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Ursachen einer Blinddarmentzündung

Einleitung

Eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) und äußert sich in der Regel in starken Schmerzen im rechten Unterbauch, begleitet von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen.

Etwa 7% der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Blinddarmentzündung, mit einem Krankheitsgipfel zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr. Als einzige ursächliche (kausale) Therapie gilt die Entfernung des Wurmfortsatzes im Rahmen einer sogenannten Appendektomie.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome einer Blinddarmentzündung

Wie kann man sich den Blinddarm vorstelllen?

Der Blinddarmfortsatz ist eine wurmartige, in der Regel 8-10 cm lange, in Ausnahmen auch deutlich längere, Ausstülpung des Blinddarms (Caecum), welcher der erste Teil des Dickdarms ist.
Entgegen früherer Annahmen ist er kein funktionsloses Überbleibsel aus der Evolution, sondern hat wichtige Aufgaben bei der Abwehr von Keimen und Erregern, weswegen er auch häufig ‚Darmtonsille‘ genannt wird. Die Wand des Appendix besteht zum großen Teil aus Lymphfollikeln, in denen sich Zellen des Immunsystems zusammen finden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Aufgabe des Blinddarms

Durch den Wandaufbau ist die Dehnbarkeit stark eingeschränkt, so dass schnell der Druck in dem Organ steigen kann und somit Entzündungsprozesse gefördert werden. Weiterhin ist der Innendurchmesser (Lumen) des Wurmfortsatzes mit ca. 1-2 mm wesentlich enger als bei den restlichen Darmbestandteilen. Eine Verstopfung des engen Lumens ist also nicht unwahrscheinlich.

Übersicht über die Ursachen einer Blinddarmentzündung

Die Ursachen der Blinddarmentzündung liegen zum großen Teil in dem Bauplan des Organs. Verschiedene Faktoren können nun die Entzündung auslösen, wobei häufig die genaue Ursache der Erkrankung unklar bleibt.
So können zum Beispiel Kotsteine die Öffnung verschließen. Dort vermehren sich nun zunehmend Bakterien und dringen tief in die Schleimhaut ein. Bestimmte Bakterien, z.B. Escheria coli oder Campylobacter verursachen direkte Schäden im Wandaufbau, so dass Schmerzempfindungen hervorgerufen werden. 

Folgende Ursachen können vorliegen:

  • Kotsteine
  • Verstopfung
  • mechanische Abknicke
  • Narben
  • unverdaubare Nahrungsbestandteile (Kirschkerne, Melonenkerne und Traubenkerne)
  • Fremdkörper
  • Infekte
  • Stress 
  • Alkohol
  • Würmer / Parasiten
  • Morbus Crohn (chronische entzündliche Darmerkrankung) 
  • Appendixtumore (selten, hier verstopft ein Tumor die Öffnung)
  • Appendixdivertikulose (selten, siehe Divertikulitis)

Die genaue Ursache der Krankheit kann häufig erst nach einer feingeweblichen (histologischen) Untersuchung des entfernten Blinddarmfortsatzes durch einen Pathologen bestimmt werden.

Nicht selten führen allgemeine, aber auch lokale Infekte des Darms zu einer Blinddarmentzündung. Häufig sind es Erkrankungen die durch Viren verbreitet werden, wie z.B. Masern, Epstein-Barr-Virus, Grippe oder auch Scharlach. Manchmal stehen bei Kindern eine Blinddarmentzündung und eine Mandelentzündung (Tonsillitis) in einem zeitlichen Zusammenhang von 2-3 Wochen. Durch die Infekte reagieren die Abwehrzellen in der Wand des Appendix und verursachen so eine Schwellung.

Eine weitere Ursache ist in der Blutversorgung des Organs zu suchen. Bei einem Verschluss kann sich eine Minderdurchblutung entwickeln, so dass der Appendix nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird (sog. Ischämie). Es entstehen folgeträchtige Schäden in der Wand des Organs.

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Verstopfung als Ursache einer Blinddarmentzündung

Eine Verstopfung zählt zu den mögliche Ursachen oder zumindest zu den begünstigenden Faktoren, die zu einer Blinddarmentzündung führen können. Bei einer Verstopfung ist der Stuhl besonders hart und die Passage durch den Dickdarm verlangsamt. In der Folge kann sich Stuhl im Blinddarm stauen und zum Beispiel auch ein Kotstein den Wurmfortsatz verschließen. Als Folge kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung von Darmbakterien, welche in die Wand des Wurmfortsatzes des Blinddarms eindringen und dort die Entzündungsreaktion auslösen können. Wer unter Verstopfung leidet, sollte daher frühzeitig Maßnahmen einleiten, um diese zu behandeln. An erster Stelle stehen dabei:

  • die Aufname von ausreichend Flüssigkeits
  • viel Bewegung
  • eine ballaststoffreiche Ernährung

Stuhlweichmacher können bei unzureichender Besserung eingenommen werden. Auf Abführmittel sollte nur im Ausnahmefall zurückgegriffen werden.

Mechanische Ursachen (z.B. Kirschkerne)

Der Wurmfortsatz des Blinddarms ist ein blind endendes Anhängsel des Darms mit nur einer kleinen Öffnung. Eine Entzündung dieses Organs hat oftmals eine mechanische Ursache. Dabei kann der Wurmfortsatz entweder abknicken oder zum Beispiel durch einen Kirschkern oder einen Kotstein verschlossen werden. In der Folge können sich Darmbakterien übermäßig vermehren und in die Wand des Anhängsels des Blinddarms eindringen. Dort verursachen sie eine Entzündungsreaktion, die zu den typischen Beschwerden einer Blinddarmentzündung führt. Man vermutet, dass mechanische Ursachen häufig für eine Blinddarmentzündung verantwortlich sind. Oftmals bleibt die Ursache jedoch ungeklärt.

