen wir detailliert ein.

Mechanische Verhütungsmethoden:

Chemische Verhütungsmethoden:

  • Gels

Pearl Index

Wie sicher die einzelnen Verhütungsmethoden sind wird jeweils in klinischen Studien geprüft. Die Zuverlässigkeit eines bestimmten Verhütungsmittels kann nach dem Pearl Index (PI) beurteilt werden.

Der Pearl Index gibt an, wie viele von 100 Frauen unter Benutzung einer einzigen bestimmten Verhütungsmethode in einem bestimmten Zeitabschnitt schwanger geworden sind. Ein Pearl Index von 5 zum Beispiel bedeutet also, dass 5 von 100 Frauen unter Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode schwanger geworden sind. Je größer der Zahlenwert des Pearl Index ist, desto unsicherer ist das Verhütungsmittel.

Kondom (Präservativ)

Kondome sind eine der beliebtesten Verhütungsmittel. Sie bestehen aus Latexhäuten. Für Latex – Allergiker gibt es sie auch aus Polyurethan zu kaufen. Sie werden vor Beginn des Geschlechtsverkehrs auf den Penis gestülpt und verhindern als mechanische Barriere das Eindringen der Samen bei Samenerguss in die Scheide (Vagina) der Frau.
Sie sind bei ordnungsgemäßem Gebrauch als sicher anzusehen. Der Pearl-Index liegt zwischen 1 und 12.
Die großen Schwankungen des Pearl-Indexes ergeben sich aus dem falschen Gebrauch der Kondome. Zu alte oder falsch gelagerte Kondome können schnell platzen und verlieren dann ihre Wirkung. Es sollte somit beim Benutzen eines Kondoms unbedingt das Verfallsdatum auf der Packung beachtet werden.
Außerdem ist darauf zu achten, dass es sich bei den gekauften Kondomen um Markenkondome mit dementsprechenden Prüfsiegel handelt.
Die Kondome selbst sollten an einen trockenen, nicht zu warmen Ort gelagert werden. Die Hosentasche oder das Portemonnaie stellen somit keine idealen Aufbewahrungsorte dar und mindern die Sicherheit der Kondome.
Die unvorsichtige Handhabung, wie zum Beispiel das Öffnen der Packung mit den Zähnen oder zu spitzen Fingernägeln, lässt die Sicherheit zusätzlich sinken.
Wie Kondome richtig benutzt werden sollen, ist in jeder Kondompackung in einer Anleitung in Wort und Bild erklärt und sollte sich, hat man noch nicht so viele Erfahrungen mit dem Gebrauch von Kondomen gemacht, verdeutlicht werden.
Platzt ein Kondom während des Geschlechtsverkehrs, so sollte, falls nicht zusätzlich mit hormonellen Verhütungsmitteln verhütet wird, der Frauenarzt aufgesucht werden. Der Frauenarzt muss dann entscheiden, ob eine „Pille-danach“ erforderlich ist und die Frau, ob sie diese wünscht oder eine mögliche Schwangerschaft mit sich vereinbaren könnte.

Der große Vorteil gegenüber anderen Verhütungsmitteln besteht ganz klar in der Vermeidung der Übertragung von Krankheiten wie:

Bislang sind Kondome die einzigen Verhütungsmittel, die die Übertragung von Geschlechtskrankheiten verhindern können. Somit sollten sie auch wenn man ein anderes Verhüttungsmittel benutzt und in keiner festen Beziehung ist, auf jeden Fall noch zusätzlich benutzt werden.

Diaphragma (Scheidenpessar)

Das Diaphragma besteht aus Silikon oder Gummi und hat eine schalenförmige Form. Sie sind in unterschiedlicher Größe erhältlich. Dabei ermittelt der Frauenarzt in einer Untersuchung, welche Größe jede einzelne Frau benötigt. Ist die Größe ermittelt, kann das Diaphragma rezeptfrei in Apotheken oder online erworben werden.

Sie werden maximal zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr wie ein Tampon vor den Muttermund (Portio uteri) eingeführt und dann auf ihren korrekten Sitz hin überprüft. Nach dem Geschlechtsverkehr müssen sie noch mindestens acht Stunden in der Scheide (Vagina) verbleiben, damit sicher ist, dass keine Spermien in die Gebärmutter (Uterus) gelangen. Nach Entfernung des Diaphragmas, sollte es mit lauwarmem Wasser abgespült werden. Ein Diaphragma kann bis zu einem Jahr wieder verwendet werden.

Es sollte in seiner Anwendung zusätzlich mit einem spermienabtötendem Gel verwendet werden, um so die Sicherheit der Verhütung zu erhöhen. Das spermientötende Gel wird vor dem Einführen des Diaphragmas einfach auf das Diaphragma aufgetragen.

Der Pearl – Index dieser Verhütungsmethode liegt zwischen 1- 20.

Die Spirale

Die Kupferspirale besteht aus einem T – förmigen Körper aus Kunststoff. Der lange Teil des T’s ist dabei von einem Kupferdraht umwickelt. Die Spirale wird vom Frauenarzt während der Menstruationsblutung (intramenstruell) in die Gebärmutter (Uterus) eingesetzt. Der Eingriff ist kaum schmerzhaft.
Es kann aber währenddessen zu Verletzungen der Gebärmutter kommen, weshalb die Kupferspirale für junge Frauen mit späterem Kinderwunsch nicht zu empfehlen ist.
Leichte Schmerzen können einige Stunden nach dem Eingriff entstehen. Nach dem Eingriff wie auch in kontinuierlichen Abständen sollte der richtige Sitz der Spirale von einem Facharzt für Gynäkologie / Frauenheilkunde überprüft werden.
Etwa zwei Jahre kann die Kupferspirale in der Gebärmutter verbleiben und sollte dann ausgetauscht werden.

