Schmerzen am Fersenbein

Definition

Fersenschmerzen gehören zu den Fußbeschwerden die häufig auftreten und bei den Betroffenen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen können.
Hauptsächlich führt ein Fersensporn, Entzündungen der Achillessehne, Dornwarzen oder auch Entzündungen von Schleimbeuteln zu Schmerzen am Fersenbein.

Darüber hinaus spielen häufig auch übermäßige sportliche Belastungen, ein übermäßiges Körpergewicht, unpassendes oder ungeeignetes Schuhwerk oder Fehlstellungen der Füße eine Rolle.

Anatomie

Das Fersenbein, welches auf Lateinisch auch als Calcaneus bezeichnet wird, stellt den größten und längsten Knochen der Fußwurzel dar und muss großen Belastungen standhalten.
Der Körper des Fersenbeines hat grob gesagt die Form eines Quaders und erstreckt sich vom hinteren Ende des Fußes nach vorne-oben zur Fußaußenseite.

Die eigentliche Ferse des Fußes (Calx) wird jedoch durch den Fersenhöcker (Tuber calcanei) gebildet, der am hinteren Ende des Fußes gelegen ist.
An dieser Stelle setzt auch die Achillessehne (Tendo calcanei) an, welche die stärkste Sehne des menschlichen Körpers darstellt.
Sie ist die gemeinsame Endsehne des dreiköpfigen Wadenmuskels (Musculus triceps surae) und ist somit eine Verbindung zwischen der Wadenmuskulatur und der Ferse.
Der dreiköpfige Wadenmuskel setzt sich aus dem zweiköpfigen Wadenmuskel (Musculus gastrocnemius) und dem Schollenmuskel (Musculus soleus) zusammen.

Zwischen dem Fersenhöcker und der Achillessehne befindet sich ein Schleimbeutel (Bursa tendinis calcanei). Von der Unterseite des Fersenhöckers nehmen zwei Fortsätze ihren Ursprung, der Processus medialis tuberis calcanei und der Processus lateralis tuberis calcanei.

Das Krankheitsbild des Fersensporns geht häufig von einem dieser Fortsätze aus. Auch ausgehend vom Fersenhöcker ist eine bindegewebige Sehnenplatte, die sogenannte Fußsohlenplatte (Aponeurosis plantaris), die nach vorne zum Fußballen zieht.
Durch ihre fächerförmige Anordnung stabilisiert sie gemeinsam mit Muskeln, Bändern und Sehnen das Fußgewölbe.


Abbildung Schmerzen Fußgelenk

Fußschmerzen

  1. Achillessehnenentzündung /
    Achillessehnenruptur
  2. Knochenbruch - Zehen,
    Mittelfuß, Fußwurzelknochen
    (hier Außenknöchelbruch)
  3. Bänderdehnung / Bänderriss
    am Sprunggelenk
  4. Untere und obere Fersensporn
    Calcaneussporn
  5. Hammerzehen und Krallenzehen
    (Deformitäten der Zehenknochen)
    Digitus malleus
  6. Fußsohlenwarzen
    Verrucae plantares
  7. Hallux valgus -
    (Abweichung der Großzehe
    im Grundgelenk)
  8. Hallux rigidus -
    (Gelenkverschleiß des
    Großzehengrundgelenkes)
  9. Entzündete Nägel / Nagelpilz
  10. Arthrose / Arthritis -
    degenerative Veränderung von
    Gelenken / Entzündung der Gelenke

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Ursachen

Fersenschmerzen, welche im medizinischen Fachjargon auch als Tarsalgie bezeichnet werden, können ausgesprochen vielfältige Ursachen haben.
Wichtig, auch für die Diagnosestellung, ist die Unterscheidung zwischen einem unteren oder plantaren Fersenschmerz und einem oberen oder dorsalen Fersenschmerz.

