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Knochenprellung

Definition

Unter einer Knochenprellung versteht man in der Medizin eine Verletzung des Knochens, die nicht als Knochenbruch (Fraktur) bezeichnet werden kann. Dabei kommt es zu Ödemen, also Flüssigkeitsansammlungen im Knochen selbst oder zwischen Knochen und Knochenhaut sowie zu sogenannten Mikrofrakturen. Als Mikrofrakturen bezeichnet man kleinste Brüche der Knochenbausteine.

Mit dem Knochenbruch (Fraktur) hat die Knochenprellung gemeinsam, dass sie nicht zwingend mit von außen sichtbaren Hautverletzungen einhergehen muss. Jedoch sorgen die Kleinstbrüche sowie die Flüssigkeitsansammlungen im Knochen und dem umliegenden Gewebe häufig für eine Schädigung der dort verlaufenden kleinen Blutgefäße, wodurch Blut austritt und einen von außen sichtbaren Bluterguss (blauen Fleck) verursacht.

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Ursachen

Eine Knochenprellung entsteht immer durch eine Verletzung. Meist handelt es sich dabei um ein klar abgrenzbares Ereignis, typischerweise ein Sturzereignis oder das Anstoßen eines Knochens (z.B. Schienbein oder Hüfte) an einem harten Gegenstand (z.B. Tisch).

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Andererseits kann eine Knochenprellung aber auch durch immer wieder wiederkehrende Kleinstverletzungen des Knochens entstehen. Diese werden meist akut gar nicht wahrgenommen, sondern erst spät, wenn sich diese kleinsten Verletzungen aufsummieren und schließlich zu einer Knochenprellung führen. Eine solche chronische Knochenprellung entsteht häufig durch Überlastung im Rahmen von Sport oder durch Fehlhaltungen oder -stellungen von Gelenken, die zu einer unangebracht hohen Belastung in einzelnen Knochenbereichen führen und auf diesem Wege die Entstehung der Kleinstverletzungen begünstigen.

Durch die akute oder chronische Verletzung kann es zum Einreißen kleiner Blut- und Lymphgefäße innerhalb des Knochens und im umliegenden Gewebe kommen. Die dadurch entstehenden Flüssigkeitsansammlungen reizen die den Knochen umgebende Knochenhaut, die sehr schmerzempfindlich ist.

Symptome

Hauptsymptom einer Knochenprellung sind Schmerzen an der betroffenen Stelle. Dabei kann es zu Druck- und Bewegungsschmerzen, aber auch zu Ruheschmerzen kommen. Letztere treten typischerweise nachts auf.

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Neben den Schmerzen kann häufig eine Schwellung sowie ein Bluterguss beobachtet werden. Letzterer entsteht durch die Verletzung kleiner Blutgefäße im Bereich des Knochens und des umliegenden Gewebes.

Da jedoch auch andere Verletzungen, wie Knochenbrüche, Gelenk- oder Muskelverletzungen zu Schmerzen und Schwellungen führen können und die Schmerzlokalisation im Normalfall nicht hundertprozentig sicher auf den Knochen eingegrenzt werden kann, handelt es sich bei der Knochenprellung um eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass zunächst andere Verletzungen, die als Schmerzursache in Frage kommen, mittels bildgebender Diagnostik (z.B. Röntgen oder Ultraschall) ausgeschlossen werden müssen, um die Diagnose Knochenprellung stellen zu können. Erfahrene Untersucher können jedoch auch schon anhand der vom Patienten angegebenen Schmerzstärke und -art sowie des geschilderten Verletzungsmechanismus relativ gut abgrenzen, ob es sich lediglich um eine Knochenprellung oder um eine schwerwiegendere Verletzung handelt. Auf diesem Wege lassen sich potenziell überflüssige bildgebende Untersuchungen und damit deren Nachteile (z.B. Röntgen: Strahlenbelastung) vermeiden.

Die durch die Knochenprellung ausgelösten Schmerzen können Tage bis Wochen anhalten. Bestehen sie auch nach Konsultation eines Facharztes noch weitere 4-6 Wochen, sollte über die Möglichkeit einer MRT-Untersuchung nachgedacht werden. Diese eignet sich nämlich einerseits zum Ausschluss anderer möglicher Schmerzursachen, v.a. von Gelenk- und Weichteilverletzungen und ist andererseits die einzige Möglichkeit, eine Knochenprellung tatsächlich gezielt zu sehen. Aufgrund des hohen zeitlichen und finanziellen Aufwands sollte mit dieser Option jedoch sparsam umgegangen werden.

Vermutet der Untersucher also eine Knochenprellung als wahrscheinlichste Ursache der Schmerzen, ist ein abwartendes Vorgehen und evtl. noch eine Röntgenaufnahme deshalb zunächst einer MRT-Untersuchung vorzuziehen.

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Verschiedene Lokalisationen an Knochen und Gelenken

Eine Knochenprellung kann an allen Knochen und Gelenken auftreten und je nach Lokalisation unterschiedliche Symptome oder Schmerzen bereiten. 

