Erhöhung des zweiten Blutdruckwertes

Einleitung

Der Blutdruck wird immer in zwei Werten angegeben, dem systolischen (1. Wert) und dem diastolischen Wert (2. Wert); z.B. 120/80 mmHg. mmHg ist die Einheit, in der der Blutdruck angegeben wird und bedeutet Millimeter Quecksilbersäule. Der systolische Druck entsteht durch die Kontraktion des Herzens. Der diastolische Blutdruck ist gewissermaßen der Basisdruck, unter dem sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen. Er sollte 80-89 mmHg nicht überschreiten.

In den meisten Fällen von Bluthochdruck sind beide Werte zu hoch. Doch in manchen Fällen ist vor allem der diastolische, zweite Blutdruckwert zu hoch. Man spricht von isolierter diastolischer Hypertonie (Hypertonie=Bluthochdruck). Sie ist deutlich seltener als der häufige systolische Bluthochdruck, kann jedoch trotzdem schwere Schäden vor allem am Herzen verursachen. Darüber hinaus steckt oft eine Erkrankung an anderer Stelle hinter einer Erhöhung des zweiten Blutdruckwertes. Nach Diagnosestellung sollte stets eine angemessene Behandlung erfolgen, um ein Fortschreiten der Erkrankung und Folgeschäden zu vermeiden.

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Wie gefährlich ist das?

Patienten, bei denen der zweite Blutdruckwert zu hoch ist, stellt sich die Frage: „Wie gefährlich ist das?“ Diese Frage kann pauschal nur schwer beantwortet werden. Wie gefährlich die isolierte diastolische Hypertonie ist, hängt von der Ausprägung der Blutdruckerhöhung ab sowie von den Begleiterkrankungen des Betroffenen. Jedoch sollte jeder Bluthochdruck behandelt werden. Das gilt sowohl für die klassische, als auch für die diastolische Hypertonie. Gefährlich sind vor allem die nicht zu unterschätzenden Langzeitfolgen von Bluthochdruck. Zu hoher Blutdruck schädigt auf lange Sicht viele Organe. So werden die Nieren in Mitleidenschaft gezogen, auch die Netzhaut im Auge kann Schaden nehmen. Daneben steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Ist der zweite Blutdruckwert zu hoch, ist insbesondere das Herz betroffen. Die Durchblutung des Herzens erfolgt, anders als in allen anderen Organen, nicht während der Kontraktion des Herzens, sondern danach in der Füllungsphase. In dieser Phase herrscht der diastolische Blutdruck, der mit dem zweiten Blutdruckwert angegeben wird. Ist dieser zu hoch, kann es zu Schäden an den Herzkranzgefäßen kommen. Im Verlauf ist somit das Risiko für einen Herzinfarkt und eine chronische Herzschwäche erhöht.

Was ist der Normalwert?

Bei dem zweiten Blutdruckwert handelt es sich um den sogenannten diastolischen Blutdruckwert. Dieser sollte bei Erwachsenen etwa bei 80 mmHg liegen. Von einer Erhöhung des diastolischen Blutdrucks spricht man ab einem Druck von 100 mmHg in Kombination mit einem systolischen (ersten) Blutdruckwert von über 140 mmHg. Ab dem Wert von 120 mmHg gilt der zweite unabhängig vom ersten Wert als erhöht, man spricht von einer malignen (bösartigen) Hypertonie (Bluthochdruck). Bei Kindern werden je nach Alter andere Blutdruckwerte zugrundegelegt. Bis zum Alter von etwa 10 Jahren sollte der diastolische Blutdruck unter 70 bis 80 mmHg liegen. Mit 15 bis 18 Jahren hat der Blutdruck den der Erwachsenen erreicht, der diastolische Normalwert liegt nun bei 80 mmHg.