Der untere oder plantare Fersenschmerz ist unter der Ferse lokalisiert, wohingegen der obere oder dorsale Fersenschmerz Schmerzen am Ansatz der Achillessehne repräsentiert. Im Weiteren wird kurz auf die verschiedenen Ursachen für Fersenschmerzen eingegangen.
Diese Aufzählung beinhaltet die wichtigsten Auslöser für Fersenschmerzen.

Plantarfasziitis

Bei einer Plantarfasziitis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Sehnenplatte der Fußsohle (Aponeurosis plantaris), wie auch die Endung -itis im Begriff „Plantarfasziitis“ nahe legt.

Die Plantarfasziitis stellt die häufigste Ursache für Schmerzen in der Ferse dar. So leiden ungefähr 10% der Bevölkerung einmal im Leben an einer Plantarfasziitis, wobei Frauen im Allgemeinen häufiger als Männer davon betroffen sind.

Darüber hinaus nimmt die Häufigkeit dieses Krankheitsbildes auch mit dem Lebensalter und dem Body Mass Index (BMI) beziehungsweise dem Gewicht zu.

Stehende oder gehende Berufsgruppen und Läufer, sowie Menschen mit Fußanomalien, wie beispielsweise einem Plattfuß oder unterschiedlichen Beinlängen sind häufiger von einer Plantarfasziitis betroffen. Bei Sportlern besteht jedoch kein Zusammenhang mit dem Auftreten einer Plantarfasziitis und dem Körpergewicht.

Fußanomalien

Angeborene oder auch erworbene Fußanomalien, wie beispielsweise ein Knick-, Senk- oder Plattfuß sind ebenfalls eine Ursache für Fersenschmerzen.
Auch überzählige Knochen (akzessorische Knochen) am Fuß, wie das sogenannte Os trigonum können in manchen Fällen eine Ursache für Fersenschmerzen darstellen.

Atrophie des Fersenfettpolsters

Unter einer Atrophie versteht man im medizinischen Fachjargon einen Gewebeschwund.
Dieser kann sich mit dem Älterwerden auch an der Ferse manifestieren, wo das Fersenfettpolster normalerweise als natürlicher Stoßdämpfer dient.

Darüber hinaus können auch Injektionen mit Kortison in diesen Bereich zu einer Schrumpfung des Fersenfettpolsters führen.
Auch Magersucht (Anorexia nervosa) kann einen Schwund des Fersenfettpolsters bedingen.
Mit der Zeit wird der Schleimbeutel der sich unterhalb des Fersenbeins befindet gereizt und/oder es kommt zur Entwicklung eines Fersensporns in diesem Bereich.

Fersensporn

Bei einem sogenannten Fersensporn handelt es sich um einen dornartigen Knochenauswuchs am Fersenbein.
Man kann zwischen dem selteneren oberen (hinteren, dorsalen) und einem unteren (plantaren) Fersensporn differenzieren.

Ein unterer Fersensporn kann dabei zusammen mit einer Entzündung der Sehnenplatte der Fußsohle (Plantarfasziitis) auftreten.
Auch Fersensporne sind recht häufig, wobei ein Fersensporn nicht zwingendermaßen für Beschwerden sorgen muss.
Eine gute Möglichkeit der Darstellung eines Fersensporns ist eine Röntgenaufnahme.

Haglund-Exostose

Die Haglund-Exostose ist eine angeborene Formvariante des Fersenhöckers des Fersenbeins, wobei der seitliche und rückseitige Anteil besonders prominent ausgebildet ist. Diese abweichende Form der Ferse wird nach dem Erstbeschreiber als Haglund-Ferse bezeichnet.

Knochenzyste

Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die in verschiedenen Bereichen des menschlichen Körpers auftreten können, so auch im Knochen, beziehungsweise speziell im Fersenbein.

Anzumerken ist jedoch, dass das Fersenbein eine eher seltene Lokalisation für das Auftreten einer Knochenzyste ist.
Diese gutartigen Veränderungen des Knochens können zumeist bei Personen im Alter von unter zwanzig Jahren beobachtet werden.
Öfters werden die Knochenzysten im Rahmen eines Fersenbeinbruchs diagnostiziert, wobei der Bruch in diesen Fällen meist durch die bestehende Knochenzyste begünstigt wurde.

