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Reye-Syndrom

Einleitung

Das Reye-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die vor allem Kinder zwischen vier und neun Jahren betrifft. Dabei kommt es zu einer Schädigung des Gehirns, einer sogenannten Enzephalopathie, sowie zu einer Entzündung der Leber, die durch deren Verfettung gekennzeichnet ist. Dadurch kann es schließlich zu einem Leberversagen kommen.

Zumeist manifestiert sich das Reye-Syndrom im Anschluss an eine virale Infektion, zum Beispiel nach einer Infektion mit dem Grippevirus oder dem Windpockenvirus. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann zur Entstehung des Reye-Syndroms führen.

Ursachen

Als ursächlich für die Entstehung des kindlichen Reye-Syndroms wird die Einnahme von Aspirin angesehen. Auch genetische Ursachen werden diskutiert, da manche Menschen anfälliger für das Reye-Syndrom zu sein scheinen. Wenn Kinder an Virusinfektionen leiden (beispielsweise Influenza-Infektion, Windpocken-Infektion) und therapeutisch Aspirin erhalten, ist das Risiko für die Entwicklung des Reye-Syndroms erhöht. Daher sollten Kinder Aspirin nur in Ausnahmefällen erhalten. Allerdings wurde die Erkrankung auch bei Kindern beobachtet, die zuvor kein Aspirin eingenommen hatten.

Neben der Assoziation mit Infektionen mit den typischen Grippeviren konnte auch ein Zusammenhang zu Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufenden Viren gefunden werden (Enteroviren). Auf zellulärer Ebene kommt es beim Reye-Syndrom zu einer Fehlfunktion der Mitochondrien. Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ der Körperzellen und sind essenziell für den Stoffwechsel, da sie unter Verwendung von Sauerstoff wichtige Energieverwertungskreisläufe steuern. Beim Reye-Syndrom sind verschiedene Enzyme der Mitochondrien gestört, sodass es zum Beispiel zur Anhäufung des giftigen Ammoniaks im Körper kommt. Außerdem lagern sich das saure Stoffwechselprodukt Laktat und langkettige Fettsäuren in den Geweben und Organen ein. In der Leber führen die Fettsäuren zu einer Verfettung. Dies beeinträchtigt die Leberfunktion zusätzlich. Das Ammoniak führt im Gehirn zur Entwicklung einer Enzephalopathie, einer schweren Schädigung des Gehirns, die bleibende Schäden nach sich ziehen kann.

Insgesamt ist zu sagen, dass die Zusammenhänge zwischen dem Reye-Syndrom und viralen Infektionskrankheiten, sowie der Einnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin) bisher nicht eindeutig geklärt werden konnten. Auch das genetische Risiko für die Erkrankung konnte bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Es steht lediglich fest, dass sich die Erkrankung meistens bei Kindern im Anschluss an einen Virusinfekt manifestiert und häufig auch eine Assoziation mit Aspirin vorliegt. Die genauen Zusammenhänge sind unklar.

Aspirin als Ursache für das Reye-Syndrom

Aspirin, beziehungsweise der Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist bei Kindern unter 15 Jahren ist nicht zugelassen und streng kontraindiziert.
Die Einnahme von Aspirin kann bei Kindern zu dem sogenannten Reye-Syndrom führen. Die Ursache des Reye-Syndroms ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass neben der Aspirin-Einnahme, die zum Reye-Syndrom führt, oft ein Virusinfekt besteht, der teilweise nicht bemerkt wird.
Die Aspirineinnahme führt zusammen mit dem Virusinfekt zu einer schweren Leberfunktionsstörung. Die Leber kann die im Körper entstehenden Abbauprodukt wie etwas Ammoniak nicht mehr abbauen. Ammoniak ist schädlich ist für das zentrale Nervensyste. Es kommt es zu einer sogenannten Enzephalopathie, einer Veränderung des Gehirns, die im Fall des Reye-Syndroms mit einem Bewusstseinsverlust und im weiteren Verlauf mit einer Persönlichkeitsveränderungen einhergeht.
Als erstes Symptom des Reye-Symdroms zeigen sich oft Symptome wie Übelkeit und starkes Erbrechen.

Symptome

Das Reye-Syndrom kann theoretisch in jeder Altersstufe auftreten, es entwickelt sich jedoch in der Regel bis zum zehnten Lebensjahr.

Zu Beginn der Erkrankung äußert sich diese durch Schläfrigkeit, Lethargie, Erbrechen, dauerhaftes Schreien, Fieber, Reizbarkeit und eine eingeschränkte Leberfunktion. Etwa 30% der Patienten entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine Enzephalopathie, die mit schweren Symptomen einhergehen kann. Dazu gehören beispielsweise eine Flüssigkeitsansammlung im Gehirn (Hirnödem), die zu einer Hirnschwellung führt, eine zu schnelle Atmung (Hyperventilation) oder Atemstillstand, Krampfanfälle, gesteigerte Reflexe (Hyperreflexie) oder Ausfall der Reflexe (Areflexie), eine spastische Streckhaltung der Extremitäten (Dezerebrationsstarre) oder eine progrediente Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma.

Diagnose

Die Diagnose des Reye-Syndroms kann in einigen Fällen bereits durch die Befragung des Kindes beziehungsweise der Eltern vermutet werden. Litt das Kind kurz vor Entwicklung der Symptomatik unter einem Virusinfekt und wurde mit Aspirin behandelt, so kann dies bereits ein Hinweis sein. Um die Diagnose zu sichern, wird in der Regel zunächst das Blut untersucht. Beim Reye-Syndrom fallen erhöhte Leberwerte, erhöhte Werte von Aminosäuren, Fettsäuren und Ammoniak, sowie auch weitere erhöhte Enzymspiegel auf. Der Blutzucker ist häufig zu niedrig (Hypoglykämie). Da die Leber auch an der Blutgerinnung beteiligt ist, kann es durch die Beeinträchtigung der Syntheseleistung (Produktionsleistung) der Leber zu einer verzögerten Blutgerinnung kommen.

Beim Abtasten des Bauches des erkrankten Kindes kann oftmals eine Vergrößerung der Leber beobachtet werden. Es kann auch eine Gewebeprobe der Leber entnommen werden, in der sich bei einem Reye-Syndrom eine Verfettung zeigen würde.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, wird häufig noch weitere Bildgebung angefordert. Besonders wenn das Kind nicht mehr bei klarem Bewusstsein ist, wird eine Computertomographie (CT) des Schädels vorgenommen, um raumfordernde Prozesse im Gehirn auszuschließen. Liegt ein Hirnödem vor (Flüssigkeitsansammlung im Hirngewebe), so kann dies ebenfalls in der CT sichtbar sein.

Therapie

Die Ursache des Reye-Syndroms kann nicht direkt behandelt werden. Daher stützt sich die Therapie auf die Behandlung der Symptome der Erkrankung. Die betroffenen Kinder müssen meistens intensivmedizinisch überwacht werden. Oftmals ist eine Beatmung und Sedierung der Kinder notwendig.

Der Hirndruck muss ebenfalls überwacht werden. Um das Hirnödem und damit den Hirndruck zu vermindern, kann beispielsweise Mannitol gegeben werden. Dies ist eine Substanz, die zur vermehrten Entwässerung führt und die Flüssigkeit im Gehirngewebe vermindern kann.

Die erhöhten Ammoniakspiegel im Blut können beispielsweise durch eine Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) gesenkt werden.

Prognose

Bei einer schweren Ausprägung des Reye-Syndroms kommt es in etwa ¾ der Fälle zum Tod der erkrankten Kinder. Daher ist ein frühzeitiger Therapiebeginn im Anfangsstadium der Erkrankung von größter Bedeutung. Dadurch kann die hohe Sterblichkeit deutlich vermindert werden.

Aktuelle Studien gehen beim Reye-Syndrom insgesamt von einer Sterblichkeit von 25% aus. Etwa 1/3 der Kinder entwickelt bleibende Schäden, beispielsweise neurologische Ausfallerscheinungen oder Beeinträchtigungen des Sprach- und Lernvermögens.

Prophylaxe

Eine direkte Prophylaxe, um die Entstehung eines Reye-Syndroms zu verhindern, gibt es nicht. Die einzige Möglichkeit ist, bei Kindern und Jugendlichen mit Virusinfektionen auf den Einsatz von Aspirin zu verzichten, da dies als größter Risikofaktor für die Erkrankung gesehen wird.

Welche Medikamente eignen sich zur Behandlung von Schmerzen und Fieber beim Kind?

Aufgrund der bestehenden Annahme eines Zusammenhangs des Reye-Syndroms mit der Einnahme von Aspirin, sollte auf die Gabe von Aspirin unbedingt verzichtet werden.
Als Mittel der Wahl stehen bei Schmerzen und Fieber Paracetamol und Ibuprofen zu Auswahl. Dabei richtet sich die Wahl des Medikamentes, als auch die Dosierung nach Alter und Gewicht des Kindes.

Ibuprofen

Ibuprofen gehört in die Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Ibuprofen hat einen fiebersenkenden, schmerzlindernden und entzündungshemmenden Effekt.
Zugelassen ist das Medikament ab einem Lebensalter von über 3 Monaten oder ab einem Gewicht von über 6 kg.
Die Dosierung bei Kindern sollte dem Körpergewicht des Kindes angepasst werden. Im Falle von Unklarheiten bezüglich der Dosierung oder Anwendung sollte Rücksprache mit dem Kinderarzt gehalten werden. Erhältlich ist Ibuprofen für Kinder neben der Tablettenform auch als Saft, als Pulver zum Auflösen oder als Zäpfchen.
Ibuprofen sollte nicht bei bekannter Allergie oder bei starker Nieren-oder Leberfunktionseinschränkung gegeben werden.

Paracetamol

Paracetamol ist das Medikament der ersten Wahl bei Kindern zur Behandlung von Fieber und Schmerzen. Es gehört zu der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR).
Zugelassen ist das Präparat ab einem Gewicht von 3 kg.
Paracetamol darf aufgrund der noch unreifen Leber, bei Frühchen und Neugeborenen nicht zur Anwendung kommen.
Paracetamol wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. Im Gegensatz zu Ibuprofen hat es keine antientzündliche Komponente.
Bei Paracetamol muss die Dosierung ebenfalls dem Körpergewicht des Kindes angepasst werden. Überdosierungen von Paracetamol müssen unbedingt vermieden werden. Gerade die kindliche Leber stößt schnell an ihre Kapazität beim Abbau des Wirkstoffes. Folgen der Überlastung sind eine schwere Leberschädigung mit Untergang der Leberzellen. Deshalb sollte vor erstmaliger Gabe Rücksprache mit dem Kinderarzt gehalten werden. Eine giftige Dosis ist bei 150 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht erreicht.

Geschichte

Das Reye-Syndrom wurde zum ersten Mal im Jahre 1963 in Australien beschrieben. Der Erstbeschreiber war der Pathologe Ralph Douglas Kenneth Reye (*05.04.1912 in Townsville, †16.07.1977). Bis der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den möglichen Auslösern (Virusinfektionen, Aspirin) festgestellt werden konnte, vergingen jedoch noch einige Jahre.

Weiterführende Informationen

Alle bisher veröffentlichen Themen zur Kinderheilkunde finden Sie unter: Kinderheilkunde.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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