Pille und Alkohol - verträgt sich das?

Einleitung

Bei der Pille handelt es sich um ein über den Mund (oral) eingenommenes Verhütungsmittel (Kontrazeptivum). Man unterscheidet die klassische Pille von der Mini-Pille, wobei beide auf eine ähnliche Weise wirken und verhindern, dass die Eizelle sich in die Gebärmutter (Uterus) einnisten kann. Zusätzlich dazu verhindert die Pille den Eisprung, sodass es erst gar nicht zu der Möglichkeit kommen sollte, dass das Ei in Kontakt mit den Spermien des Mannes gerät.

Damit die Pille ihre Wirkung entfalten kann und auch sicher ist, sollte man verschiedene Interaktionen der Pille beachten und beispielsweise darauf achten, dass die Pille immer zu gleichen Zeiten eingenommen wird und an keinem Tag die Pille vergessen oder auf sonstigem Wege „verloren“ wird.


Pille und Alkohol - verträgt sich das?

Allgemein muss man sagen, dass es sich bei der Pille um ein Medikament handelt, welches mit anderen Medikamenten und Wirkstoffen interagiert und somit die Wirkung der Pille unter Umständen verloren gehen kann. Deswegen ist es wichtig, dass bei der Einnahme der Pille einige Dinge beachtet werden.

Die Pille und Alkohol vertragen sich gut, da die Pille nicht über die gleichen Enzyme wie Alkohol (Ethanol) verstoffwechselt wird. Das bedeutet, dass man die Pille und Alkohol gleichzeitig einnehmen kann ohne Angst haben zu müssen, dass die Pille dadurch ihre Wirkung verliert oder dass die Wirkung des Alkohols dadurch verstärkt wird.

Aber, Pille und Alkohol, verträgt sich das wirklich? Die Frage ist nämlich nicht, ob die Pille und der Alkohol sich vertragen sondern vielmehr, ob die Folgeschäden des Alkohols sich mit der Pille vertragen. Viele Patientinnen fühlen sich nach ausgiebigem Alkoholkonsum nicht gut und müssen sich übergeben. In diesem Fall kann es sein, dass die Pille noch nicht lange genug im Körper war und ihre Wirkung nicht entfalten konnte.
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Man geht davon aus, dass die Pille circa vier Stunden braucht, bis sie vom Darm aus ins Blut aufgenommen wurde. Dennoch kann es sein, dass durch den Alkoholkonsum die Aufnahme verzögert wird. Kommt es nun nach dem Alkoholkonsum dazu, dass die Patientin sich übergibt, kann es sein, dass die Pille noch nicht gewirkt hat. In diesem Fall muss eine zweite Pille eingenommen werden.

Allgemein kann man also sagen, dass, anders als bei Antibiotikum, die Pille und Alkohol sich gut vertragen, da es zu keinen Interaktionen kommt. Dennoch ist Vorsicht geboten, vor allem bei übermäßigem Alkoholkonsum, da es dabei auch zum Vergessen der Pillen-Einnahme kommen kann.

Pille und Alkohol - Beeinflussung der Wirkung

Die Wirkung der Pille wird durch verschiedene Medikamente, wie beispielsweise verschiedene Antibiotika oder Johanniskraut, eingeschränkt oder sogar komplett aufgehoben. Ursache hierfür ist eine Interaktion mit einem Leberenzym, dem sogenannten Cytochrom P 450. Dieses Enzym sorgt dafür, dass die Pille im Körper verwertet wird und ihre Wirkstoffe entfalten kann. Das Enzym sorgt aber auch dafür, dass verschiedene Antibiotika und auch das Johanniskraut ihre Wirkungen entfalten können. Nimmt eine Patientin nun Antibiotika zusammen mit der Pille ein, verstoffwechselt das Leberenzym das Antibiotikum, hat aber keine Kapazitäten mehr, um die Pille zu verwerten. Somit bleibt die Pille im Körper zurück und wird ausgeschieden, ohne ihre Wirkung entfaltet zu haben.