Knochentumore

Auch am Knochen können sich gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Geschwülste (Tumoren) entwickeln. Dabei ist anzumerken, dass es sich bei Knochentumoren am Fersenbein um eine wirkliche Rarität handelt.

Ermüdungsbruch des Fersenbeins

Ein Ermüdungsbruch kann auftreten bei sich wiederholender Überbeanspruchung des Fersenbeines, beispielsweise bei Marathonläufern oder extensiven Märschen.

Ein bereits vorerkrankter Knochen begünstigt das Auftreten von solchen Brüchen. Ein zu nennendes Beispiel hierfür ist die Osteoporose, welche durch eine verminderte Knochendichte gekennzeichnet ist.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Ermüdungsbruch der Ferse

Apophysitis calcanei

Dieses Krankheitsbild kann vor allem bei aktiven Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase (ungefähr achtes bis sechzehntes Lebensjahr) beobachtet werden, wobei Mädchen meist früher krank werden als Jungen. Hierbei kommt es zu einer Erweichung der Apophyse des Fersenbeins.

Apophysen sind eine Besonderheit des kindlichen Skeletts. Diese Knochenkerne befinden sich im Bereich der Wachstumsfuge (Epiphyse) und reifen später zu Knochenvorsprüngen heran, die als Ansatzpunkt für Muskeln und Bänder dienen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Apophysitis calcanei

Veränderungen der Achillessehne

Eine chronische Entzündung der Achillessehne (Achillessehnentendinitis) ist in den meisten Fällen durch eine ständige Belastung bedingt.

Darüber hinaus kommt es natürlicherweise mit zunehmendem Alter zu einer Verschlechterung der Gewebequalität, also zu einem natürlichen Untergang von Gewebe (Degeneration).
Durch die Sehnenentzündung begünstigt, kann es allmählich zu Gewebeschäden und auch Teilrissen der Achillessehnen kommen.

Bei einer akuten Überlastung der Sehne kann sich auch eine Entzündung entwickeln.
Im Extremfall kommt es zur Sehnenruptur, das bedeutet zum Riss der Achillessehne. Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Überbelastungen spielen Beanspruchungen mit Sprung-, Lauf- und Sprint-Leistung eine Rolle.

Eine komplette Ruptur, also ein Riss der Achillessehne, ist nach Sehnenrissen an der Schulter die zweithäufigste Lokalisation für Sehnenrisse.

Die Achillessehne kann in verschiedenen Abschnitten reißen, am häufigsten passiert dies jedoch auf mittlerer Höhe der Sehne.
Seltener kommt es dagegen in oberen und unteren Bereichen zu Rissen. In Sonderfällen kann es auch zu einem Ausrissbruch am Fersenbein oder zu Rissen am Übergang vom Muskel und Sehne kommen.

Der Hauptgrund für einen Achillessehnenriss sind sportliche Belastungen mit hoher Intensität. Bei verminderter Gewebequalität kann die Achillessehne bereits bei als normal anzusehenden Belastungen reißen.

Schlussendlich kann auch ein Tritt oder Stoß gegen die angespannte Achillessehne oder Injektionen mit Cortison bei Sehnenproblemen für eine Rissverletzung verantwortlich sein.

Hautveränderung und andere Ursachen

Auch Veränderungen der Haut, wie Schwielen oder Warzen können als Grund für Fersenschmerzen angesehen werden.

Schwielen bilden sich typischerweise an stark beanspruchten Stellen der Haut, die beispielsweise der Ferse. Gefördert wird das Auftreten von Schwielen durch ungünstiges Schuhwerk, Knochenauswüchse, Fußanomalien und weiteren Ursachen.

