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Schmerzen hinter dem Ohr

Allgemeines

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Schmerzen hinter dem Ohr. Auch die Art der Schmerzen kann sich unterscheiden. Bei manchen Menschen ist es ein dumpfer unspezifischer Schmerz, bei anderen schmerzt zusätzlich der Kiefer und auch andere Beschwerden sind möglich. Der folgende Artikel befasst sich mit den häufigen Ursachen für Schmerzen hinter den Ohren, den begleitenden Symptomen und groben Therapieansätzen für eine Auswahl von Krankheitsbildern.


Schmerzen hinter dem Ohr

  1. Oberkiefer - 
    Maxilla
  2. Mahlzahn und Weisheitszahn - 
    Dens molaris
  3. Unterkiefer - 
    Mandibula
  4. Schilddrüse - 
    Glandula thyroidea
  5. Kopfwender -
    Musculus sternocleidomastoideus
  6. Riemenmuskel -
    Musculus splenius 
  7. Masseter (Kaumuskel) -
    Musculus masseter
  8. Gesichtsnerv (7.Hirnnerv) -
    Nervus facialis 
  9. Warzenfortsatzlymphknoten - 
    Nodi lymphoidei mastoidei

    Mögliche Ursachen:
    A - Facialisparese
    (Lähmung des Facialisnervs) -
    Lähmungen im Gesicht und Verlust
    der Mimik
    B - Lymphknotenschwellung - 
    Pfeiffersches Drüsenfieber
    (Kusskrankheit),
    Rötelninfektion, Toxoplasmose
    C - Zahnschmerzen - vor allem
    Entzündungen der Mahlzähne
    (Backenzähne)
    und Weisheitszähne
    D - De-Quervain-Thyreoiditis
    seltene entzündliche Erkrankung
    der Schilddrüse
    E - Muskuläre Ursachen -
    muskuläre Verspannungen im
    Bereich der Nacken- und
    Halsmuskulatur (ohne Bild)

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Lymphknotenschwellung

Hinter den Ohren befinden sich Lymphknoten. Ihre Lage wird daher als retroaurikulär bezeichnet. Diese Lymphknoten erfüllen, wie auch unsere restlichen Lymphknoten, Aufgaben der Immunabwehr. Im Rahmen von immunologischen Reaktionen, wie sie z.B. bei Entzündungen und Infektionskrankheiten auftreten, können Lymphknoten anschwellen. Ein Beispiel dafür ist das Pfeiffersche Drüsenfieber, welches vom Ebstein Barr Virus verursacht wird. Diese Erkrankung machen vor allem Jugendliche durch. Eine schmerzhafte Lymphknotenschwellung ist hier ganz normal, sodass eben auch Schmerzen hinter den Ohren auftreten können. Aber auch Atemwegsinfekte, Mandelentzündungen und Zahnentzündungen führen sehr häufig zu schmerzhaften Lymphknotenschwellungen an Hals und Kopf. Die Lymphknoten hinter dem Ohr sind dann geschwollen, druckschmerzhaft und lassen sich gegen den Untergrund verschieben. Eine solche retroaurikuläre Schwellung ist unbedenklich und verschwindet meist innerhalb von zwei Wochen von selbst. Jegliche Schwellungen, die jedoch länger als drei Wochen anhalten, sollten von einem Arzt abgeklärt werden, um vor allem eine bösartige Ursache auszuschließen. Im Rahmen von langwierigen Erkrankungen wie dem Drüsenfieber und Entzündungen kann solch eine schmerzhafte Lymphknotenschwellung hinter dem Ohr jedoch auch länger als drei Wochen bestehen. Einer speziellen Therapie bedürfen diese Lymphknotenschwellungen jedoch nicht. Die zugrunde liegende Infektion oder Entzündung wird individuell therapiert. Wenn die Ursache verschwindet, verschwinden dann auch die Schmerzen hinter den Ohren.

Lesen Sie mehr zum Thema: Lymphknotenschwellung hinter dem Ohr

Entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen lindern die Beschwerde sowie die Schmerzen und können bei Bedarf eingenommen werden. Wichtig ist es jedoch abzuklären, was die Ursache für die Schwellung ist. In Frage kommen Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze, allergische Reaktionen oder Erkrankungen des Immunsystems. Außerdem können Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des lymphatischen Systems und eben auch bösartige Erkrankungen (Krebs) die Verursacher sein. Eine maligne Lymphknotenschwellung ist meist sehr fest und nicht verschieblich. Oft schmerzt sie auch nicht. Durch Druck auf umliegende Strukturen können trotzdem Schmerzen hinter dem Ohr entstehen, sodass man dies im Hinterkopf behalten sollte. Hier besteht die Therapie meist in der chirurgischen Entfernung der Primärtumore sowie einer Chemotherapie und/oder Bestrahlungen.

Facialisparese

Unter einer Facialisparese versteht man eine Lähmung des Facialisnervs. Dieser Hirnnerv versorgt vor allem die Muskulatur des Gesichts, sodass es zu Lähmungen im Gesicht und Verlust der Mimik kommt. Eine solche Facialisparese kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann angeboren, erworben, infektiös bedingt oder im Rahmen von Entzündungen auftreten. Auch ein plötzliches Auftreten ohne organische Ursache ist möglich. Eine Facialisparese kann sich einige Tage vorher bereits durch einen stechenden plötzlichen Schmerz hinter dem Ohr bemerkbar machen. Der Schmerz tritt meist hinter einem der beiden Ohren ein bis drei Tage vor der Parese auf. Auch Schmerzen des Kiefers und Genicks sind dafür typisch. Nach und nach kommen Lähmungssymptome wie herabhängende Mundwinkel hinzu. Solche Paresen müssen je nach Ursache unterschiedlich behandelt werden. Sollte die Parese ohne organischen Befund sein, vergeht sie meist nach einiger Zeit auch wieder von selbst. Die Schmerzen treten meist nur zu Beginn als Vorboten auf. Schmerzmedikamente und Kortisonpräparate können die Beschwerden zusätzlich lindern. Bei organischen Ursachen wie einer vorliegenden Infektion oder einer malignen Grunderkrankung beseitigt eine Ursachentherapie (bspw. mit Antibiotika oder Zytostatika) die Beschwerden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Fazialisparese