Die Kupferspirale wirkt zum einen als mechanische Barriere in der Gebärmutter und verhindert so, dass Spermien in Richtung Eileiter gelangen können, in dem es zu einer Befruchtung der Eizelle kommen könnte. Zu anderen gibt der Kupferdraht permanent Kupferionen ab. Diese wirken einerseits abtötend auf die Spermien (spermizid) und stören den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) andererseits. So kann sich, sollte es zu einer Befruchtung der Eizelle kommen, die Eizelle nicht in die Gebärmutter einnisten.

Vorteile der Kupferspirale liegen in der langen verhütenden Wirkung. Man muss sich praktisch zwei Jahre lang keine Gedanken um die Verhütung machen und auch nicht täglich an die Tabletteneinnahme wie bei der Antibabypille / Pille denken.

Nachteile können in Form einer stärkeren und längeren Menstruationsblutung mit Unerleibschmerzen entstehen.
Außerdem kann es, besonders in den ersten Monaten nach Einsatz, zu einer Abstoßung der Spirale oder auch zu Infektionen kommen. Unter Verhütung mit der Kupferspirale kommt es häufiger als ohne Anwendung von Verhütungsmitteln zu einer Eileiter-schwangerschaft (Extrauteringravidität = EUG).

Der Pearl – Index liegt zwischen 1 – 3, je nach Modell der Kupferspirale.

LEA contrazeptivum

Das LEA contrazeptivum ist ein aus Silikon bestehendes mechanisches Verhütungsmittel, das von der Frau selbst eingeführt werden kann. Es ist flexibel, hat eine tassenförmige Vertiefung, ein Ventil und eine Kontrollschlaufe. Es wird wie ein Tampon in die Scheide (Vagina) eingeführt. Beim Einführen, entsteht dadurch, dass ein Ventil vorhanden ist ein Unterdruck.
Das LEA contrazeptivum saugt sich also an den Muttermund an und ist dadurch an diesem sicher und fest fixiert. Um zu überprüfen, ob es wirklich gut und sicher sitz, sollte nach der Einführung an der Kontrollschlaufe leicht gezogen werden. Spürt man einen Widerstand beim Ziehen, so sitz das LEA contrazeptivum optimal. Insgesamt sollte das LEA contrazeptivum nicht länger als 48 Stunden am Muttermund (Portio unteri) fixiert sein. Es kann direkt vor dem Geschlechtsverkehr, aber auch schon einige Stunden vorher eingeführt werden. Wichtig ist, dass es nach dem Geschlechtsverkehr mindestens acht Stunden noch an dem Muttermund fixiert ist, um sicher zu gehen, dass wirklich keine Spermien in die Gebärmutter (Uterus) gelangen.

Entfernt werden kann es durch drehen an dem Kontrollfaden oder durch leichtes Ziehen am Silikonkörper selbst. Nach Gebrauch sollte das LEA contraceptivum mit lauwarmem Wasser gereinigt werden. Je nach Anwendungshäufigkeit ist es bis zu einem Jahr haltbar. Es ist rezeptfrei erwerbbar und kann in der Apotheke oder online erstanden werden. Eine Anpassung durch den Gynäkologen ist nicht notwendig, da es das LEA contrazeptivum nur in einer Größe gibt. Dadurch, dass beim Einführen ein Vakuum entsteht, passt es aber auch jeder Frau.

Ein Nachteil des LEA contrazeptivums besteht darin, dass es oft beim Geschlechtsverkehr empfunden und als störend gesehen wird.

Der Pearl – Index liegt bei ungefähr 2,9. Durch Bestreichen des Silikons mit einem spermienabtötenden (spermiziden) Gel vor dem Einführen, kann der Pearl – Index aber auf ca. 2,2 gesenkt werden.

Gynefix

Unter dem Verhütungsmittel Gynefix versteht man eine Kupferkette, die vom Facharzt für Gynäkologie / Frauenheilkunde während der Menstruation in die Gebärmutter (Uterus) eingeführt wird, dort bestenfalls fünf Jahre verbleiben und verhütend wirken kann. Die Kupferkette ist im Uterus sicher fixiert und kann somit nicht herausrutschen.

Die verhütende Wirkung kommt dadurch zustande, dass permanent Kupferionen freigesetzt werden, welche Spermien abtöten (spermizide Wirkung) und außerdem dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und damit die Einnistung der Eizelle verhindern.

Das Verhütungsmittel ist für Frauen jedes Alters anwendbar. Gynefix ist seit Jahren auf dem europäischen Markt und seit 2011 in Deutschland direkt zu kaufen. Sie ist CE-zertifiziert und nach dem Medizinproduktegesetz hier zugelassen.

Das Einsetzen der Kupferkette ist in der Regel eine Privatleistung. Die Kosten sind unterschiedlich und hängen von verschiedenen Faktoren ab: die Betäubungsart, Untersuchungen vor der Einlage und Ultraschallkontrollen nach dem Einsetzen.
Im Allgemeinen liegen die Kosten bei ca. 200-300 Euro.
In Ausnahmefällen übernimmt auch die Krankenkasse zumindest teilweise die Kosten, sprechen Sie am besten direkt mit Ihrer Krankenkasse.

Nachteile des Gynefix sind mögliche Infektionen.

Der Pearl – Index liegt bei 0,5. Das Verhütungsmittel ist also sehr sicher.

Gels

Verhütungsgels sind Gels, die spermienabtötend wirken. Sie können in Kombination mit Diaphragmen, LEA contrazeptivum und Gynefix zusammen angewandt werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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