Warzen treten vor allem bei Kindern auf und können auch an der Fußsohle beobachtet werden. Ursächlich für eine Warze ist die Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV), dieses Virus kann dank kleiner Risse oder Verletzungen in die Haut gelangen.

Die Ursache für Fersenschmerzen kann auch außerhalb des Bewegungsapparates und der Haut liegen. So können beispielsweise auch Stoffwechselerkrankungen, wie die Gicht (Hyperurikämie) oder eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) für Fuß- beziehungsweise Fersenschmerzen sorgen.

Symptome

Plantarfasziitis

Menschen, die an einer Plantarfasziitis leiden beklagen sich typischerweise über Schmerzen, die morgens nach dem Aufstehen oder nach längerer Ruhe am stärksten ausgeprägt sind.
Nach kurzer Zeit verbessern sich die Beschwerden gewöhnlicherweise, wobei sie nach länger andauernder Belastung im Tagesverlauf wieder zurückkehren können. Die Beschwerden können so stark werden, dass sie bis zur Gehunfähigkeit führen können.

Fußanomalien

Die Fußanomalien, wie Plattfüße oder eine Knick-Senk-Kombination können an der Formabweichung des Fußes erkannt werden.
Auch sie können eine Ursache für Fersenschmerzen darstellen. Darüber hinaus machen sie sich meistens noch durch weitere Beschwerden, wie Einschränkungen in der Beweglichkeit bemerkbar.
Das Os trigonum, ein Extra-Fußknochen am Sprungbein (Talus) sorgt zwar eher für Schmerzen hinter dem Außenknöchel, diese Beschwerden können aber auch in die Ferse und Achillessehne ausstrahlen.

Atrophie des Fersenfettpolsters

Der Schwund des Fersenfettpolsters bedingt Fersenschmerzen, die vor allem mittig unterhalb der Ferse lokalisiert sind und beim Gehen auftreten.

Fersensporn

Ein weiteres häufiges Krankheitsbild, welches für Fersenschmerzen sorgt, ist der Fersensporn.
Betroffene haben häufig beim Auftreten das Gefühl, als ob sich ein Nagel in der Fußsohle befindet. Das heißt die Schmerzen, die bei einem Fersensporn auftreten sind gewöhnlicherweise stechend oder brennend und haben eine besonders hohe Intensität am Morgen bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen aus dem Bett.
Nach einer gewissen Zeit der Belastung ist die Schmerzintensität dann meist wieder abnehmend.
Der Schmerz lässt sich erfahrungsgemäß auch durch Druck auf die betroffene Stelle auslösen. So tritt bei dem häufigeren unteren Fersensporn ein Druckschmerz an der Fußsohle unterhalb der Ferse auf.
Bei einem oberen Fersensporn verursacht der Druck auf den Ansatz der Achillessehne im hinteren oberen Bereich der Ferse Schmerzen. Die betroffene Stelle kann darüber hinaus auch eine Schwellung und eine Rötung zeigen.

Haglund-Exostose

Die angeborene Haglund-Exostose führt nicht zwingendermaßen zu Beschwerden. Diese treten typischerweise durch äußeren Druck, beispielsweise durch den Druck der Schuhe auf.
Darüber hinaus kann es bei einer Haglund-Exostose zu einer Schwellung am Ansatz der Achillessehne kommen.
Auch eine Rötung der Haut oder eine Entzündung des Schleimbeutels können zu den Fersenschmerzen hinzutreten.

Knochenzyste

Der mit Flüssigkeit gefüllte Hohlraum im Fersenbein kann asymptomatisch sein.
Bei Belastung kann es jedoch eventuell zu Beschwerden kommen. Vereinzelt kann sich auch eine Schwellung entwickeln. Eine Knochenzyste begünstigt das Auftreten eines Knochenbruches.

Knochentumore

Die Beschwerden bei einem Knochentumor sind abhängig von der jeweiligen Form. So sorgen die gutartigen Osteoidosteome typischerweise für starke Schmerzen in der Nacht, die jedoch ausgesprochen gut auf Schmerzmittel, wie Acetylsalicylsäure, kurz ASS reagieren.
Auch ein Tumor im Knochen begünstigt das Auftreten eines Bruchs.

