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Vogelgrippe

Synonyme

Vogelpest; aviäre Influenza

Mikrobiologisch: H5N1, H7N2, H7N9

Einleitung

Bei der Vogelgrippe handelt es sich um eine Infektionskrankheit die durch bestimmte Formen des Grippevirus verursacht wird. Im weiteren Sinne ist die Vogelgrippe auch unter den Namen „Geflügelpest“ oder „aviäre Influenza“ bekannt.

Im Normalfall betrifft die Vogelgrippe vor allem Geflügel (vor allem Hühner, Puten und Enten), durch umfangreiche Mutationen der ursächlichen Viren ist jedoch auch eine Ansteckung des Menschen möglich.

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine sich rasant ausbreitende, potenziell lebensbedrohliche Infektion. Vor allem die Virussubtypen H7N9, H5N1 und H7N2 haben in den letzten Jahren Schlagzeilen geschrieben. Die jeweilige Benennung des Virus-Subtypen geht auf spezifische Oberflächenstrukturen (Eiweiße) zurück. Zu diesen Oberflächenstrukturen gehören vor allem die Enzyme Hämagglutinase (kurz: H) und Neuraminidase (kurz: N). Diese spezifischen Proteine ermöglichen es dem Virus den Wirtsorganismus zu befallen und zu schädigen. Mittlerweile sind ungefähr 16 verschiedene Hämagglutinasen und 9 verschiedene Neuraminidasen bekannt. Die Zusammensetzung der jeweiligen Enzym-Subtypen auf der Virushülle ist entscheidend für die Bezeichnung des Virus.

Im Allgemeinen wird bei der Vogelgrippe und deren viralen Erregern zwischen hochpathogenen (schwere Erkrankungen auslösend) und niedrigpathogenen (lediglich leichte Symptome provozierend) unterschieden.

Ursachen

Bei der Vogelgrippe handelt es sich genau wie bei allen anderen Grippe-Arten um eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Im Gegensatz zur ursprünglichen Annahme, die Vogelgrippe betreffe lediglich Geflügel, konnte mittlerweile für einige Subtypen ein Übertragungspotential auf Säugetiere nachgewiesen werden. Das zugrunde liegende Virus findet sich vor allem in den Sekreten der Atemwege und im Kot infizierter Tiere.

Nach der Ausscheidung bleibt das Virus der Vogelgrippe mehr als 100 Tage im Flüssigmist infektiös. In Kot und Geflügelfleisch und in bei vier Grad Celsius gelagerten Eiern kann das Virus der Vogelgrippe ungefähr 30 bis 35 Tage überdauern. Bei einer Raumtemperatur von circa 20 Grad Celsius reduziert sich die Überlebenszeit der viralen Erreger auf ungefähr 20 Tage.

Bei Temperaturen über 22 Grad Celsius hingegen verringert sich die Stabilität der viralen Hülle. Die für die Entstehung der Vogelgrippe verantwortlichen Viren gehen dementsprechend schnell zugrunde.

Das Abtöten der Vogelgrippe-Viren gelingt bei Temperaturen von 55 bis 60 Grad Celsius sogar innerhalb kürzester Zeit.

Die Übertragung auf Säugetiere (vor allem auf den Menschen) findet vor allem über die Atemwege statt. Das Einatmen von virushaltigen Staubpartikeln reicht bereits aus um die Erkrankung auszulösen. Darüber hinaus gilt der Kontakt zu infizierten Tieren bei unzureichender Händehygiene als hochriskant. Neben der Übertragung der Vogelgrippe vom Tier zum Menschen geht man mittlerweile auch von einer direkten Mensch-zu-Mensch Infektion aus. Diese Theorie konnte jedoch bislang noch nicht sicher bestätigt werden.

Symptome

Die typischen Symptome beim Vorliegen der Vogelgrippe zeigen sich bei jedem der betroffenen Patienten, je nach Immunsituation, in unterschiedlicher Ausprägung. Da die Inkubationszeit der Vogelgrippe (Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Krankheitsausbruch) bei ungefähr 14 Tagen liegt, kann nach diesem Zeitraum mit den ersten Symptomen gerechnet werden.

