Entzündung im Finger

Einleitung

Der Finger kann sich an verschiedenen Stellen entzünden, wie zum Beispiel am Nagelbett, an der Fingerkuppe oder an den Gelenken. Es werden zwei Hauptformen der Entzündung unterschieden: Zum einen ist das die eitrige Entzündung, das sogenannte Panaritium und zum anderen die Phlegmone. Die Ursache ist für beide gleich, jedoch weisen die beiden Entzündungsformen unterschiedliche Symptome auf und unterscheiden sich deshalb in Diagnostik und Therapieansätzen.


Ursachen

Ursache einer eitrigen Fingerentzündung und einer Phlegmone sind meistens Bakterien, die über kleinste Verletzungen der Haut in das Gewebe eindringen. Diese kleinsten Verletzungen sind oftmals unbemerkt. Sie werden häufig durch die Nagelpflege hervorgerufen, aber auch der häufige Kontakt der Hände mit scharfen Reinigungsmitteln kann zu Mikroverletzungen führen. Auch über Schnitt-, Stich- oder Schürfwunden können Bakterien in die Haut gelangen.

Nach einer Operation des Fingers ist dieser auch anfällig für Keime, die über die Wunde eindringen können.

Zu den Bakterien, die diese eitrigen Entzündungen und Phlegmonen verursachen gehören vor allem Staphylokokken, Streptokokken und Kolibakterien.

Auch der Befall mit Pilzen oder Herpesviren kann zu einer hierzu führen. Dies ist jedoch weitaus seltener als die bakterielle Infektion. Die Herpesinfektion kehrt allerdings ständig wieder, wenn sie erst einmal aufgetreten ist. Ausgelöst werden kann dies durch Fieber, Stress oder beispielsweise Verletzungen der Finger. Herpesblasen an den Fingern sind für andere Menschen ansteckend.

Therapie

Salbe

Eine Entzündung im Finger ist in der Regel eine sehr lokal begrenzte Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Am häufigsten werden diese Infektionen von Bakterien hervorgerufen. Stellt der Arzt den Verdacht auf eine bakterielle Entzündung wird dieser in der Regel eine antibiotikahaltige Salbe verschreiben. Die Salbe wirkt lokal am entzündeten Geschehen und kann häufig die Ursache für die Entzündung innerhalb weniger Tage bekämpfen.

Sollte es sich um eine Pilzinfektion handeln kommen ebenfalls Salben zum Einsatz, welche gezielt den für die Entzündung verantwortlichen Pilz bekämpfen können.

Ausgedehnte Infektionen können eventuell nur noch mit lokalen Medikamenten behandelt werden, da die Salbe nur die äußere Haut und Wundschichten erreichen kann.

Homöopathie

Die Behandlung eines entzündeten Fingers mit homöopathischen Mitteln kann nur in seltenen Fällen empfohlen werden. Besonders dann, wenn es sich um eine bakteriellen Infektion handelt sollten schulmedizinische Strategien angewandt werden um Komplikationen zu verhindern. Lediglich Entzündungen, welche nur leicht ausgeprägt oder auf eine Überbelastung zurückzuführen sind, kommen für eine homöopathische Therapie in Betracht.

Komplikationen

Bei einer Entzündung des Fingers kann diese auch auf tiefer gelegene Schichten übergreifen. Auch Sehnen, Gelenke oder Knochen können befallen sein. Bei einer flächenhaften Ausbreitung können die Hohlhand und der Unterarm hinzukommen. Breitet sich die Entzündung in die Lymphbahn aus, so kann die Entzündung ins Blut übergehen und zu einer Blutvergiftung kommen. Dies ist allerdings ein Ausnahmefall.

Bei einem Übergreifen auf den Knochen kann die Entzündung sich weiter bis zum Knochenmark ausbreiten, sodass dies ebenfalls entzündet wird.

