Folgen Sie uns auf:


Juckreiz am After

Allgemeines

Ein Juckreiz am After kann ein harmloses Symptom darstellen, was gelegentlich und kurzfristig auftritt und nach kurzer Zeit von alleine wieder aufhört. Der Drang, den Juckreiz am After durch Kratzen zu lindern, ist sehr stark, doch nicht immer hilfreich. Ein Juckreiz oder ein brennendes Gefühl am After kann unter Umständen auch auf verschiedene und zum Teil durchaus schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. Juckreiz am After tritt relativ häufig auf, allerdings handelt es sich um ein Beschwerdebild, über das nicht gerne gesprochen wird. Medizinisch bezeichnet man das Jucken am After als Pruitus Ani. In vielen Fällen geht der Juckreiz mit einem brennenden Gefühl einher beziehungsweise führt das Kratzen aufgrund des Juckreizes zu Afterbrennen.

Bei wiederholtem Auftreten sollte ein Afterjucken in jedem Fall von einem Arzt untersucht werden. Viele verschiedene Faktoren können einen solchen Juckreiz verursachen, beispielsweise der Genuss bestimmter Nahrungsmittel oder Stress. Bei Kindern ist der häufigste Auslöser für intensiven Juckreiz am After (besonders nachts) eine Wurmerkrankung.

Am After begünstigen verschiedene Faktoren das Auftreten von Hautjucken. Die Haut am After ist in mehreren Schichten übereinander gefaltet, wobei sich feuchtwarme und sauerstoffarme Bereich in diesen Hautfalten bilden. Diese neigen zu Rissen und bieten gleichzeitig ideale Bedingungen für die Vermehrung von Keimen. Dies wird zusätzlich durch den Kontakt mit Stuhl und Urin sowie bei starkem Übergewicht (Adipositas) verstärkt.

Symptome

Der Juckreiz am After wird meist als sehr intensiv und unangenehm wahrgenommen. Im weiteren Verlauf kann sich der Juckreiz bis zu den weiblichen Schamlippen beziehungsweise den männlichen Hoden ausbreiten. In der Regel ist der Juckreiz so stark, dass versucht wird, sich durch Kratzen Linderung zu verschaffen. Häufig ist Kratzen kurzfristig auch erfolgreich, jedoch kommt es langfristig in vielen Fällen zu einer Verschlechterung des Beschwerdebildes und der Juckreiz intensiviert sich zusätzlich. Außerdem kann es durch starkes Kratzen zu Verletzungen der Haut kommen und ein sogenanntes Analekzem, ein juckender Hautausschlag am After, kann entstehen. Kommt es zu einem solchen Hautausschlag nehmen sowohl der Juckreiz als auch Hautirritationen und Brennen zu.

Die Ursachen für Juckreiz am After

Juckreiz am After kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Dabei kann es sich um relativ harmlose allergische Reaktionen und hygienische Mängel handeln oder aber um Infektionen mit verschiedenen Krankheitserregern sowie anderen anorektalen Erkrankungen. Darunter versteht man Erkrankungen, die den Mastdarm und After betreffen. Eine relativ häufige Ursache für einen Afterjuckreiz ist unzureichende Analhygiene. Bleiben Stuhlreste am After zurück, kommt es rasch zu entzündlichen Hautirritationen und damit einhergehend zu brennendem Juckreiz. Jedoch kann auch übermäßige und aggressive Hygiene eine mögliche Ursache für den Juckreiz darstellen. Inhaltsstoffe von Seifen, Cremes oder Waschmitteln sowie bedrucktes und parfümiertes Toilettenpapier können ebenfalls zu allergischen Reaktionen der Haut im Analbereich führen. Mechanische Reizungen durch raues Toilettenpapier, langes Radfahren oder ungeeignete Unterwäsche können die Oberfläche der Haut schädigen, was ebenfalls zu Juckreiz führen kann. Außerdem wird die Entwicklung entzündlicher Prozesse begünstigt. Unter Umständen kann es auch nach dem Genuss sehr scharfer Speisen wie Chili zu einem unangenehmen Jucken und Brennen bei der Ausscheidung kommen. Diese Beschwerden sind jedoch meist kurzfristig und halten nicht länger an.

Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren können die Haut im Afterbereich befallen und zu juckenden Hautausschlägen mit Rötungen, Bläschen und Schuppenbildung führen. Dabei sind meist nur die oberen Hautschichten betroffen, durch Kratzen kann es jedoch zu einem verschleppen der Erreger in tiefere Hautschichten bis hin zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung kommen.

Häufig ist auch eine Infektion mit Madenwürmern. Die Würmer leben normalerweise im Darm und verlassen diesen nur, wenn die weiblichen Madenwürmer ihre Eier im Umfeld des Afters ablegen, was zu einem starken Juckreiz führt. Manchmal wird die Infektion durch Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Fieber, Übelkeit und Erbrechen begleitet. Es besteht eine hohe Ansteckungsgefahr, da beim Kratzen die hochinfektiösen Eier an den Fingern haften bleiben und weiter gegeben werden können. Es gibt spezielle Medikamente gegen Würmer, die bei einem Befall von Madenwürmern vom Arzt verschrieben werden.

Lesen SIe mehr zu diesem Thema unter: Würmer im Darm

Hämorrhoiden und Analfissuren

Hämorrhoiden treten sehr häufig auf und stellen eine krankhafte Veränderung der Gefäßpolster um den After dar. Sie dienen dem Verschluss des Anus und verhindern das unwillkürliche Austreten von Stuhl. Das Gewebe durch verschiedene Faktoren und mit zunehmendem Alter geschwächt, wodurch es zu einer krankhaften Vergrößerung der Hämorrhoiden kommen kann. Da der After nun nicht mehr ausreichend verschlossen wird, tritt vermehrt Stuhl aus, was zu entzündlichen Hautirritationen im Analbereich und entsprechendem Juckreiz führen kann.

Eine Analfissur bezeichnet Einrisse der Analschleimhaut, die sich in den meisten Fällen durch starke Schmerzen äußern. Analfissuren entstehen beispielsweise durch eine zu harte Stuhlkonsistenz oder bestimmte Sexualpraktiken wie Analverkehr bei bereits geschwächter Gewebestruktur der Analschleimhaut. Besonders beim und nach dem Stuhlgang kommt es zu einem sehr schmerzhaften Brennen, da die offene Wunde gereizt wird. Kommt es zu einem Abheilen der Analfissur mit der Zeit, wird dies meist von einem starken Juckreiz begleitet. Dabei sollte Kratzen unbedingt vermieden werden, da es dadurch zu einer Wiedereröffnung der Wunde kommen kann.
Lesen Sie hier mehr zum Thema: Analfissur und Eingerissener After

Sowohl bei Hämorrhoidalleiden als auch bei Analfissuren kommt es in der Regel zu hellroten Blutrückständen auf dem Toilettenpapier.

Die Therapie des Juckreizes am After

Um eine Verschlechterung der Beschwerden und eine Verschlimmerung des Juckreizes am After zu vermeiden, sollte Kratzen unbedingt vermieden werden. Die Behandlung des Juckreizes richtet sich nach den jeweiligen Ursachen für die Beschwerden. Beispielsweise lassen sich durch einen Verzicht auf bestimmte Kosmetika oder Hygieneprodukte allergische Reaktionen vermeiden. Zu empfehlen ist dann, beim Duschen gründlich den After mit klarem Wasser und ohne Reinigungsmittel zu säubern. Eine Umstellung der Analhygiene ist in vielen Fällen bei Juckreiz sinnvoll und empfehlenswert, um ein Abklingen der Beschwerden zu erreichen. Wenn sich entzündliche Hautirritationen im Analbereich ausgebildet haben, werden sie meist mit Cremes oder Salben die Glucocortikoide enthalten behandelt. Bei längerfristigem Bedarf wird meist auf den Inhaltsstoff Ammoniumbituminosulfonat gewechselt, da Glucocortikoide nur kurzfristig angewendet werden sollten.