Die Symptome der Vogelgrippe ähneln den Beschwerden die eine gewöhnliche Influenza verursacht. Die meisten der betroffenen Patienten entwickeln bereits in den ersten Erkrankungstagen extrem hohes Fieber. Körperkerntemperaturen von 40 bis 41 Grad Celsius sind bei Vogelgrippe-Patienten keine Seltenheit. Darüber hinaus beeinflussen die ursächlichen viralen Erreger die Atemwege. Die betroffenen Patienten leiden aus diesem Grund oftmals unter ausgeprägtem Husten und Atemnot. Auch das Auftreten von Halsschmerzen gehört zu den häufigsten Symptomen der Vogelgrippe. In vielen der bekannten Fälle konnte außerdem eine ausgeprägte Beeinflussung des Magen-Darm-Traktes beobachtet werden. Die Hauptzahl der Betroffenen entwickelte im Verlauf der Erkrankung Magenbeschwerden. Zudem leiden viele Vogelgrippe-Patienten an Durchfall und/oder Erbrechen.

Bei einer eingeschränkten körpereigenen Abwehr kann die Vogelgrippe einen hochriskanten Verlauf annehmen. In schweren Fällen kommt es zur Entstehung von entzündlichen Prozessen im Bereich der Lunge (Lungenentzündung; Pneumonie), zu starken Magenbeschwerden, Entzündungen des Darmes und einer Erhöhung der Leberwerte. Gelegentlich entwickeln die betroffenen Patienten eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), die Schlimmstenfalls in einem kompletten Nierenversagen münden kann.

Die Vogelgrippe verläuft in ungefähr 50 Prozent der Fälle tödlich. Letztendliche Todesursache der Betroffenen ist die Entstehung eines Lungenversagens. Vorbelastete und/oder immunschwache Patienten versterben häufig an einem sogenannten Multiorganversagen bei dem gleich mehrere Organe ihre normale Funktion nicht mehr ausüben können.

Diagnose

Die Diagnostik der Vogelgrippe umfasst mehrere Schritte. Bei all diesen Maßnahmen muss jedoch beachtet werden, dass sobald der Verdacht auf das Vorliegen dieser Erkrankung besteht, spezielle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Der erste Schritt in der Diagnostik der Vogelgrippe umfasst ein ausgiebiges Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Während dieses Gespräches sollten die vorliegenden Symptome möglichst detailliert beschrieben werden. Darüber hinaus sollte auf mögliche Auslandsaufenthalte und Vorerkrankungen eingegangen werden. Bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer Vogelgrippe-Infektion spielt zudem der direkte Kontakt zu Tieren und/oder infizierten Personen eine entscheidende Rolle.

Die wichtigsten Fragen die während des Anamnesegespräches behandelt werden müssen sind:

  • War der Patient innerhalb der letzten Monate im Ausland?
  • Hat der Patient Wildvögel angefasst?
  • Ist der Patient mit rohem Geflügelfleisch in Berührung gekommen?
  • Unter welchen Symptomen leidet der Patient?
  • Gibt es im Umfeld des Patienten andere Personen die gerade an Infekten leiden?
  • Seit wann bestehen beim Patienten erste Symptome?
  • Sind diese Symptome plötzlich aufgetreten?
  • Leidet der Patient unter Atemnot?

Begründet sich der Verdacht während dieses orientierenden Arzt-Patienten-Gespräches, müssen dringend weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. Im Falle der Vogelgrippe ist die Sicherung der Diagnose, mittels direktem Erregernachweiß notwendig. Im klinischen Alltag stehen zuverlässige Testverfahren zur Verfügung mit deren Hilfe das ursächliche Vogelgrippe-Virus bereits innerhalb weniger Stunden nachgewiesen werden kann.

Ähnlich wie bei einer gewöhnlichen Grippe-Infektion kann auch die Diagnostik der Vogelgrippe durch einen Rachen- oder Nasenabstrich erfolgen. Darüber hinaus befinden sich in der Regel auch im abgehusteten Bronchialsekret ausreichend Erreger um die Erkrankung erfolgreich nachzuweisen zu können.