Liegt eine chronische Erkrankung, wie z.B. Diabetes mellitus vor, so ist das Risiko einer Entzündung des Fingers aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte und Durchblutungsstörungen erhöht. Da auch die Wundheilung gestört ist, führt dies zu einer schlechteren Heilung und einer erhöhten Anfälligkeit für einen chronischen Verlauf der Entzündung. In diesem Fall stirbt nach und nach Gewebe des Fingers ab und eventuell wird eine Amputation notwendig. Bei Risikopatienten sollte auf eine konsequente Hand- und Nagelpflege geachtet werden.

Entzündung im Finger beim Kind

Entzündungen am Finger sind bei Kindern eine relativ häufige Erscheinung. Erkannt werden können diese wie bei Erwachsenen auch durch die typischen Entzündungsreaktionen. Hervorgerufen werden diese in der Regel durch kleine Verletzungen. Entweder die Irritation durch die Wunde oder das Eindringen von Bakterien kann als Folge die Entzündung hervorrufen. Gründe für die Entzündung sind ebenso zahlreich wie bei Erwachsenen.

Kleine Wunden sollten bei Kindern stets möglichst keimfrei gehalten werden und wenn nötig mit einem Verband abgedeckt werden. Dies ist insbesondere dann nötig, wenn die Kinder im Verlauf der Abheilung der Wunde mit der anderen Hand dort anfassen.

Beim Schneiden der Fingernägel sollte beachtet werden, dass diese nicht zu kurz geschnitten werden und die umliegende Haut nicht verletzt werden. Wenn Schmerzen auftreten und deutliche Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung und Überwärmung) auftreten, sollte ein Arzt zur weiteren Behandlung aufgesucht werden. Das Gleiche gilt auch dann, wenn bereits Eiter zu sehen ist. Entzündungshemmende Medikamente sowie gegebenenfalls antibakterielle Salben können die Entzündung häufig erfolgreich bekämpfen.

Entzündung im Finger beim Baby

Entzündungen am Finger bei Babys sind nicht häufig. Dies liegt daran, dass Babys in der Regel kein sonderlich großes Verletzungspotenzial haben und scharfe Gegenstände üblicherweise nicht in erreichbarer Nähe sind. Doch auch bei Babys kann es durch Nagelbettentzündungen oder kleine Wunden zu einer Entzündung am Finger kommen. Erkannt werden kann dies an den Symptomen direkt an der Hand und einem häufig schreienden und unzufriedenem Kind. Sowohl Bakterien als auch Pilzinfektionen könne für die Erkrankung verantwortlich sein. Eine Entzündung beim Kind sollte durch einen Arzt abgeklärt werden um schwerwiegende Komplikationen rechtzeitig verhindern zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Nagelbettentzündung beim Baby

Entzündung einer Sehne im Finger

Liegt eine Entzündung der Sehne (oder öfter: der Sehnenscheide) zugrunde, kann dies ebenfalls typische Entzündungssymptome hervorrufen. Es ist dann keine Wunde zu sehen und auch Eiter bildet sich nicht. Dennoch kann die Hand Entzündungszeichen zeigen und oftmals sind schon kleine Bewegungen schmerzhaft. Nur selten sind Infektionen für das Krankheitsbild verantwortlich, es handelt sich hingegen meist um eine Überbelastung der Sehnen. Behandelt werden kann die Entzündung durch Schonung, Kühlen, sowie die Einnahme schmerz- und entzündungshemmender Medikamente. In manchen Fällen muss eine Operation in Betracht gezogen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Sehnenentzündung

Entzündung im Finger nach einer Verletzung

Entzündungen, welche auf den Grund einer Verletzung am Finger entstehen sind sehr häufig. Besonders dann, wenn die Haut durch einen Dorn oder sonstige Verletzungen beschädigt wurde, stellt die Verletzung eine Eintrittspforte für Bakterien dar. Die menschliche Haut ist in der Regel nicht frei von Bakterien, weshalb eine Entzündung aufgrund einer Verletzung leicht entsteht.

Auch bei Verletzungen, welche nicht mit einer Hautbeschädigung einhergehen kann es zu Entzündungsreaktionen kommen. Sind die Strukturen innerhalb des Fingers geschädigt zeigen sich Entzündungszeichen. Es sollte geklärt werden, ob die Knochen und Sehnen des Fingers noch intakt sind oder ob eine spezifische Therapie nötig ist.

Um eine Entzündung nach einer Verletzung zu verhindern sollte, besonders dann, wenn die Haut eindeutig beschädigt wurde, die Wunde möglichst zeitnah mit Wasser ausgespült und desinfiziert werden. Trotz eventuell auftretender Schmerzen sollte die Desinfektion gründlich erfolgen. Danach sollte, je nach Ausmaß der Verletzung, die Wunde mit sterilen Verbänden verbunden und diese häufig gewechselt werden. Größere Verletzungen sollten stets durch einen Arzt abgeklärt werden.

Eitrige Fingerentzündung (Panaritium)

Bei einer eitrigen Fingerentzündung kommt es zur Entzündung des Fingers mit Einschmelzung des umliegenden Gewebes. Sie kann verschiedene Schichten und Gebiete der Haut betreffen. Hierzu zählen zum Beispiel die Haut (Panaritium cutaneum), die Unterhaut (Panaritium subcutaneum) oder das Nagelbett (Panaritium subunguale bzw. paraunguale). Auch die Gelenke (Panaritium articulare), die Sehnen (Panaritium tendinosum), die Knochen (Panaritium ossale) oder die Knochenhaut (Panaritium periostale) können betroffen sein.

Symptome

Je nachdem, welche Schicht des Fingers entzündet ist, weisen die Patienten verschiedene Symptome auf:

  • Ist die Haut betroffen, so kommt es zur Bildung von Blasen, die mit Eiter gefüllt sind. Der Patient verspürt Schmerzen, die bei Druck noch verstärkt werden. Zusätzlich zur Schwellung tritt meist auch eine Rötung auf.                                                                                                         Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Blase am Finger
  • Bei einer Ausbreitung der Entzündung auf die Gelenke kommt es zur Gelenkschwellung und Rötung. Bei Bewegung des betroffenen Gelenks, sowie bei Stauchung und Zug treten Schmerzen auf.
  • Sind die Sehnen oder die Sehnenscheiden betroffen, so ist meistens der gesamte Finger angeschwollen und gerötet. Die Haut über den Sehnen ist gespannt und glänzend. Druckschmerz über der gesamten Sehne und Bewegungsschmerz sind typische Symptome.
  • Die Nagelbettentzündung ist durch eine Eiteransammlung unterhalb des Nagels gekennzeichnet. Hinzu kommt ein starker klopfender Schmerz, der bei Druck auf den Fingernagel verstärkt wird.
  • Greift die Entzündung auf den Knochen des Fingers über, so schwillt der Finger rund um den Knochen herum an und ist hier sehr druckschmerzhaft.

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Diagnose

Die Diagnose einer eitrigen Fingerentzündung und einer Phlegmone ist in der Regel durch die eindeutige Symptomatik zu stellen. Es sollten außerdem Röntgenbilder der Finger beziehungsweise der Hand angefertigt werden, um erkennen zu können, ob die angrenzenden Knochen betroffen sind. Zudem kann das Blut auf Entzündungszeichen untersucht werden und durch einen Wundabstrich die Beteiligung von Bakterien überprüft werden.

Therapie

In den meisten Fällen helfen bei einer Entzündung warme Seifenbäder oder Bäder mit Kamillezusatz des Fingers dabei, die Heilung zu fördern. Auch Zugsalben, wie z. B. Terpentinöl können nützlich sein. Ist die entzündete Stelle bereits eröffnet und Eiter fließt ab, so sollte sie sofort desinfiziert werden.

Geht die Entzündung allerdings nicht zurück, oder verschlimmert sie sich, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser stellt in der Regel den betroffenen Finger ruhig und verordnet bei Bedarf zusätzlich ein Antibiotikum gegen Bakterien oder ein Antimykotikum gegen Pilze.

Ist die eitrige Infektion sehr stark ausgeprägt, so ist ein operativer Eingriff notwendig. Hierbei wird die betroffene Stelle örtlich betäubt und der Arzt ritzt die Haut über der Eiteransammlung an, damit der Eiter abfließen kann. Anschließend wird die Wunde desinfiziert und die Hand ruhig gestellt. Es sollte darauf geachtet werden, dass ausreichender Tetanus-Impfschutz vorhanden ist.