Ermüdungsbruch des Fersenbeins

Hinweise für einen Ermüdungsbruch der Ferse ergeben sich meist durch die Befragung des Patienten (Anamnese), bei der vor allem bekannte Knochenerkrankungen und sportliche Aktivitäten berücksichtigt werden sollten. Darüber hinaus kommt es sukzessiv zu Fersenschmerzen, die bei Belastung an Intensität zunehmen. Auch Schwellungen des Fersenbereiches können beobachtet werden.

Apophysitis calcanei

Die Apophysitis calcanei kann als häufigste Ursache für Fersenschmerzen in der Wachstumsphase angesehen werden.
Diese Schmerzen verschlimmern sich normalerweise bei Belastung. Auch ein Hinken nach Beanspruchungen des Fersenbeins kann beobachtet werden. Eventuell reagiert die Fersenregion auch empfindlich auf äußeren Druck und zeigt eine Rötung und Schwellung.

Krankhafte Veränderungen der Achillessehne

Akute Entzündungen der Achillessehne führen vor allem bei Belastung zu stechenden Schmerzen, sowie Schwellungen im Bereich der Sehne.
Chronische Veränderungen der Achillessehnen bedingen eher Beschwerden bei den ersten Schritten am Morgen, die dann bei weiterer Belastung abnehmen.
Lediglich eine Überbeanspruchung oder auch Ruhe führen zu einer erneuten Intensitätszunahme der Schmerzen.
Die Achillessehne kann punktuell druckschmerzhaft sein und auch Verdickungen aufweisen.
Feine Risse der Sehne sind in der Regel asymptomatisch, wohingegen Patienten mit einem kompletten Riss der Achillessehne (Achillessehnenruptur) über starke Schmerzen berichten.

Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Meistens berichten Betroffene über ein peitschenknallartiges Geräusch, welches im Rahmen des Traumas aufgetreten ist. Auch findet sich bei frischen Rissen eine tastbare Lücke, am häufigsten einige Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes am Fersenbein.
Der betroffene Bereich ist nach einiger Zeit blutunterlaufen und geschwollen. Das Laufen auf den Zehenspitzen ist für die Patienten mit einem Riss der Achillessehne erschwert oder nicht mehr möglich.

Hautveränderungen

Schwielen, die eigentlich eine Schutzbarriere darstellen, können auch ein Grund für Fersenschmerzen sein. Eine Warze kann entweder oberflächlich gelegen sein (sogenannte Mosaikwarzen) oder auch in die Tiefe reichen.
Vor allem die in die Tiefe eindringenden Dornwarzen können für Fersenschmerzen beim Gehen sorgen.

Diagnose

Zu Beginn der Annäherung an die mögliche Diagnose steht immer die ausführliche Erhebung der Krankengeschichte durch Befragung des Patienten (Anamnese).

Anschließend sollte die körperliche Untersuchung des Betroffenen erfolgen, wobei der Untersucher vor allem der Körperhaltung, dem Körperbau und dem Verlauf der Körperachsen Beachtung schenkt.

Außerdem sollten auch die Gelenkbeweglichkeit, die Muskelkraft, die Reflexe, weitere Nervenfunktionen und das Gangbild untersucht werden.
Für die Funktion der Achillessehne gibt es den ein oder anderen einfachen, jedoch ausdrucksstarken Bewegungstest.
Je nachdem auf welche Diagnose der untersuchende Arzt kommt, veranlasst er weitere spezielle Untersuchungen.

Zu nennen sind hier die Erhebung von bestimmten Blutwerten, sowie bildgebende Verfahren, wie Röntgenaufnahmen oder auch Ultraschalluntersuchungen.

Weiterhin kann bei speziellen Fragestellungen, oder vor einer angedachten Operation auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) infrage kommen.
Auch eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode (Szintigraphie) kann gelegentlich sinnvoll sein.