Knie

Eine Knochenprellung am Knie kann sowohl durch eine akute Verletzung als auch durch chronische Überlastung entstehen. Zu ersteren gehören insbesondere das Anstoßen des Knies an einen harten Gegenstand, z.B. eine Tischkante, sowie Sportverletzungen im Bereich des Knies, z.B. Kreuzband- oder Meniskusverletzungen. Eine chronisch entstandene Knochenprellung am Knie liegt zumeist in einer Fehlstellung eines Gelenkes oder unangemessener Belastung (z.B. durch falsche Bewegungsabläufe oder inadäquat gesteigertes Training) begründet.

Eine wichtige Differentialdiagnose zur Knochenprellung am Knie ist die Osteochondrosis dissecans. Dabei kommt es aus noch nicht abschließend verstandenen Gründen (jedoch scheinen hier ähnliche Gründe wie bei der chronischen Knochenprellung maßgeblich zu sein) zu einer Durchblutungsstörung im Bereich des Knochens unter den Gelenkflächen und daraus folgend zu ähnlichen Beschwerden wie bei einer chronischen Knochenprellung.

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Bei Verdacht auf eine Knochenprellung am Knie stehen die körperliche Untersuchung und ggfs. eine Röntgenuntersuchung im Vordergrund der Diagnostik. Bleiben die Beschwerden nach Schonung über einen längeren Zeitraum bestehen, kann eine MRT-Untersuchung im Hinblick auf eine mögliche Osteochondrosis dissecans oder begleitende Gelenkverletzungen durchgeführt werden.

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Fuß

Eine Knochenprellung im Bereich des Fußes kann auftreten, wenn, z.B. beim Fußball, ein Gegenspieler auf den Fuß des Patienten tritt.

Bei starken Schmerzen kann hier eine Röntgenuntersuchung einen möglichen Mittelfußbruch ausschließen.

Ein weiterer häufiger Verletzungsmechanismus, der zu einer Knochenprellung am Fuß führen kann, sind Tritte bei bestimmten Kampfsportarten wie Kickboxen oder Taekwondo.

Auch am Fuß äußert sich eine derartige Knochenprellung durch akut auftretende Schmerzen, die insbesondere unter Belastung oder Druck stärker werden. Zudem tritt häufig eine Schwellung und eventuell ein Bluterguss am Ort der Verletzung auf.

Neben dem Mittelfuß ist das Sprunggelenk der am häufigsten von einer Knochenprellung betroffene Teil des Fußes.

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Schulter

Bei Verletzungen der Schulter, meist verursacht durch Stürze, kann es neben Band-, Sehnen- und Muskelverletzungen auch zu einer Knochenprellung kommen. Dabei kommt es zu einer Schwellung sowie zu Schmerzen im Schulterbereich, die auch in Ruhe bestehen können und unter Belastung stärker werden.

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Der häufigste Verletzungsmechanismus ist dabei eine Auskugelung des Schultergelenks durch den Sturz auf den ausgestreckten Arm. Durch die Ausrenkung des Gelenkes und die dabei auftretende Zerreißung von Muskelsehnen und Bändern entsteht eine Gewalteinwirkung auf den Knochen, aus der die oben beschriebenen Mikrofrakturen resultieren.

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In diesem Fall liegt der Fokus der Therapie der Schulterluxation jedoch auf der Wiederherstellung der Sehnen-, Muskel- und Bandstrukturen, sodass der Knochenprellung keine spezifische Behandlung zuteil wird. Weniger schwere Fälle, in denen die genannten Strukturen nur überdehnt oder angerissen sind, können konservativ durch Schonung mithilfe einer Schlinge behandelt werden. Schwerere Fälle müssen operativ versorgt werden. In beiden Fällen jedoch ist die Schonung, die den Band- und Sehnenstrukturen die Möglichkeit zur Heilung geben soll, auch gleichzeitig die optimale Therapie für die „nebenbei“ bestehende Knochenprellung.

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Hand

An der Hand kann es vor allem im Bereich der Mittelhand und am Handgelenk zu einer Knochenprellung kommen. Ersterer Bereich wird z.B. beim Boxen in Mitleidenschaft gezogen, während das Handgelenk vor allem bei Stürzen, die mit den Händen abzufangen versucht werden, gefährdet ist. Auch ein Finger kann betroffen sein.

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Auch an der Hand treten bei einer Knochenprellung Ruhe- und Bewegungsschmerzen sowie unter Umständen eine Schwellung auf. Eine Röntgenuntersuchung kann einen Knochenbruch als Ursache der Schmerzen ausschließen.

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Da die Hand und das Handgelenk auch im Alltag quasi ständig in Anspruch genommen werden, gestaltet es sich bei einer Knochenprellung in diesem Bereich besonders schwierig, die Schonhaltung über einen ausreichend langen Zeitraum einzuhalten. Deshalb kommt es hier häufig zu sehr langwierigen Verläufen.

Oberschenkel

Im Bereich des Oberschenkels ist eine Knochenprellung aufgrund des starken schützenden Muskelmantels eher selten. Das bedeutet, dass die verhältnismäßig dicke Oberschenkelmuskulatur, die den Oberschenkelknochen umgibt, viel von der Kraft abfedert, die beim Anprallen des Beins an einen harten Gegenstand auf das Bein übertragen wird. Sollte dennoch der Verdacht auf eine Knochenprellung am Oberschenkel bestehen, kann eine Röntgenuntersuchung einen möglichen Knochenbruch ausschließen.