Auf keinen Fall sollte versucht werden, eine Eiteransammlung selbst zu entfernen. Hierbei besteht die Gefahr, die Bakterien in tiefere Hautschichten zu verschleppen.

Ist die Entzündung in tiefer gelegene Schichten vorgedrungen, so ist ebenfalls ein operativer Eingriff nötig. Nach Beseitigung des infizierten und abgestorbenen Gewebes werden Antibiotikaschwämme oder –ketten eingelegt, um Bakterien abzuhalten. In besonders schweren Fällen, wenn bereits der Knochen betroffen ist und im Zusammenhang mit einer Wundheilungsstörung Gewebe abgestorben ist, kann sogar eine Amputation nötig sein.

Bei betroffenen Sehnenscheiden, muss ebenfalls operativ vorgegangen werden und die Sehnenscheiden müssen eröffnet werden.

Prophylaxe

Um Entzündungen des Fingers im Bereich des Nagelbettes vorzubeugen, sollte darauf geachtet werden, regelmäßig die Nägel zu schneiden, damit diese nicht einwachsen. Auch das Rundfeilen der Nägel kann hierzu nützlich sein. Das Nagelhäutchen sollte nicht mit einer Schere abgeschnitten werden. Hierbei kann es zu Verletzungen führen, die es Bakterien ermöglichen, in die Haut einzudringen.

Bei Tätigkeiten mit Kontakt zu scharfen Reinigungsmitteln oder Dünger sollten Handschuhe getragen werden, um die Hände zu schützen.

Dauer

In der Regel sollte eine Nagelbettentzündung nach etwa einer Woche abklingen. Ist dies nicht der Fall, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Auch Entzündungen, die die obere Hautschicht des Fingers befallen, dauern etwa eine Woche. Dringt die Entzündung jedoch tiefer vor, so verlängert sich die Heilungsdauer.

Phlegmone

Eine Phlegmone ist eine flächenhafte, fortschreitende Zellgewebsentzündung, die unterschiedliche Schichten der Haut betreffen kann. Entweder breitet sie sich direkt unter der Haut aus, oder eine Schicht tiefer, also unter der fächerförmigen Bindegewebsplatte der Handinnenseite, der sogenannten Palmaraponeurose.

Auch unterhalb dieser Bindegewebsplatte kann sich eine Phlegmone ausbilden, diese befindet sich dann oberhalb der Handmuskeln. Auch auf dem Handrücken und der Streckseite der Finger kann sich eine Phlegmone ausbreiten.

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Symptome

Bei einer Phlegmone kommt es zu bohrenden oder pochenden Schmerzen an der betroffenen Stelle. Meistens lässt sich außerdem eine Rötung und eine Schwellung erkennen und die Haut ist überwärmt. Die Funktion der betroffenen Finger ist stark eingeschränkt und es besteht ein starker Druckschmerz.

Zusätzlich zu diesen Entzündungszeichen lassen sich bei einer Phlegmone auch allgemeine Entzündungszeichen erkennen. Hierzu gehören Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Unwohlsein.

Therapie

Liegt eine Phlegmone der Finger vor, so muss diese chirurgisch eröffnet werden, um sie auszuspülen. Das entzündete Gewebe sollte entfernt werden, ebenso das abgestorbene Gewebe.

Zur Bekämpfung der Bakterien werden Antibiotika in die betroffenen Stellen eingebracht. Dies geschieht in Form von Ketten oder Schwämmen.

Die Finger beziehungsweise die Hand muss nach diesem Eingriff ruhiggestellt werden und eventuell im Heilungsverlauf erneut gespült werden. Anschließend sollte der Patient Krankengymnastik in Anspruch nehmen, damit die Bewegungsfähigkeit des Fingers wieder erlangt wird. Kommt es zu einer Verklebung der Sehne, so muss eventuell ein Zweiteingriff durchgeführt werden, um diese zu lösen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.01.2018
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