Das Gangbild kann mit Hilfe einer Pedographie genauer unter die Lupe genommen werden.
Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftlich anerkannte Methode um Kräfte, die während dem Stand und in Bewegung auf den Fuß einwirken, darzustellen.

Die Messungen werden dabei im Stehen (das heißt statisch), als auch beim Gehen oder Laufen (das heißt dynamisch) vorgenommen.
Mit Hilfe einer Videoanalyse können darüber hinaus noch Fehlbelastungen der Körperachsen aufgedeckt werden.

Zu guter Letzt kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie, bei Spiegelung der Achillessehne auch Tendoskopie) bei der Diagnosestellung, als auch bei der Therapie selbst helfen.

Therapie

Die therapeutische Herangehensweise an Fersenschmerzen hängt von der jeweiligen Diagnose ab und reicht von einfachen konservativen Maßnahmen (das heißt nicht operativ) bis hin zu verschiedenen Operationen.

Plantarfasziitis

Bei einer Plantarfasziitis eignen sich Dehnungsübungen der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur, sowie der Fußsohle, die zu Beginn mit professioneller Unterstützung erlernt werden sollten.

Auch Kälte- und Wärmeanwendungen und entzündungshemmende, beziehungsweise schmerzlindernde Medikamente können bei Fersenschmerzen, die durch eine Plantarfasziitis ausgelöst werden zum Einsatz kommen.

Auf intensive sportliche Belastungen sollte in der Zeit des akuten Reizzustandes verzichtet werden. Darüber hinaus kann auch ein Silikonkissen, welches in eine Einlage eingearbeitet ist, durch eine Abfederung der Ferse Abhilfe schaffen.
Bei der konservativen Therapie einer Plantarfasziitis ist jedoch Geduld gefragt, da sich diese über ein bis zwei Jahre hinziehen kann.
Nur in Ausnahmefällen kann eventuell auch eine operative Therapie angedacht werden.

Fußanomalien

Bei Fußanomalien kommen korrigierende Einlagen, Schuhzurichtungen und Fußgymnastik in Frage.
Auch hier kann eine Operation als therapeutische Herangehensweise erforderlich sein.
Diese kann in Betracht gezogen werden, wenn sich die Beschwerden mit den soeben aufgezählten Maßnahmen nicht bessern, ein überzähliger Fußknochen besteht oder auch bei Kindern mit einem eingeschränkten Bewegungsumfang.

Atrophie des Fersenfettpolsters

Bei einem Schwund des Fersenfettpolsters, welcher für Fersenschmerzen sorgt, kann eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Salbe verwendet werden.
Auch Fersenweichpolster können den Betroffenen Abhilfe verschaffen.

Fersensporn

Der Fersensporn, eine häufige Ursache für Fersenschmerzen, wird vor allem konservativ behandelt.
Zur konservativen Behandlung zählt ein Arsenal von Möglichkeiten der physikalischen Therapie, wie die lokale Wärme- oder Kälteapplikation, sowie das Setzen von Schallreizen.
Zusätzlich sollte das Training angepasst werden, beziehungsweise die Belastung vermindert werden und krankengymnastische Übungen durchgeführt werden.

Ein weiterer entscheidender Baustein der Therapie sind Einlagen und spezielle Schuhzurichtungen, wodurch die lokale Überlastung vermindert wird.
In den meisten Fällen kann mit den konservativen Therapiemaßnahmen bei einem Fersensporn ein durchschlagender Erfolg erzielt werden.