Anders hingegen ist es bei der Pille und Alkohol. Die Pille und Alkohol werden über unterschiedliche Enzyme verwertet und somit ist die Wirksamkeit der Pille durch Alkohol nicht beeinträchtigt. Auch die aufgenommene Menge von Alkohol ist prinzipiell egal, da die Pille auch bei größeren Mengen Alkohol noch ihre Wirkung entfalten kann. Es besteht also kein Verlust der Wirksamkeit der Pille bei Alkoholkonsum. Dennoch ist Vorsicht geboten, da es durch alkoholbedingtes Übergeben dazu kommen kann, dass die Pille wieder aus dem Körper gelangt, bevor sie ihre Wirkung entfalten konnte. In diesem Fall besteht kein Schutz und keine Wirksamkeit der Pille mehr, wobei dies nicht mit dem Alkohol, sondern mit dem folgenden Übergeben zusammenhängt.

Pille und Alkohol - Trinken und Rauchen

Bei der Pille handelt es sich um ein Medikament, welches der Empfängnisverhütung (dem Nicht-schwanger-werden) dient. Wie bei allen anderen Medikamenten kann es durch verschiedene Stoffe dazu kommen, dass die Wirkung der Pille abgeschwächt wird, oder dass die Pille ihre Wirkung komplett verliert und deshalb kein Schutz mehr besteht. Beispielsweise kann unter der Einnahme bestimmter Antibiotika, die Wirkung der Pille abgeschwächt oder sogar komplett aufgehoben werden. Alkohol jedoch hat keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Pille.

Viele Patientinnen, die Alkohol trinken und rauchen, befürchten eine Interaktion mit der Pille. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung der Pille nicht durch Rauchen oder Alkohol beeinflusst wird, aber es zu gewissen anderen medizinischen Problemen kommen kann. Vor allem die Kombination aus Rauchen und Pilleneinnahme führt zu einer vermehrten Schädigung der Blutgefäße. Gefördert wird dabei die Entstehung von Bluthochdruck (Hypertonus), außerdem besteht eine erhöhte Thrombosegefahr. Bei einer Thrombose handelt es sich um ein Blutklümpchen (Blutkoagel), welches hauptsächlich aus den Blutplättchen, den Thrombozyten besteht. Diese Blutklümpchen können sich in den Venen der Beine ablagern und können dann vor allem mit zunehmendem Alter zu starken Schmerzen beim Laufen führen, da die Blutversorgung der Beine durch das Blutklümpchen stark eingeschränkt ist. Außerdem kann es auch in jungen Jahren zu Thrombosen und Lungenembolien kommen, welche im schlimmsten Fall sogar mit dem Tod verbunden sind.

Die Pille und gleichzeitiges Rauchen sind also keine gute Kombination, da sie zu vielerlei Problemen führen, welche sich teilweise erst 10 Jahre später bemerkbar machen. Eine Interaktion, im Sinne einer Unwirksamkeit der Pille, ist hingegen nicht zu befürchten. Auch in Kombination mit Rauchen besteht keine Gefahr einer veränderten Wirksamkeit von Pille oder Alkohol. Dennoch sei gesagt, dass weder übermäßiger Alkoholkonsum noch Rauchen der Gesundheit förderlich sind und auf Dauer zu vielen Krankheits- und Todesfällen führen.

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Pille und Durchfall/Übelkeit/Erbrechen

Die Pille dient der Empfängnisverhütung - sie verhindert also, dass die Frau trotz aktivem Sexualleben schwanger wird. Insgesamt ist die Pille das sicherste Verhütungsmittel, solang sie richtig eingenommen wird und genügend Zeit hat, über den Darm ins Blut aufgenommen (resorbiert) zu werden.

