Cortison Tabletten

Einleitung

Medikamente mit dem Wirkstoff Cortison finden Einsatz in vielfältigen Gebieten und bei verschiedensten Erkrankungen.
Besonders im Zuge von Organtransplantation, Gelenk- und Hauterkrankungen wird Kortison eingesetzt.

Wirkung

Die Hauptwirkung von Cortison besteht in der Unterdrückung von Entzündungsprozessen und übertriebenen Immunreaktionen. Durch die Gabe von Cortison verschwinden die Symptome der Entzündungsreaktion, jedoch wird die Ursache selbst nicht bekämpft!
Im Grunde genommen handelt es sich bei Cortison lediglich um die inaktive Form des körpereigenen Hormons Cortisol. Cortison selbst hat keinerlei biologische Wirkung, da es wegen seiner chemischen Struktur nicht in der Lage ist an die entsprechenden Zellen zu binden.
Es muss demnach innerhalb des Körpers erst in die aktive Form umgewandelt werden.
Cortisol gehört zu der Gruppe der Steroidhormone, genauer genommen ist es das wichtigste Glukokortikoid.
Da es zu den fettlöslichen Hormonen gehört, ist es in der Lage in die Zelle zu gelangen und dort an wichtige Strukturen zu binden.
Es wird in der Nebennierenrinde aus dem Ausgangsstoff Cholesterin gebildet und von dort aus in den Blutkreislauf ausgeschüttet.
Sowohl die Aufbaurate, als auch die Menge wird sehr streng durch die Hypophyse gesteuert und immer wieder an den Energiebedarf des Körpers angepasst.
Im Zuge langfristiger Stresssituationen wird Cortisol vermehrt hergestellt und in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Es hat in diesem Zusammenhang eine ähnliche Wirkung wie Adrenalin und Noradrenalin, die Wirkung setzt jedoch erst später ein.


Für sehr interessierte Laien:

Diese verzögerte Wirkung beruht darauf, dass Cortison nicht an einen sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptor binden kann.
G-Protein- gekoppelte Rezeptoren sind Zelloberflächenrezeptoren, die nach Hormonbindung an ihrer dem Zellinneren zugewandten Seite aktiviert werden. Nach der Aktivierung setzen sie über verschiedene chemische Prozesse eine Kaskade im Zellinneren in Gang, die letztendlich regulatorisch (also aktivierend oder hemmend) auf das Verhalten der Zelle einwirkt.
Im Falle des Cortisols ist die Bindung an einen solchen Rezeptor nicht möglich. Dies liegt zum Einen daran, dass das Hormon nicht in die Bindungsstelle eines G- Protein- gekoppelten Rezeptors passt und zum Anderen, dass es durch die Zellmembran dringen und an Rezeptoren im Zellinneren (intrazelluläre Rezeptoren) binden kann.
Über einen solchen intrazellulären Rezeptor kann direkt auf die Regulation, also das Ein- und Ausschalten, verschiedener Gene eingewirkt werden. Durch das Einschalten von Genen, welche die Bildung spezifischer Enzyme begünstigen, ist Kortisol in der Lage gezielt Stoffwechselwege zu beeinflussen.

Anwendungsgebiete

Cortisontabletten sind überall dort einsetzbar wo Entzündungsreaktionen gebremst werden sollen.
Bei vielen Krankheiten reicht eine lokale Therapie mit Salben, Nasensprays usw. nicht aus und das Cortison muss systemisch, also im gesamten Körper verteilt, gegeben werden.
Krankheitsbilder, die beispielsweise die Einnahme von Cortison-Tabletten nötig machen:

Außerdem können Cortison-Tabletten bei einer Unterfunktion der Nebenniere oder Hirnanhangdrüse eingenommen werden.