Eine sehr häufig Ursache für einen Juckreiz am After sind Hämorrhoidalleiden, die meist mit Zäpfchen, Salben, Cremes, Mulleinlagen oder Analtampons behandelt werden. Sehr wichtig ist dabei auch die Umstellung der Ernährung (viel Ballaststoffe und viel Flüssigkeit), um die Stuhlkonsistenz zu beeinflussen und den Druck auf die Hämorrhoiden beim Stuhlgang zu verringern. Ebenso sollte bei einer Analfissur der Stuhl möglichst weich gehalten werden. Starke Schmerzen können mit Salben, die örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) enthalten, behandelt werden. Eine Infektion im Analbereich wird ebenfalls mit äußerlich anzuwendenden Cremes oder Salben behandelt. Bakterielle Infektionen werden entsprechend mit antibiotischen Mitteln, virale Infektionen mit Virostatika und Pilzinfektionen mit antimykotischen Mitteln behandelt. Eine parasitäre Infektion beispielsweise mit Madenwürmern werden mit speziellen Medikamenten gegen Würmer behandelt, die ein Absterben der Würmer bewirken. Außerdem sollten die Fingernägel kurz gehalten werden, damit keine Wurmeier haften bleiben können, die Unterwäsche sollte mehrfach am Tag gewechselt werden und auch ein tägliches Wechseln der Bettwäsche ist eine sinnvolle Maßnahme bei Wurmbefall.

Auch operative Eingriffe sind bei verschiedenen Ursachen von Juckreiz am After notwendig, welche Maßnahmen im Endeffekt angewendet werden, hängt stark vom individuellen Beschwerdebild des Betroffenen ab.

Dieses Thema könnte Sie auch interessieren: Parasitenkur

Diagnose

Für das Afterjucken kommen eine Vielzahl von Ursachen in Betracht, weshalb bei wiederholtem oder andauerndem Auftreten ein Facharzt beziehungsweise ein sogenannter Proktologe aufgesucht werden sollte. Dabei kann eine erste Einschätzung der Beschwerden schon anhand der Krankengeschichte (Anamnese) erfolgen.

Des Weiteren wird eine proktologische Untersuchung durchgeführt. Dabei wird der Analbereich abgetastet und die Haut der Afterregion genau unter die Lupe genommen. Gegebenenfalls kann es notwendig sein, eine endoskopische Untersuchung durchzuführen. Dabei lassen sich verschiedene Erkrankungen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren eindeutig diagnostizieren und eventuell auch therapieren. Außerdem kann eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, was beispielsweise bei Verdacht auf eine Krebserkrankung wichtig sein kann.

In manchen Fällen wird ein Abstrich angefertigt, um eine eventuelle Infektion des Analbereichs mit Bakterien, Viren oder Pilzen in einer anschließenden Laboruntersuchung nachzuweisen. In der Regel wird auch eine Stuhlprobe untersucht, womit sich beispielsweise eine Madenwurminfektion diagnostizieren lässt. Auch eine Blutuntersuchung kann sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf systemische Erkrankungen oder einen möglicherweise vorliegenden Vitaminmangel besteht.

Prognose und Dauer

Da es viele verschiedene Ursachen für einen Juckreiz am After gibt, können auch Intensität und Dauer der Beschwerden entsprechend der Ursache deutlich variieren. In manchen Fällen kommt es nur kurzfristig zu dem unangenehmen Juckreiz, wohingegen in anderen Fällen der Juckreiz einige Tage anhalten kann und durch zusätzliches Brennen als sehr schmerzhaft empfunden werden kann. Außerdem kann es in Abhängigkeit von der Ursache für den Afterjuckreiz auch zu zahlreichen weiteren Begleitsymptomen kommen wie beispielsweise einem irritativen Hautausschlag, der häufig den Heilungsprozess verlängert.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Dermatologie finden Sie unter: Dermatologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: