Steifer Hals

Einleitung

Ein "steifer Hals" wird auch als akute Torticollis oder akuter Schiefhals bezeichnet. Nackenschmerzen, Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule und Schmerzen in den Schultern und Armen gehen häufig mit einem steifen Hals einher. Durch die Beschwerden wird häufig eine Schonhaltung eingenommen, der Hals wird nach Möglichkeit ruhig gehalten und nicht bewegt, da jede kleine Bewegung durch Schmerzen zur Qual wird. Das ist ein Teufelskreis, da sich der steife Hals dadurch weiter verschlimmert. In vielen Fällen sind Bewegung und Wärme die beste Behandlung gegen einen steifen Hals oder steifen Nacken.

Hauptverursacher eines steifen Halses und der damit verbundenen Schmerzen sind häufig Haltungsprobleme und überlastete Muskeln im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich. Falsches Sitzen oder Liegen vor allem in Verbindung mit falscher oder zu wenig Bewegung führt zu einem steifen Hals. Durch falsche Be- oder Überlastung verkürzen und verhärten sich die Muskeln. Meist kommt es dadurch zu Schmerzen, eine Schonhaltung wird eingenommen, was die Beschwerden weiter verstärkt und zu einem steifen Hals führen kann. Häufig verursacht auch erst Kälte oder Zugluft in Verbindung mit den verspannten Muskeln den akuten Zustand eines steifen Halses, beispielsweise durch eine Fahrt im offenen Auto oder beim Schlafen mit offenem Fenster in einer kühlen Nacht.

Die Halswirbelsäule nimmt einen besonderen Platz im menschlichen Bewegungssystem ein, da sie extrem beweglich ist und den verhältnismäßig schweren Kopf trägt. Unzählige Nerven, viele Muskeln und die sieben Halswirbel müssen perfekt zusammenarbeiten, bei zuviel Bewegung oder Überlastung kommt es zu Schmerzen und Folgeschäden. So ist es nicht verwunderlich, dass rund 70 Prozent aller Schmerzbeschwerden im Rückenbereich lokalisiert werden und davon jeder dritte Beschwerden besonders im Bereich der Hals- und Schulterpartie angibt.

In manchen Fällen können auch Verschleißerscheinungen des Bewegungssystems wie Schäden der Bandscheiben und Wirbelkörper, Verkalkungen von Bändern, ein Bandscheibenvorfall am Hals oder Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenkarthrose) zu einem steifen Hals führen. Sehr selten dagegen wird ein steifer Hals durch eine ernste Grunderkrankung ausgelöst wie beispielsweise durch rheumatische Krankheiten, Infektionen im Kopf- und Halsbereich oder einige Tumor- und Knochenerkrankungen. Je nach Ursache kommt es neben dem steifen Hals zu weiteren Beschwerden, wie Fieber, Gefühl der Instabilität der Halswirbelsäule, eingeschränkter Beweglichkeit des Kopfes, Schmerzen an anderen Stellen des Körpers, Schluckbeschwerden und anderes.

Auch einige neurologische Krankheitsbilder können zu einem steifen Hals führen. Die sogenannte zervikale Dystonie bezeichnet beispielsweise eine "Fehl-Anspannung" von überaktiven Hals- und Nackenmuskeln, die zu unwillkürlich ausgelösten und ungewöhnlichen Kopfstellungen führen können.

In der Regel verschwinden die Beschwerden des steifen Halses meist ebenso rasch wieder, wie sie gekommen sind. Meist dauern die Beschwerden nur ein bis zwei Tage an. Da es jedoch so vielfältige Ursachen für einen steifen Hals gibt, sollte genau auf die Symptome geachtet werden, um eine harmlose Verspannung von einer in seltenen Fällen lebensbedrohlichen Erkrankung unterscheiden zu können.


Symptome

Die Symptome bei einem steifen Hals sind mit einem Hexenschuss im Rücken vergleichbar. Plötzlich einsetzende Schmerzen und Bewegungseinschränkung im Nacken sind die Leitsymptome dieses häufigen Krankheitsbildes. Diese Beschwerden werden hauptsächlich durch verspannte Muskeln oder (sehr selten) durch einen leichten Bandscheibenvorfall verursacht.

Wenn zusätzlich weitere Symptome hinzukommen, sollte eine ernstere Ursache für den steifen Hals in Betracht gezogen werden. Beispielsweise können Fieber, Schmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule, Kopfschmerzen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) hindeuten. Diese lebensbedrohliche Erkrankung kann zum Beispiel nach einem Zeckenbiss oder durch aggressive Erkältungserreger verursacht werden. Sollten solche Symptome in Verbindung mit einem steifen Hals auftreten und eventuell bereits ein Zeckenbiss festgestellt worden sein, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Außerdem kann es zu den Beschwerden des versteiften Halses zu Schmerzen in Armen und Händen kommen. Eine solche Schmerzausstrahlung kann mit Hilfe von Röntgenaufnahmen, einer Magnetresonanztomographie (Kernspin) oder Computertomographie (CT) abgeklärt werden. Dahinter können sich ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule oder Verschleißerscheinungen verstecken.

Die Halswirbelsäule ist ein sehr beweglicher Teil der Wirbelsäule und wird aus sieben Halswirbeln und den dazugehörigen Bandscheiben gebildet, die perfekt passen und miteinander funktionieren müssen. Schon kleinste Veränderungen in der komplizierten Bewegungskette können zu Schmerzen und Versteifungen führen.

Ursachen

Die genaue Ursache für einen steifen Hals ist bisher noch nicht ausreichend erklärbar. Es wird darüber diskutiert, ob die Muskeln im Schulter- und Nackenbereich durch falsche oder zu wenig Bewegung verkrampfen und dadurch verkürzt werden.

Eine andere Theorie erklärt die Beschwerden mit mikroskopisch kleinen Blutungen oder Rissen in den Muskelfasern, die dadurch entstehen, dass der Muskel kalt ist und sich plötzlich bewegen muss.

Aus verschiedenen Gründen kann es zu Nervenreizungen und Muskelschmerzen kommen, sodass der Kopf nur unter Schmerzen gedreht oder bewegt werden kann. Der steife Hals kann durch falsches Liegen oder Sitzen, durch Zugluft oder im Rahmen einer Erkältung entstehen. Zu den häufigen Ursachen für einen steifen Hals zählen auch Stress und psychische Probleme, da dabei unbewusst die Nackenmuskeln angespannt, die Schultern hochgezogen, der Kopf nach vorne gestreckt und die Zähne zusammen gebissen werden. Über längere Zeit kann sich so ein steifer Hals entwickeln, der sich dann meist als akutes Krankheitsbild sehr plötzlich präsentiert.

Die Muskulatur im Schulter- und Nackenbereich kann durch schweres Heben überlastet werden oder durch falsche Bewegungen gezerrt werden. Verschleißerscheinungen oder degenerative Veränderungen an den kleinen Gelenken der Halswirbelsäule sowie Wirbelkörperveränderungen durch Osteoporose können ebenfalls zu einem steifen Hals führen.

Weitere Ursachen können Unfälle (zB Schleudertrauma), Nervenreizungen durch Knochenveränderungen oder Bandscheibenschäden, Gefäßveränderungen oder Weichteilrheumatismus sein.

Diagnose

Die Diagnose eines steifen Halses wird hauptsächlich durch die typischen Symptome gestellt. In der Regel ist der Hausarzt oder ein Orthopäde der richtige Ansprechpartner. Eventuell können Ärzte anderer Fachrichtungen (zB Neurologie, Internist, Rheumatologe) hinzugezogen werden.

Eine körperliche Untersuchung in Verbindung mit der Krankengeschichte (Anamnese) gibt meist Aufschluss über das Ausmaß der Beschwerden. Dabei werden vor allem der Körperbau, die Beweglichkeit des Kopfes, die Muskelkraft und die Schmerzhaftigkeit im Schulter- und Nackenbereich untersucht.

Die Ursache des steifen Halses muss festgestellt werden, um die entsprechende Therapie einleiten zu können. In manchen Fällen beispielsweise nach einem Unfall, bei chronischen Schmerzen, die sich nachts verstärken oder wenn Zweifel an der Harmlosigkeit der Beschwerden bestehen, können bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen oder eine Magnetresonanztomographie die Diagnose erleichtern.

Allerdings sind nicht immer die möglicherweise sichtbar gemachten Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule auch die Verursacher der Nackenschmerzen. Eventuell kommen auch Untersuchungen der Gefäße am Hals (Duplexsonographie), Blutuntersuchungen oder Untersuchungen beim Neurologen oder Psychiater in Betracht.

Therapie

Die erste Hilfe bei einem steifen Hals ist immer Wärme. Ob mit einer Wärmflasche, sanftem Rotlicht oder einem warmen Körnerkissen, der schmerzende und versteifte Nacken sollte zunächst ordentlich erwärmt werden. Die Wärme verstärkt die Durchblutung in den angeschlagenen Muskeln und fördert damit den Heilungsprozess kleinerer Verletzungen. Außerdem werden die Schmerzen gelindert, was sehr wichtig ist, um die schmerzbedingte Schonhaltung zu verhindern, die die Beschwerden des steifen Halses meist eher verschlimmert als verbessert. Auch ein angenehm warmes Bad kann dabei unterstützen, dass die Muskeln entspannt werden und hat häufig den positiven zusätzlichen Effekt, dass Stress abgebaut wird, der ebenfalls ein häufiger Verursacher eines steifen Halses ist.

Grundsätzlich sollte der steife Hals nur vorsichtig und nicht ruckartig bewegt werden. Leichte Bewegungsübungen im Sinne des Drehen des Kopfes und Dehnen der seitlichen Halsmuskeln sind ebenfalls empfehlenswert. Bettruhe hingegen ist nicht empfehlenswert, vielmehr verlängert es die Dauer der Schmerzen. Möglichst viel Bewegung ist wichtig, der Alltag sollte so gut wie möglich fortgesetzt werden, nur schwere körperliche Arbeit und ruckartige Bewegungen vermieden werden. Auch sollte nicht versucht werden, sich selber "einzurenken" oder den Kopf kreisend hin und her zu bewegen. Dadurch verschlimmert sich die Symptomatik häufig.

Außerdem können sanfte Massagen die Muskulatur lockern und die Durchblutung fördern. Ein professioneller Masseur oder Physiotherapeut kann in der Regel helfen, starke Schmerzen zu lindern. In hartnäckigen Fällen, können entspannende und entzündungshemmende Medikamente gegen den steifen Hals, sowie Physiotherapien und Wärmeanwendungen verschrieben werden, wenn die Beschwerden nicht innerhalb von ein paar Tagen von selbst verschwinden. Auch können Medikamente in den Muskel oder in gereizte Gelenke gespritzt werden.

Nach einem einfachen Schleudertrauma oder zur Ruhigstellung bestimmter Arten von Instabilitäten an der Halswirbelsäule (zB. bei Entzündungen von Wirbeln) kann zur Ruhigstellung und Stabilisierung eine Halskrawatte (Zervikalstütze) sinnvoll sein. Andere Verfahren wie Akupunktur können in manchen Fällen ebenfalls Linderung verschaffen.

Chiropraxis oder Manuelle Therapie wird an der Halswirbelsäule nur sehr selten angewendet, da es zu schweren Komplikationen bis hin zum Schlaganfall kommen kann.

Prognose

Ein steifer Hals kann zunächst gut mit Wärme und leichter Bewegung therapiert werden. In der Regel verschwinden die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen wieder. Ist keine Besserung spürbar trotz Wärmebehandlung, kann ein Physiotherapeut oder Masseur aufgesucht werden. Die Fachleute können mit gezielten Handgriffen die Hals- und Nackenmuskulatur bearbeiten, die Gelenke entlasten und Fehlstellungen korrigieren.

Wenn der steife Hals zum ersten Mal auftritt oder immer noch keine Besserung nach ein bis zwei Behandlungen eines Physiotherapeuten oder Masseurs eintritt, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. So kann Diagnostik eingeleitet werden, die eventuell seltene Ursachen für die Beschwerden aufdeckt und eine geeignete Therapie begonnen werden.

In den sehr seltenen Fällen, in denen eine ernsthafte Erkrankung hinter dem steifen Hals steckt, hängt die Dauer der Genesung davon ab, wann die Behandlung begonnen hat und was die entsprechende Ursache für die Beschwerden war.

Prophylaxe

Häufig entwickelt sich ein steifer Hals bei ohnehin schon unterentwickelter oder schwacher Muskulatur. Um einen steifen Hals vorzubeugen, sollte in jedem Fall ein Muskeltraining durchgeführt werden. Regelmäßiges körperliches Training ist immer empfehlenswert, es ist auch die einfachste und sinnvollste Methode, um Schmerzen und Beschwerden im Hals- und Nackenbereich zu reduzieren oder ganz verschwinden zu lassen.

Tägliche Bewegung in Form von Spaziergängen, Jogging, Rad fahren oder Schwimmen hilft außerdem, den Körper zu stärken, das Abwehrsystem zu aktivieren, die Stabilität der Knochen zu erhöhen und die Muskulatur zu kräftigen. Schon einfache Dinge im Alltag können das Maß an Bewegung steigern und einen steifen Hals vorbeugen. So kann statt des Aufzuges die Treppe benutzt werden und häufiger mal auf das Auto verzichtet und zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren werden.

Auch kann vorbeugend gegen Zugluft vorgegangen werden. Der Hals kann vorsorglich mit einem Tuch oder Schal geschützt und gewärmt werden, wenn man sich in klimatisierten Räumen aufhält oder im offenen Auto fährt. Wärmeanwendungen oder durchblutungsfördernde Salben oder Massagen können bereits bei leichten Muskelverspannungen angewendet werden und damit dem steifen Hals vorbeugend entgegen wirken.

Gegebenenfalls ist es notwendig, dass die Körperhaltung (unter Anleitung eines Physiotherapeuten) korrigiert wird und Entspannungstechniken für die Nackenmuskulatur trainiert werden.

Computerbildschirme sollten unterhalb der Augenhöhe eingestellt sein, damit die Nackenmuskulatur bei der Arbeit am Rechner entspannt sein kann.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.02.2017
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