Haglund-Exostose

Bei einer Ferse mit Vorsprung, also einer Haglund-Exostose, kommen Fersenpolster mit Locheinlage in Frage. Spezielle Schuhzurichtungen stellen eine Möglichkeit dar. Körperliche Schonung sollte für einige Zeit eingehalten werden.
Des Weiteren schaffen auch entzündungshemmende Medikamente und kühlende Maßnahmen Abhilfe, da dadurch ein Rückgang der Entzündung und ein Abschwellen des Gewebes erreicht werden kann.
Ratsam sind auch krankengymnastische Übungen, die dabei helfen sollen, die Wadenmuskulatur zu dehnen.
Auch Behandlungsmethoden der physikalischen Therapie, wie beispielsweise eine Stoßwellenbehandlung können ausgetestet werden.
Die Therapiekosten für eine Stoßwellenbehandlung werden allerdings nicht von den Krankenkassen getragen.
Lesen Sie mehr zum Thema: Haglundferse Bestrahlung

Kommt es innerhalb von Monaten durch die konservativen Maßnahmen zu keiner Besserung der Beschwerden, so kann der Knochenvorsprung auch im Zuge einer Operation entfernt werden.
Der entzündete Schleimbeutel wird dabei entweder mit entfernt (sogenannte Bursektomie) oder er wird erhalten und kann sich nach Schaden nach Entfernung des überschüssigen Knochens auch wieder erholen.

Nach abgeschlossener Operation muss der Fuß mit Hilfe einer funktionellen Behandlung behutsam wieder an die Belastung gewöhnt werden. Auch orthopädisches Schuhwerk und Krankengymnastik kommen postoperativ zum Einsatz.

Knochenzyste

Bei einer Knochenzyste existiert eine Vielzahl von Herangehensweisen.
Die Therapieentscheidung sollte das mögliche Risiko für einen Knochenbruch in Betracht ziehen.
Besteht ein erhöhtes Risiko für einen Knochenbruchs kann es nötig sein den Knochen mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs zu stabilisieren.

Knochentumore

Bei Vorliegen eines Knochentumors ist die Form des Tumors entscheidend, da hierzu verschiedene Therapiekonzepte existieren.

Ermüdungsbruch des Fersenbeins

Im Vergleich zu rein verletzungsbedingten Brüchen kommen bei Ermüdungsbrüchen des Fersenbeins nur selten operative Maßnahmen zum Einsatz.
Bei einem Ermüdungsbruch ist eine ausgedehnte Belastungspause unumgänglich.
Die Beschwerden können dabei mit schmerzlindernden Medikamenten vermindert werden. Bei Ermüdungsbrüchen des Fersenbeines spielen eher konservative Maßnahmen, wie zum Beispiel die physikalische Therapie oder Krankengymnastik eine Rolle.

Apophysitis calcanei

Diese im Kindesalter auftretende Erkrankung wird ebenfalls konservativ behandelt.
Zu dem therapeutischen Konzept gehört hier eine Reduktion der sportlichen Aktivität für einen begrenzten Zeitraum von ungefähr vier bis sechs Wochen und entlastende Maßnahmen, wie beispielsweise Schuhfersenerhöhungen oder auch Fersenpolsterungen.

Begleitend kann eine Behandlung mit einer entzündungshemmenden Salbe lindernd sein. Bei ausbleibender Besserung der Beschwerden kann eine vorübergehende Gipsruhigstellung für vier bis sechs Wochen notwendig werden.
Mit Abschluss der Wachstumsphase verschwinden die Beschwerden meist vollkommen.

Krankhafte Veränderungen der Achillessehne

In der akuten Situation empfiehlt sich eine mehrwöchige Schonung.
Auch therapeutische Maßnahmen aus dem Spektrum der physikalischen Therapie, wie beispielsweise die Elektrotherapie oder Kälte- und Wärmeanwendungen werden erfahrungsgemäß als wohltuend erachtet.

Darüber hinaus kann auch eine Weichbettung der Ferse, eine leichte Absatzerhöhung und/oder eine entzündungshemmende Salbe zum Beschwerderückgang beitragen.
Leichte Dehnungsübungen unter fachlicher Anleitung sind ebenfalls ratsam.
Chronische Beschwerden im Bereich der Achillessehne können sich durch Krankengymnastik und orthopädische Hilfen für den Fuß bessern.