Muskuläre Ursachen

Eine recht häufige Ursache für Schmerzen hinter den Ohren sind muskuläre Verspannungen im Bereich der Nacken- und Halsmuskulatur. Solche Verspannungen kann man teilweise als Verhärtungen ertasten. Das Neigen oder Drehen des Kopfes kann zusätzlich Schmerzen verursachen. Auch eine Verspannung der Kiefermuskulatur kann Schmerzen hinter dem Ohr verursachen. Die räumliche Nähe des Kiefers mit den Ohren begründet, weshalb die Schmerzen dort auch zu spüren sind. Es kann helfen die Muskulatur zu massieren und Dehnübungen auszuführen. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Physiotherapie von Nöten sein. Auch schmerzlindernde Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac können hier effektiv die Beschwerden lindern. Es gibt für sehr hartnäckige Verspannungen auch Wirkstoffe, die die Muskeln entspannen. Solche Medikamente nennt man Muskelrelaxantien. Wichtig ist es dennoch, seine Muskulatur durch Übungen zu stärken, sodass die Beschwerden nicht wiederkehren.

Zahnschmerzen

Entzündungen der Zähne, vor allem der Weisheitszähne, können sich manchmal auch bis hinter die Ohren ausbreiten. Sollte man also Weisheitszähne haben, empfiehlt es sich, einen Zahnarzt zu konsultieren. Aber auch die Backenzähne können von einer Entzündung betroffen und so schmerzhaft sein. Auch hier kommen Schmerzen hinter den Ohren gelegentlich vor.

Kieferschmerzen

Schmerzen der knöchernen oder muskulären Strukturen des Kiefers können sich ebenfalls auch hinter dem Ohr zeigen.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Schmerzen in Kiefer und Ohr

De-Quervain-Thyreoiditis

Schmerzen hinter dem Ohr können auch ein Hinweis auf eine seltene entzündliche Erkrankung der Schilddrüse sein. Die Ursache dafür ist noch nicht ganz klar, es scheint aber eine gewisse genetische Prädisposition sowie einen Zusammenhang mit Atemwegsinfekten zu geben. Bei Druck auf die Schilddrüse schmerzt es typischerweise hinter den Ohren. Dazu kommen Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schmerzen an der Schilddrüse. Diese seltene Form der Schilddrüsenentzündung heilt in der Regel spontan von selbst aus. Zur Linderung der Beschwerden können jedoch NSAR (nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen) oder hochdosiert Glukokortikoide wie Prednisolon gegeben werden. Da die Schmerzen hinter dem Ohr die Patienten meist zum HNO oder Zahnarzt führen, wird die Diagnose solch einer Entzündung der Schilddrüse oft erst nach der Konsultation mehrerer Ärzte sichergestellt.

Nervenschmerzen

Hinter den Ohren verlaufen viele kleine und auch größere Nervenäste. Bei einer Neuralgie, wie sie bspw. nach einer Zoster-Infektion (Gürtelrose) auftreten kann (Post-Zoster-Neuralgie), kann es auch hinter dem Ohr zu Nervenschmerzen kommen. Neuralgien entstehen zum Beispiel nach Infektionen aber auch durch Druck und Dehnung von Nerven, im Zuge von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und anderem. Es sind Schmerzen im Versorgungsgebiet peripherer Nerven. Auch hier ist die Therapie ursächlich. Zur Linderung der Beschwerden dienen Schmerzmittel und Entzündungshemmer.

Kraniomandibuläre Dysfunktion

Unter einer Kraniomandibulären Dysunktion versteht man verschiedenste Fehlregulationen der Muskel- und/ oder Gelenkfunktionen der Kiefergelenke. Diese können unterschiedliche Ursachen haben. Klinische Symptome sind natürlich in erster Linie Beschwerden beim Kauen aber auch ausstrahlende Schmerzen im Gesicht, Kopf, am Hals und auch hinter den Ohren. Auch ein Tinnitius, Ohrenschmerzen, Schwindel und weitere Symptome können auftreten. Die Therapie ist umfangreich und umfasst medikamentöse, psychotherapeutische, physiotherapeutische und weitere Therapieansätze wie z.B. die Nervenstimulation. Wichtig ist es der Chronifizierung der Schmerzen entgegen zu wirken, da eine Therapie dann sehr schwierig ist. Es ist vor allem wichtig den Patienten umfassend über die verschiedenen Therapieansätze zu informieren, um eine gute Zusammenarbeit zu erzielen.

Zusammenfasssung

Schmerzen hinter den Ohren können viele verschiedene Ursachen haben. Sie können nervlichen oder muskulären Ursprungs sein aber auch im Zuge einer einfachen Erkältung auftreten. Oft sind es Lymphknotenschwellungen, die die Schmerzen verursachen. Auch Erkrankungen des Kiefers, der Zähne und der Schilddrüse können die Schmerzen verursachen. Man sieht also, dass Schmerzen hinter den Ohren, Ausdruck verschiedenster Krankheitsbilder sein können. Meist sind sie aber nur vorübergehender und harmloser Natur.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schmerzen Ohr

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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