Bei gesicherter Diagnose sollte außerdem eine Blutabnahme mit anschließender laborchemischer Untersuchung der Blutproben erfolgen. Auf diese Weise können erste Beeinträchtigungen verschiedener Organsysteme (beispielsweise der Leber) nachgewiesen werden.

Auch die körperliche Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems und des Bauchraumes sollte bei den betroffenen Patienten nicht vernachlässigt werden.

Therapie

Bereits der Verdacht auf das Vorliegen einer Vogelgrippe-Infektion genügt um eine Isolation des betroffenen Patienten zu rechtfertigen. Nur auf diese Weise kann die Ausbreitung und Übertragung des viralen Erregers auf andere Menschen verhindert werden.

Die eigentliche Behandlung der Vogelgrippe ist recht schwierig, denn die meisten der bekannten Medikamente, die direkt gegen das Vogelgrippe-Virus gerichtet sind (sogenannte „antivirale Arzneimittel“), sind nur innerhalb kürzester Zeit nach der Infektion wirksam. Vor allem Neuraminidasehemmer die gegen die Oberflächenproteine der Vogelgrippe-Viren gerichtet sind, haben eine gute Wirksamkeit gezeigt. Die in diesem Zusammenhang am häufigsten verabreichten Arzneimittel sind: Zanamivir und Oseltamivir. Die Wirksamkeit dieser Medikamente beruht auf einer Hemmung der Virusausbreitung innerhalb des Wirtskörpers.

Sind die viralen Erreger erst in die Körperzellen eingedrungen, kann jedoch keine Wirksamkeit mehr nachgewiesen werden. In solchen Fällen kann die Behandlung der Vogelgrippe ausschließlich symptomatisch erfolgen. Das bedeutet, dass lediglich die Beschwerden des betroffenen Patienten gelindert werden. Das Virus selbst muss durch das körpereigene Immunsystem bekämpft werden.

Zu den wichtigsten Maßnahmen in der symptomatischen Behandlung der Vogelgrippe gehören:

  • intravenöse (über die Vene) Flüssigkeitszufuhr
  • Sauerstoffgabe
  • Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen
  • Schmerzlinderung

Weder zur Schmerzlinderung, noch zur Senkung des Fiebers dürfen bei Kindern Acetylsalicylsäure- haltige Arzneimittel (Aspirin) eingesetzt werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass Aspirin im Zusammenhang mit dem Vogelgrippe-Virus eine lebensbedrohliche Erkrankung, das Reye-Syndrom, verursachen kann. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Beeinträchtigung des Gehirnes die ungefähr drei bis fünf Tage nach Auftreten der ersten Vogelgrippe-Symptome beobachtet werden kann. Grund für die Entstehung des Reye-Syndroms nach Einnahme von Acetylsalicylsäure- haltige Arzneimitteln bei Kindern mit Vogelgrippe ist eine Fehlfunktion kleinster Zellstrukturen (Mitochondrien). Diese Fehlfunktionen betreffen vor allem die Mitochondrien der Leber, der Skelettmuskulatur und des Gehirnes. In Folge der strukturellen Veränderungen kommt die Energieversorgung der betroffenen Zellen fast gänzlich zum Erliegen.

Im weiteren Verlauf der Vogelgrippe kann es dazu kommen, dass bakterielle Erreger die Lunge befallen und zur Entstehung einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Das Risiko der Entstehung einer begleitenden Lungenentzündung ist bei Patienten die an der Vogelgrippe leiden besonders hoch, weil das Immunsystem der Betroffenen bereits stark geschwächt ist. Kommt es also zu einer begleitenden Lungenentzündung, muss diese ebenfalls gezielt behandelt werden. In diesem Zusammenhang kommen vor allem Antibiotika der Klassen Betalaktamase-Inhibitoren, Cephalosporine und Makrolide zum Einsatz.

Verlauf und Komplikationen

Der Verlauf der Vogelgrippe kann bei jedem Menschen einen ganz unterschiedlichen Verlauf annehmen. In wenigen Fällen entwickeln die betroffenen Patienten gar keine Beschwerden oder leiden lediglich an leicht ausgeprägten Erkältungssymptomen. Andere Patienten hingegen prägen ein deutlicheres Krankheitsbild mit hohem Fieber, starkem Husten und Atemnot aus.