Bei einer ausgedehnteren Schädigung kann meistens nur eine operative Herangehensweise Abhilfe verschaffen. Hierbei wird während einer Operation entzündetes Sehnengewebe entfernt und gegebenenfalls mit einem Stück einer körpereigenen Sehne ersetzt. Postoperativ wird in kleinen Schritten die Belastung bis hin zur normalen Belastung gesteigert.

Achillessehnenriss

Auch ein Achillessehnenriss kann konservativ oder operativ behandelt werden.
Die therapeutische Herangehensweise bei einem Achillessehnenriss ist auch davon abhängig wie nah die beiden auseinandergewichenen Sehnenenden beieinander liegen.
Der Abstand zwischen den beiden Sehnenenden wird mittels Ultraschall bestimmt.

Bei gutem Kontakt zwischen den Sehnenenden kann ein Achillessehnenriss auch ohne Operation therapiert werden.
Im Vordergrund steht dann eine sogenannte „konservativ-funktionelle“ Therapie, bei der der Fuß mit einem festen Verband ruhiggestellt wird.
Nach einer kurzen Phase der reinen Ruhigstellung beginnt die funktionelle Behandlung, bei der die verletzte Gliedmaße unter fachlicher Begleitung erst passiv, dann auch aktiv bewegt wird.

Bei einer Operation existieren verschiedene Möglichkeiten. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit der Naht eventuell auch mit zusätzlicher Verklebung oder körpereigenem Sehnentransplantat.
Leistungssportler, die schnell wieder einsatzbereit sein sollen, empfiehlt man eine Operation.

Hautveränderungen

Bei Hornhautschwielen, die für Fersenschmerzen sorgen, kann eine medizinische Fußpflege hilfreich sein.

Warzen können sich nach gewisser Zeit von alleine zurückbilden.
Darüber hinaus können auch verschiedene Präparate zur Selbstbehandlung, wie das Vereisen oder Aufweichen des Areals in der Apotheke erworben werden.
Dabei ist in den meisten Fällen eine wiederholte Anwendung notwendig.

Bei ausbleibendem Erfolg oder auch verändertem Aussehen der Warze sollte ein Arzt aufgesucht werden, um sich zu vergewissern, dass es sich wirklich um eine Warze handelt.
Dafür ist eventuell die Gewinnung einer Gewebeprobe notwendig.

Auch der Arzt verfügt über ein großes Repertoire bei der Behandlung von Warzen, wie beispielsweise die Ausschabung mit Skalpell oder scharfem Löffel in örtlicher Betäubung.
Keinesfalls sollte man selbst an Warzen Hand anlegen, da diese infektiös sind und es über das verwendete Gerät oder den benutzen Fingernagel zu einer neuen Warzen an einer weiteren Stelle kommen kann.

Prognose

Die Prognose von Fersenschmerzen ist selbstverständlich von der zugrundeliegenden Ursache abhängig. Bei gewissenhafter Behandlung ist das Ergebnis jedoch in den meisten Fällen vielversprechend.

Prophylaxe

Problemen mit den Füßen kann man durchaus vorsorgen.
Immer von Vorteil sind ein Normgewicht und ein ausgeglichener Stoffwechsel.

Dadurch werden Füße als auch Gelenke geschont.
Fußpflege, passendes Schuhwerk mit atmenden Textilien und der regelmäßige Wechsel von Schuhen und Strümpfen sind ebenfalls gute Voraussetzungen.

Darüber hinaus bietet sich das Barfußlaufen außerhalb von Sporthallen, Schwimmbädern und Saunen an, gesetzt dem Fall, dass keine Verletzungen oder Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Gefäßerkrankungen dagegen sprechen.
Bei vorliegenden Hornhautschwielen sollten diese regelmäßig durch eine geeignete Feile abgetragen werden und anschließend mit einer Creme gepflegt werden.
Diabetiker sollten keinesfalls selbst Hand anlegen, sondern eine professionelle Fußpflege aufsuchen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.04.2018
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