Ursachen

Ursachen dafür, dass allein der zweite Blutdruckwert zu hoch ist, sind vielfältig und werden immer noch erforscht. Man geht davon aus, dass es im Rahmen eines klassischen Bluthochdrucks in manchen Fällen zunächst dazu kommt, dass nur der zweite Blutdruckwert zu hoch ist. Verantwortlich sind dann die allgemeinen Ursachen für Hypertonie. Der Blutdruck wird in erster Linie durch zwei Dinge bestimmt: Erstens von der Menge an Blut, die im Körper zirkuliert und die das Herz durch die Gefäße pumpt; zweitens vom Durchmesser und der Elastizität der Blutgefäße selbst. Die Gefäße können durch verschiedenste Ursachen geschädigt werden. Die wichtigsten Ursachen des Bluthochdrucks in diesem Rahmen sind z.B. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung.

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Ihnen allen ist gemein, dass sie schädigende Einflüsse auf die Gefäße haben. Es kommt durch Zigarettenrauch und zu hohen Blutfettwerten zur Verengung von Gefäßen. Diese wird verursacht durch Ablagerungen von Fetten und abgestorbenen Zellen in die Gefäßwand. Das Fehlen von körperlicher Aktivität unterstützt diesen Effekt. Außerdem wird ohne Sport der Kreislauf nicht genügend trainiert und es kommt zu erhöhten Blutdruckwerten. Vor allem die Enge in den peripheren Gefäßen sorgt dafür, dass der zweite Blutdruckwert zu hoch ist. Neben diesen von außen wirkenden, beeinflussbaren Faktoren zählen auch verschieden Grundkrankheiten zu den Ursachen eines hohen zweiten Blutdruckwertes. Es konnte gezeigt werden, dass bei der isolierten Erhöhung des zweiten Blutdruckwertes oftmals eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt. So wird ein zu hoher, zweiter Blutdruckwert mit einer Schilddrüsenunterfunktion in Verbindung gebracht. Dies sollte in der Diagnosestellung mit beachtet werden. Ebenso können Gefäßerkrankungen zu einer isolierten Erhöhung des zweiten Blutdruckwertes führen. Hier ist insbesondere eine Nierenarterienstenose zu nennen. Dabei ist die Blutversorgung der Niere vermindert, sodass diese mit der Erhöhung des Blutdruckes reagiert. In seltenen Fällen ist ein Hormon-produzierender Tumor verantwortlich für den hohen Blutdruck. Dieser Phäochromozytom genannter Tumor setzt Adrenalin frei. Dies verengt die Gefäße und erhöht den Druck. Es handelt sich bei den zuletzt genannten um seltene Ursachen. Meist folgt dem erhöhten zweiten Blutdruckwert die Erhöhung des ersten.

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Schilddrüsenerkrankung als Ursache für einen erhöhten zweiten Blutdruckwert

Die Schilddrüse hebt den Blutdruck meist dann an, wenn eine Überfunktion vorliegt. Diese steigert die Herzfrequenz und den Blutdruck, außerdem schwitzen betroffene Personen vermehrt. Auch der Stoffwechsel wird angeregt, sodass mehr Energie vom Körper verbraucht wird und es häufig zu einem Gewichtsverlust kommt. Die Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion können in kleinen Knoten der Schilddrüse liegen, die sich verselbstständigen und vermehrt Schilddrüsenhormone bilden. Dabei kann es sich sowohl um gutartige als auch um bösartige Vorgänge handeln.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:Schilddrüsenüberfunktion

Therapie

Ist der zweite Blutdruckwert zu hoch, stehen zur Behandlung verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Zunächst versucht man ohne Medikamente den Blutdruck zu senken. Dabei steht eine Optimierung des Lebensstils im Mittelpunkt. Es wird empfohlen, regelmäßig Ausdauersport zu treiben und auf eine gesunde, fettarme Ernährung zu achten. So können Übergewicht und Blutfette reduziert werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Bluthochdruck und Sport