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Knöchel

Der Innen- und Außenknöchel sind Teile des oberen Sprunggelenks. Das Sprunggelenk an sich neigt aufgrund seiner hohen Belastung und seiner schwachen Ummantelung durch Muskeln stark zu Knochenprellungen. Daher können entweder beide Knöchel oder nur der innere bzw. äußere Knöchel von der Prellung betroffen sein. Eine Knochenprellung im Sprunggelenk ist meist Folge von Fouls in sogenannten Kontaktsportarten, wie Fußball oder Basketball.

Neben starken Belastungs-, aber auch Ruheschmerzen treten vor allem eine Schwellung und Rötung des Sprunggelenks auf. Eine Besonderheit des Sprunggelenks, die es vor allem mit dem Handgelenk gemeinsam hat, ist seine starke alltägliche Beanspruchung. Patienten mit Knochenprellung im Sprunggelenk klagen vor allem zu Beginn der Therapie meist über Schmerzen bei praktisch jedem Schritt oder im Stehen, wenn nicht sogar über Ruheschmerzen (also im Sitzen oder Liegen).

Da eine Knochenprellung im Sprunggelenk geht oft mit Bandverletzungen im Sprunggelenk einher, insbesondere mit Rissen der Außen- oder Innenbänder oder der Syndesmose. Aus diesem Grund ist bei starken Schmerzen und Schwellungen die Konsultation eines Fachmanns nötig. Dieser kann anhand einer Funktionsuntersuchung des Sprunggelenks entscheiden, ob der Verdacht auf begleitende Bandverletzungen besteht. In diesem Fall sollte eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden, um den Verdacht zu bestätigen oder auszuschließen. Werden bei dieser Untersuchung eben solche Verletzungen festgestellt, verkompliziert sich die Therapie entsprechend.

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Therapie

Die grundlegende Therapie einer Knochenprellung besteht - wie bei allen Sportverletzungen - vor allem in Schonung, Kühlung und Kompression. Bezüglich der Kühlung ist zu beachten, dass die betroffene Stelle nicht durchgängig gekühlt werden sollte, sondern immer wieder kurz für jeweils wenige Minuten. In leichten Fällen sind diese Maßnahmen, ergänzt durch schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen, bereits ausreichend, solange der Zeitraum der Schonung ausreichend lang gewählt wird. Beide Medikamente sind sowohl als Tabletten als auch als Salbe erhältlich.

Müssen die Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, sollte mit einem Fachmann besprochen werden, ob eventuell Maßnahmen zum Magenschutz (Protonenpumpenhemmer) ergriffen werden sollten, da Magenbeschwerden zu den häufigsten Nebenwirkungen dieser Wirkstoffe gehören.

Wird die Knochenprellung von weiteren Verletzungen, z.B. Bänderrissen, begleitet, muss für diese eine gesonderte Therapieentscheidung getroffen werden.

Besteht ein großer Bluterguss im Bereich der Knochenprellung, der sich nach 10-14 Tagen nicht größtenteils zurückgebildet hat, sollte seine Beseitigung durch einen Chirurgen erwogen werden, um die Entstehung einer Infektion zu verhindern.

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Dauer

Bezüglich der Dauer einer Knochenprellung lässt sich keine allgemein gültige Aussage treffen, die der großen Vielseitigkeit der Diagnose gerecht werden würde. Diese Vielseitigkeit ergibt sich aus den unterschiedlichen Orten, an denen eine Knochenprellung auftreten kann. Außerdem ist die Dauer einer Knochenprellung davon abhängig, wie konsequent die Therapie vom Patienten befolgt wird und welche Begleitverletzungen vorliegen.

Leichte Fälle können sich im Optimalfall innerhalb von Tagen wieder so weit zurückbilden, dass bereits wieder mit dem Sport begonnen werden kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der betroffene Knochen beim Sport nicht allzu stark belastet wird, wie etwa bei einer Schulterprellung bei einem Fußballspieler.

Handelt es sich aber um eine schwerere Prellung oder der betroffene Knochen wird bei der jeweiligen Sportart stark belastet, kann es unter Umständen Wochen bis Monate dauern, bis der Sport wieder aufgenommen werden kann.

Wird die Knochenprellung von Band- oder Sehnenverletzungen begleitet, gestaltet sich die Heilung (Rekonvaleszenzzeit) dementsprechend länger.

In seltenen Fällen kann eine Knochenprellung jedoch noch Monate oder Jahre nach dem ersten Auftreten Beschwerden bereiten. Dies ist vor allem bei Knochenprellungen der Fall, die nicht durch eine akute Verletzung entstehen, sondern langfristig durch Über- oder Fehlbelastung. Auch eine unzureichende Befolgung der Therapievorgaben, z.B. zu kurze oder zu lasche Schonung, können einen derart langwierigen Krankheitsverlauf begünstigen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.04.2018
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