Bei der Pille handelt es sich um ein orales Kontrazeptivum, das bedeutet, dass die Pille über den Mund (oral) aufgenommen, also geschluckt wird, und von dort aus in den Magen und weiter in den Darm gelangt. Erst im Darm kommt es dann dazu, dass die Wirkstoffe (verschiedene Hormone wie Östrogene und Gestagene) der Pille durch die Darmwand hindurch treten und ins Blut gelangen. Dieser Vorgang wird als Resorption bezeichnet. Diese Zeit von Mund bis in den Darm und vom Darm bis ins Blut dauert bei jeder Pille unterschiedlich lange, meist jedoch um die vier Stunden. Das bedeutet, dass es vier Stunden dauert, bis die Pille überhaupt die Möglichkeit hat, zu wirken.

Kommt es nun dazu, dass eine Patientin die Pille einnimmt und kurz danach erbrechen muss, so kann es sein, dass die Pille aus dem Körper ausgeschieden wird ohne ihre Wirkstoffe zu entfalten.

In diesem Fall hat die Pille keine Wirkung und kann den Eisprung nicht verhindern. Kommt es dann zum Sexualverkehr, bedeutet dies, dass durch den fehlenden Schutz der Pille das Ei der Frau befruchtet werden kann und es dann zu einer Empfängnis kommen kann.

Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Spermien des Mannes in der Frau circa 3-5 Tage überleben können. Erbricht eine Frau einen Tag nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr, besteht ebenfalls das Risiko einer Schwangerschaft, da die Pille unwirksam ist, die Spermien jedoch noch aktiv sind. Auch einige Tage nach dem Erbrechen ist ungeschützter Geschlechtsverkehr nicht sicher, da der Eisprung eventuell später ausgelöst wurde.

Es gibt also einige Regeln, welche man beachten sollte, wenn man die Pille durch Erbrechen oder durch Durchfall „verliert“ und die Pille somit wirkungslos ist. Zuerst ist es wichtig zu wissen, dass die Pille durch Übelkeit keinerlei Wirkung verliert. Wichtig ist nur, dass die Patientin die Pille nicht erbricht. Kommt es zum erbrechen der Pille, ist es wichtig, auf den Zeitpunkt zu achten.

  • Liegen zwischen dem Erbrechen oder dem Durchfall und der Einnahme der Pille mindestens 4-5 Stunden, so ist die Pille mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit bereits ins Blut aufgenommen worden und hat ihre Wirkung bereits entfaltet. Wer dennoch sicher gehen will, sollte mindestens 7 Tage nach dem Erbrechen oder nach dem Durchfall neben der Pille zusätzlich noch Kondome verwenden damit ein sicherer Schutz besteht.
  • Liegen zwischen dem Erbrechen oder dem Durchfall und der Einnahme der Pille weniger als 4 Stunden, so ist die Pille mit einer großen Wahrscheinlichkeit wirkungslos und die Pilleneinnahme sollte wiederholt werden.

Bei reiner Übelkeit ist die Pille sicher, dennoch sollte man auch bei Übelkeit für absolute Sicherheit zusätzlich mit Kondom verhüten, da es durch die Übelkeit häufig zu Durchfall oder Erbrechen kommt, was dann wieder einen Verlust der Wirkung der Pille mit sich bringt.

Häufig ist es jedoch so, dass eine Patientin nicht nur einmal Durchfall (Diarrhoe) hat und sich nicht nur einmal übergeben muss sondern gleich mehrmals. In diesem Fall sollte auf jeden Fall zusätzlich beim Geschlechtsverkehr mit einem Kondom verhütet werden da die Sicherheit der Pille durch den Durchfall oder das Erbrechen nicht mehr gewährleistet ist.

Leidet eine Patientin seit mehreren Tagen an Erbrechen oder Durchfall, ist die Pille wirkungslos und es kann zu Schmierblutungen oder frühzeitiger Menstruation (Periode, „Tage“) kommen. Diese sind in diesem Fall Beweis dafür, dass die Pille keine Wirksamkeit mehr hatte. Die nächste Pilleneinnahme sollte in diesem Fall mit der Frauenärztin abgesprochen werden und hängt auch von dem Gesundheitszustand der Patientin ab.

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Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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