Rauchern wird dringend empfohlen, das Rauchen aufzugeben. Auch sollten andere Grunderkrankungen, vor allem ein etwaiger Diabetes mellitus, gut eingestellt sein. Ist der zweite Blutdruckwert unter dieser Behandlung immer noch zu hoch, sind medikamentöse Maßnahmen einzuleiten. Es gibt dabei unterschiedliche Medikamentengruppen. Meist werden sogenannte ACE-Hemmer, Beta-Blocker oder Diuretika („Wassertabletten“) eingesetzt. Jedes Medikament hat Vor- und Nachteile. Bei einer isolierten Erhöhung des zweiten Blutdruckwertes hat sich gezeigt, dass der Betablocker Nebivolol besonders gezielt wirkt. Er reduziert die Leistung des Herzens und führt gleichzeitig zu einer Weitstellung der Blutgefäße, sodass der zweite Blutdruckwert sinkt. Doch auch andere Substanzen aus oben genannten Gruppen können den Blutdruck effektiv senken. Liegt eine Grunderkrankung vor, muss diese natürlich ebenso in die Therapie mit einfließen. Wichtig für den zweiten Blutdruckwert ist in diesem Rahmen die Behandlung einer verminderten Schilddrüsenfunktion mit Schilddrüsenhormonen. Die Therapie muss bei jedem Patienten individuell auf Art und Ausmaß der Beschwerden eingestellt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Therapie des Bluthochdrucks

Ab wann muss behandelt werden?

Es gibt relativ klare Empfehlungen, ab wann behandelt werden muss. Beim zweiten Blutdruckwert gibt es wie beim ersten auch Grenzwerte. Die Grenze, ab der der zweite Blutdruckwert zu hoch ist, wird bei >90 mmHg gesetzt. Wurde eine Erhöhung des zweiten Wertes sicher diagnostiziert, muss behandelt werden. Die Art der Behandlung ist jedoch immer abhängig von der Ausprägung der Beschwerden und der Höhe des Blutdruckwertes. Bei nur geringen Erhöhungen kann für kurz Zeit abgewartet und beobachtet werden, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden. Neben der Orientierung an Messwerten gibt es weitere Kriterien, ab wann behandelt werden muss. Bei bestehenden Symptomen wie körperlicher Schwäche oder Leistungsabfall muss eine Behandlung eingeleitet werden. Auch dann, wenn man am Herzen strukturelle Veränderungen feststellt, ist dies der Fall. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Herzkranzgefäßen. Äußerst wichtig dabei ist, eine Behandlung einzuleiten, bevor es zu Schädigungen kommt.

Hausmittel

Hausmittel gegen einen erhöhten Blutdruck gibt es in vielen Formen und Varianten. Zunächst wirkt sich viel Bewegung an der frischen Luft positiv auf den zweiten (und natürlich auch auf den ersten) Blutdruck aus. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle (ballaststoffreich und salzarm). Zudem helfen Mittel wie etwa ein Liter Pfefferminztee am Tag für mehrere Wochen. Auch Schwarzkümmelölkann den zweiten Blutdruckwert senken. Knoblauchwirkt ebenso positiv auf den Blutdruck, zudem kommt es durch den Verzehr von Knoblauch zu einer leichten Blutverdünnung. Hierbei ist Vorsicht geboten, wenn spezielle Gerinnungsneigungen oder bereits eine Therapie mit Blutverdünnern vorliegen.

Homöopathie

Auch die Homöopathie kennt viele Mittel gegen einen erhöhten Blutdruck, allerdings ist die Wirkung von homöopathischen Mitteln umstritten. Wenn der Blutdruck einer betroffenen Person zu Kopf steigt, also Schwindel und Kopfschmerzen verursacht, kann Aurum metallicum gegen die Beschwerden eingesetzt werden. Treten zudem Ohrensausen und Nasenbluten aufgrund des erhöhten zweiten Blutdruckwertes auf, kann man Arnicazu sich nehmen. Des Weiteren sind Viscum albumund Plumbum metallicum häufig eingesetzte homöopathische Mittel gegen den hohen Blutdruck. In der Regel wirken sich all diese Mittel sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blutdruckwert aus.