Dosierung und Anwendungsweise

Cortison Tabletten können entweder als Kurzzeittherapie bei akuten Schüben bestimmter Krankheiten wie z.B. Morbus Crohn gegeben werden oder aber auch als Langzeittherapie mit regelmäßigen Einnahmen um z.B. eine Organabstoßung nach Transplantation zu verhindern.
Bei einer Kurzzeittherapie im Rahmen einer akuten Entzündung wird zu Beginn eine hohe Dosierung verabreicht, diese wird mit der Zeit immer weiter verringert bis sie schließlich ganz ausgeschlichen wird.
Bei einer Langzeittherapie wird die kleinst mögliche wirksame Dosis gewählt, da eine längere Behandlung mit Cortison immer gewisse Nebenwirkungen mit sich bringt.
Oft wird statt des eigentlichen Cortisons auch der Wirkstoff Prednison bzw. Prednisolon eingesetzt.
In der Regel werden Cortison Tabletten (zum Beispiel Prednisolon) während oder direkt nach den Mahlzeiten eingenommen. Die Tabletten müssen unzerkaut und mit ausreichen Flüssigkeit, am besten Wasser, heruntergeschluckt werden.

Wann sollten Cortison Tabletten nicht angewendet werden?

Bei Patienten die schon einmal allergisch auf diesen Wirkstoff reagiert haben, ist eine weitere Einnahme zu unterlassen.
Bei kurzfristigen Anwendungen, die eventuell lebensbedrohlich sind, sind keine Gegenanzeigen vorhanden.
Bei längerfristiger Anwendung sind gewisse relative Gegenanzeigen zu nennen:

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Cortisontabletten nur in dringenden Fällen eingenommen werden, da eine schädliche Wirkung auf das Kind nicht ausgeschlossen werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Cortison in der Schwangerschaft

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Cortisontabletten können bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Medikamente in der Wirkung verändert werden.
Wichtige Medikamente sind hierbei:

Nebenwirkungen

Grundsätzlich gilt, dass Cortison in keinem Fall plötzlich abgesetzt werden darf, da dies die Entstehung von Nebenwirkungen begünstigt. Das Absetzen von cortisonhaltigen Medikamenten ist immer strikt nach den Anweisungen des behandelnden Arztes durchzuführen!

Nebenwirkungen einer langfristigen Einnahme von Cortison Tabletten treten meist nur dann auf, wenn die Dosis über lange Zeit über der körpereigenen Produktion liegt.
Bei kurzfristigen Einnahmen (ca. 2 Wochen) ist das Risiko für Nebenwirkungen sehr gering.

Einige Patienten weisen nach der Einnahme von Cortisontabletten eine allgemeine Immunschwäche auf.
Darüber hinaus kann die Cortisoneinnahme einen Muskelschwund der Arme und Beine mit gleichzeitiger Fettanreicherung im Bereich des Körperstamms (Stammfettsucht) bewirken.
Bei einigen Patienten kommt es nach längerer Einnahme von Cortisontabletten zum Auftreten von Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Wassereinlagerungen und Bauchspeicheldrüsenentzündungen.
Auch das Auftreten von Osteoporose und das Absterben (Nekrose) der Knochen, vor allem der Knochenköpfe, ist im Zuge einer langanhaltenden Cortisonüberdosierung möglich.
Eine weitere Nebenwirkung stellt die Hemmung der natürlichen Abläufe während der Blutgerinnung dar. Patienten klagen oftmals über eine verzögerte Blutgerinnung, schlechtere Wundheilung und das Auftreten von punktförmigen Hämatomen am ganzen Körper.
Des Weiteren kann die Einnahme von Cortison ein starkes Ansteigen des Augeninnendrucks (Glaukom) und/ oder Linsentrübungen (Grauer Star) zur Folge haben.
Da die Produktion des Magenschleims im Zuge einer Cortisontherapie eingeschränkt wird, kommt es häufig zur Entstehung von Magenschmerzen und Entzündungen der Magenschleimhaut.
Auch psychische Symptome wie Depressionen, Gereiztheit, Appetit- und Antriebslosigkeit sind möglich.

Lesen Sie viele weitere Informationen zu diesem Thema unter: Nebenwirkungen von Cortison

Weitere Informationen

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Haftungsausschluss/ Disclaimer

Wir weisen darauf hin, dass Medikamente niemals eigenständig, ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.
Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 03.04.2017
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