Besonders schwere Verläufe zeigen sich durch das Auftreten von akuten Organbeteiligungen. Vor allem die Entstehung von entzündlichen Prozessen im Bereich der Atemwege (Lungenentzündung; Pneumonie) spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle.

Im Falle der Vogelgrippe verläuft die Infektion beim Menschen jedoch sehr schwer. Entscheidend für den Heilungsverlauf eines betroffenen Patienten sind die möglichen Komplikationen, die während der Infektion auftreten können. Zu den häufigsten Komplikationen gehören das akuten Atemwegssyndrom, der septische Schock und das Versagen verschiedener Organe. Bei Vogelgrippe- Patienten die einen derart schweren Krankheitsverlauf entwickeln, wird eine intensivmedizinische Behandlung und oftmals eine künstliche Beatmung notwendig.

Besonders gefährlich wird eine Infektion mit der Vogelgrippe, wenn die betroffenen zeitgleich in Kontakt mit gewöhnlichen Grippeviren kommen. In diesen Fällen kann sich das Erbgut der verschiedenen Virenstämme miteinander mischen (Mutation) und im Zuge dessen verändern.

Im Allgemeinen sind Infektionen mit diesen Virus-Mischformen wesentlich leichter von Mensch-zu-Mensch übertragbar. Die Ausbildung einer sogenannten „Pandemie“ (weltweite Massenerkrankung) ist dann besonders einfach.

Vorbeugung

Einer Infektion mit den für die Entstehung der Vogelgrippe ursächlichen viralen Erregern kann vorgebeugt werden. In Gefahrenregionen sollte vor allem der Kontakt mit infizierten Vögeln vermieden werden. Das direkte Ansteckungsrisiko für Menschen ist jedoch auch bei Kontakt zu infizierten Tieren eher gering. Dennoch muss die Einhaltung spezieller Schutzmaßnahmen dringend eingehalten werden.

Zu den relevanten Präventionsmaßnahmen gehören:

  • regelmäßige Händehygiene mit Wasser und Seife
  • regelmäßige Desinfektion der Hände
  • direkten Kontakt zu jeglichem Geflügel meiden
  • kranke oder tote Wildvögel keinesfalls berühren
  • nach Kontakt mit toten oder kranken Vögeln umgehend die Hände mit Wasser und Seife waschen und anschließend desinfizieren
  • Geflügelfleisch vor dem Verzerr unbedingt kochen oder braten (Vogelgrippe-Viren lassen sich durch das Erhitzen auf ungefähr 70 Grad Celsius abtöten)
  • kein Verzerr von rohem oder halbgarem Geflügelfleisch

Die Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch ist zwar bislang nicht bewiesen, dennoch sollten Infizierte isoliert und beim Kontakt Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Darüber hinaus kann einer Infektion mit der Vogelgrippe teilweise durch eine Impfung vorgebeugt werden. Es existieren verschiedene Vogelgrippe-Impfstoffe, die seit einiger Zeit auch in Deutschland zugelassen sind. Diese Impfstoffe schützen vor allem gegen den Virus-Subtypen H5N1. Gegen den Virus-Subtypen H7N9 steht zur Zeit jedoch noch kein geeigneter Impfstoff zur Verfügung. Der zur Prävention der gewöhnlichen Grippe zur Verfügung stehende Impfstoff zeigt keinerlei Wirkung zur Vorbeugung der Vogelgrippe. Dennoch sollte eine entsprechende Grippe-Impfung regelmäßig durchgeführt werden. Auf diese Weise können sich bei einer späteren Ansteckung mit dem Vogelgrippe-Virus schwere Krankheitsverläufe verhindern lassen. Darüber hinaus sinkt das Risiko der Entstehung gefährlicher Kreuzungen zwischen Grippe- und Vogelgrippeviren. Im Zuge dessen sinkt die Gefahr der Ausbreitung einer Pandemie.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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