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Auch der erste Blutdruckwert ist erhöht

In den meisten Fällen von Bluthochdruck ist neben dem zweiten auch der erste Blutdruckwert zu hoch. Es handelt sich dann um den klassischen Bluthochdruck. Der erste Blutdruckwert sollt optimaler Weise bei 120 mmHg liegen. Per Definition spricht man ab Werten von mehr als 140 mmHg von Bluthochdruck. Die Ursachen sind wie auch bei der Erhöhung nur des zweiten Wertes vor allem Übergewicht, ungesunde Ernährung, Rauchen, Alkohol und eine insgesamt ungesunde Lebensweise. Auch mit dem Alter steigt der erste Blutdruckwert an. Oftmals kann jedoch keine genaue Ursache gefunden werden. Ist auch der erste Blutdruckwert zu hoch, sollte eine adäquate Behandlung eingeleitet werden. Mehr noch als eine Erhöhung des zweiten Wertes verursacht eine dauerhafte Erhöhung des ersten Blutdruckwertes Langzeitschäden. Es dauert meist Jahre, bis sich erste Anzeichen dafür zeigen. Eine langfristige Behandlung auch ohne Symptome ist enorm wichtig, um diese Langzeitschäden zu vermeiden. Zur Verfügung stehen wie auch bei der Behandlung der diastolischen Hypertonie ACE- Hemmer, Entwässerungstabletten und Betablocker.

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Erhöhter zweiter Blutdruckwert in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft können viele verschiedene Blutdruck-assoziierte Schwangerschaftserkrankungen auftreten. Von einem schwangerschaftsinduzierten Bluthochdruck (ein Blutdruck, der durch die Schwangerschaft ausgelöst wird) spricht man ab einem zweiten Blutdruckwert von 90 mmHg. Eine schwere Erhöhung liegt ab 110 mmHg diastolisch vor. Tritt zusätzlich eine Ausscheidung von Eiweiß über den Urin aus, spricht man von einer sogenannten Präeklampsie. Die daraus folgende Eklampsie und das HELLP-Syndrom können mit schweren Komplikationen für Mutter und Kind einhergehen.

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Symptome

Ein Bluthochdruck besteht meist eine lange Zeit, ohne dass die Betroffenen ihn bemerken. Viele Tausende Menschen in Deutschland leben mit Bluthochdruck, ohne es zu wissen.
Symptome treten also meist erst bei einem fortgeschrittenen Bluthochdruck auf. Zu den häufigsten Beschwerden zählen folgende Symptome:

Diagnose

Die Diagnose des Bluthochdrucks umfasst verschiedene Dinge. Oftmals handelt es sich um Zufallsdiagnosen, die im Rahmen von Routinekontrollen gestellt werden. Grundlage der Diagnose, wenn der zweite Blutdruckwert zu hoch ist, bildet die Blutdruckmessung. Dabei reichen einzelne Messungen meist nicht aus. So kommt es zum Einsatz der Langzeit-Blutdruckmessung z.B. über 24h. Diese kann durch eine Messung der Herzaktion (EKG) begleitet werden. Hier zeigt sich die alleinige Erhöhung beim zweiten Blutdruckwert. Der optimale Wert liegt bei 80 mmHg. Ein zweiter Blutdruckwert zwischen 80 und 90mmHg ist noch normal. 90-100 mmHg bedeutet eine leichte diastolische Hypertonie, zwischen 100-110 mmHg ist diese mittelgradig. Eine schwere diastolische Hypertonie liegt ab Werten darüber vor. Liegt der zweite Blutdruckwert über 120 mmHg spricht man von einer malignen Hypertonie, die mit deutlichen körperlichen Schäden einhergehen kann. Neben der Blutdruckmessung kommen Blutuntersuchungen, Herzfunktionsprüfungen und eventuell eine Computertomografie zum Einsatz, um die Ursachen zu identifizieren. Auch eine ausgiebige Befragung nach den Lebensgewohnheiten und –umständen hilft weiter. Dabei sind vor allem sportliche Aktivität, Ernährung und die Frage nach Nikotin- und Alkoholkonsum interessant.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 13.02.2017 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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