Kann auch Stress eine Ursache sein?

Übermäßiger Stress hat negative Auswirkungen auf den ganzen Körper und kann für eine Vielzahl von Erkrankungen mitverantwortlich sein. Stress kann die Funktion des körpereigenen Abwehrsystems vermindern und so unter anderem die Entstehung von Entzündungsreaktionen begünstigen. Daher kann Stress auch bei der Entstehung einer Blinddarmentzündung mitverantwortlich sein. Allerdings handelt es sich dann nicht um die alleinige Ursache.

Oftmals hat die Entzündung des Blinddarms eine mechanische Ursache zum Beispiel wenn der Wurmfortsatz abknickt oder durch einen Kotstein verschlossen wird. In den meisten Fällen bleibt die Ursache der Blinddarmentzündung jedoch unklar.

Kann auch Alkohol eine Rolle spielen?

Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf die meisten Organsysteme aus und kann unter anderem zu einer Schädigung des Magen-Darm-Traktes führen. Auch eine erhöhte Anfälligkeit für Entzündungen kann durch Alkohol begünstigt werden. Dennoch ist eine Blinddarmentzündung in der Regel nicht direkt auf einen übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen. Menschen, die keinen oder nur wenig Alkohol konsumieren, erkranken ebenfalls häufig an einer Blinddarmentzündung. Dennoch sollte Alkohol nur in Maßen und nicht zu häufig konsumiert werden, um lebensbedrohliche Organschädigungen zu vermeiden.

Gibt es psychosomatische Ursachen?

Als "psychosomatisch" bedingt bezeichnet man Beschwerden, die eine psychische Ursache haben, jedoch als körperliche Beschwerden wahrgenommen werden. Eine tatsächliche Schädigung oder Erkrankung oder Beeinträchtigung des Körpers lässt sich dabei nicht nachweisen. Grundsätzlich können psychosomatische Beschwerden an jedem Organsystem und in jeder Körperregion auftreten. So können auch für eine Blinddarmentzündung typische Beschwerden wie starke Schmerzen im rechten Unterbauch psychosomatische Ursachen haben. Dabei ist der Blinddarm jedoch nicht tatsächlich entzündet.

Bei entsprechenden Beschwerden wird man sich oft ohnehin zur operativen Entfernung des Blinddarms entscheiden, da nur durch einen solchen Eingriff letztlich festgestellt werden kann, ob der Blinddarm wirklich entzündet ist oder nicht. Bleiben die Beschwerden dennoch bestehen, ist eine andere Ursache der Beschwerden wahrscheinlicher. Eine psychosomatische Erkrankung stellt daher keine Ursache einer Blinddarmentzündung dar, sondern kann selbst für die Beschwerden verantwortlich sein, wenn eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden konnte.

Würmer / Parasiten als Ursache einer Blinddarmentzündung

Durch verunreinigtes Wasser oder Speisen kann man Parasiten oder Würmer in den Magen-Darm-Trakt aufnehmen, die verschiedene Beschwerden verursachen können. Setzt sich ein solcher Parasit im Bereich des Blinddarms fest, kann er dort eine Entzündungsreaktion auslösen und damit für eine Blinddarmentzündung verantwortlich sein. In Deutschland sind aufgrund der hohen Trinkwasserqualität solche Infektionen zwar seltener, aber nicht ausgeschlossen. Insbesondere nach einer Reise in weniger entwickelte Regionen kann es zudem zu einer durch Parasiten ausgelösten Blinddarmentzündung kommen. Wie bei allen Formen der Blinddarmentzündung stellt eine operative Therapie das Mittel der Wahl dar. Bei Nachweis eines Parasiten ist zudem gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie erforderlich.

Was können die Ursachen einer chronischen Blinddarmentzündung sein?

In der Regel handelt es sich bei einer Blinddarmentzündung um ein akut verlaufendes Krankheitsbild, das innerhalb weniger Stunden bis Tagen auftritt und behandelt wird. Es gibt jedoch auch Verläufe, bei denen es immer wieder zu Beschwerden wie Schmerzen im rechten Unterbauch kommt, die mal stärker und mal schwächer ausgeprägt sind. Die Ursache kann dabei eine chronische Entzündung des Blinddarms sein.

Ein solcher Verlauf tritt jedoch allenfalls bei einem von hundert Menschen auf, die an einer Blinddarmentzündung leiden. Viele Mediziner sind zudem der Ansicht, dass eine chronische Blinddarmentzündung als Krankheitsbild nicht existiert und die Beschwerden in solchen Fällen auf eine andere Ursache zurückzuführen sein müssen. Andererseits wird vermutet, dass ein immer nur zeitweilig aber häufiger auftretender Verschluss des Wurmfortsatzes zu einer chronischen Blinddarmentzündung führen kann.

Abbildungen Blinddarm

  1. Blinddarm - Caecum
    (Hellblaue Umrandung)
  2. Öffnung der Bauhin-Klappe -
    Ostium ileale
  3. Mündung des Wurmfortsatzes -
    Ostium appendicis vermiformis
  4. Freier Bandstreifen -
    Taenia libera
  5. Wurmfortsatz -
    (Hellgrüne Umrandung)
    Appendix vermiformis
  6. Endteil des Krummdarms -
    Ileum, Pars terminalis
  7. Krummdarm-Blinddarm-Klappe
    (Bauhin-Klappe) -
    Papilla ilealis
  8. Querfalten des Dickdarms -
    Plicae semilunares coli
  9. Dickdarm, aufsteigender Teil -
    Colon ascendens

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.01.2019
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