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Nagelbettentzündung am Zeh

Einleitung

Bei einer Nagelbettentzündung (Panaritium) kommt es zu einer Entzündung der Nagelfalz, welche sich auf das gesamte Nagelbett und die umgebenden Strukturen ausbreiten kann. Die Entzündung entsteht durch die Einwanderung von Erregern, welche vor allem über kleinere Einrisse in der Haut (Rhagaden) einwandern können.
Bei dem Erregerspektrum handelt es sich meist um bakterielle Staphylokokken oder Streptokokken, es kann aber auch auf dem Boden einer Pilzinfektion oder einer Infektion mit dem Herpesvirus zu einer Nagelbettentzündung kommen.

Die Symptomatik

Meist bemerkt man eine Nagelbettentzündung am Zeh durch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des betroffenen Zehs. Dabei ist der betroffene Zeh meist stark gerötet, geschwollen und überwärmt.

Der Schmerz wird häufig als pulsierend wahrgenommen. Die gesamte Entzündung beginnt meist mir der Entzündung des Nagelswalls (Paronychie) und schreitet dann als Entzündung des Nagelbetts (Panaritium subungunale). In diesem Stadium kann man meist eine Eiterblase unter dem Nagel oder im Nagelwall erkennen.

Wird die Nagelbettentzündung nicht behandelt kann es zu einer Ausbreitung in das angrenzende Gewebe kommen (Panaritium subcutanem). In sehr schweren Fällen kann sich diese oberflächliche Form der auch noch weiter fortsetzen und zu einer Ablösung der oberen Hautschicht führen (Panaritium cutaneum). Hierbei lassen sich blasige Auftreibungen der Haut erkennen. Bei den bis hier aufgezählten Formen der Nagelbettentzündung handelt es sich um die oberflächlichen Formen, welche von den tiefen Formen zu unterscheiden sind.

Zu den tiefen Formen kommt es, wenn die Entzündung ungehindert in das umgebende Gewebe fortschreiten kann. Diese Form kann auf den Knochen übergreifen (Panaritium ossale) oder auch auf die Sehnen (Panaritium tendinosum). Es kann auch mal zu einem Übergreifen der Entzündung auf die Zehengelenke kommen (Panaritium articulare).
Erst bei den weit fortgeschrittenen Nagelbettentzündungen kommt es auch zu den allgemeinen Entzündungszeichen wie Fieber und Schüttelfrost.

Die Schmerzen können auch bei den leichteren oberflächlichen Formen der Grund für Probleme beim Laufen sein.

Informieren Sie sich hier rund um das Thema: Nagelbettentzündung

Eiter als Symptom

Eiter entsteht bei einer Entzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird. Der Körper reagiert auf die Erreger mit Zellen des Abwehrsystems, die die Bakterien abtöten. Der Eiter besteht aus zersetzten Bakterien und zugrunde gegangenen Abwehrzellen. Daher ist das Symptom Eiter bei einer Nagelbettentzündung an der Zehe ein Anzeichen für eine bakterielle Ursache.
Wichtig ist, dass der Eiter bei einer Entzündung gut abfließen kann, damit diese ausheilen kann.

Bildet sich Eiter unter der Nagelplatte, kann der Abfluss durch diese behindert sein. In einem solchen Fall muss durch einen kleinen chirurgischen Eingriff ein Weg geschaffen werden, damit der Eiter abfließen kann. Dies gelingt entweder durch das Bohren eines Loches oder die Entfernung eines Teil des Nagelplattte unter örtlicher Betäubung.

Wildes Fleisch als Symptom

Wildes Fleisch (medizinisch als Granulationsgewebe bezeichnet) entsteht bei der Heilung von offenen Wunden.

Bei einer Nagelbettentzündung am Zeh kann es zum Beispiel aufgrund eines eingewachsenen Zehennagel zu einer stetigen Verletzung des umliegenden Gewebes kommen. Dadurch dringen immer wieder Keime wie Bakterien oder Pilze ein, sodass eine chronische Entzündung mit offenen Stellen entstehen kann. Im Bereich dieser offenen Stellen bildet der Körper wildes Fleisch.
Eigentlich handelt es sich um ein Zwischenstadium der Wundheilung, durch die chronische Entzündung wird dieses jedoch nicht überwunden. 

Besonderheiten der Nagelbettentzündung am großen Zeh

Von einer Nagelbettentzündung können grundsätzlich alle Zehen oder Finger betroffen sein. Eine Besonderheit der großen Zehe besteht darin, dass dort die Nagelplatte aufgrund der Größe am langsamsten wächst.
Dadurch können sich zum einen Keime wie Pilze oder Bakterien dort am besten einnisten und zum anderen kann es deutlich länger dauern, bis eine Nagelbettentzündung ausheilt. Das gilt besonders dann, wenn ein Teil oder sogar der ganze Nagel entfernt werden musste. Es kann über sechs Monate dauern, bis die Nagelplatte wieder nachgewachsen ist.

Diagnostik

In der Regel genügt bei den oberflächlichen Formen die Blickdiagnose, hierbei sind die Angaben des Patienten sehr wichtig, da nur der Patient selbst die Schmerzen wahrnimmt und deswegen beschreiben kann.

Bei den tieferen Nagelbettentzündungen kann auch die Untersuchung des Blutes sinnvoll sein. Wenn sich die Entzündung weiter im Körper ausbreitet, führt dies zu einem Anstieg der Blutsinkgeschwindigkeit (BSG) und des C-reaktiven Proteins (CRP-Wert). Bei diesen Werten handelt es sich allerdings nicht um spezifische Untersuchungen bei einer Nagelbettentzündung, sondern um allgemeine Entzündungsparameter, die bei jeder generalisierten Entzündung erhöht sind. Sollte die Entzündung bereits im Knochen oder im Gelenk angekommen sein, kann man in einem Röntgenbild eine Erweiterung des betroffenen Gelenkspalts erkennen.

Welcher Arzt behandelt die Nagelbettentzündung am Zeh?

Bei einer Nagelbettentzündung am Zeh sollte in der Regel der Hausarzt der erste Ansprechpartner sein. Dieser kann oftmals bei einfach Befunden selbst die Behandlung und gegebenenfalls Kontrolle durchführen.
Sollte die Entzündung schwerwiegender sein und einer spezieller Therapie bedrüfen, kann der Hausarzt eine Überweisung an einen niedergelassenen Chirurgen oder einen Dermatologen (Hautarzt) ausstellen.

Therapie der Nagelbettentzündung am Zeh

Bei den tieferen und selteneren Formen der Nagelbettentzündung, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann die Nagelbettentzündung chirurgisch ausräumen (Debridement) und gegebenenfalls ein Antibiotikum verschreiben. Bei den tieferen Formen der Nagelbettentzündung kann auch die intravenöse Gabe eines Antibiotikums in Betracht gezogen werden, um eine weitere Ausbreitung der Erreger zu vermeiden. Wichtig ist hierbei, dass Antibiotika natürlich nur dann wirken, wenn der Auslöser der Nagelbettenzündung ein Bakterium ist. Sollte es sich im eine Pilzinfektion handeln, sollten funghizide Mittel (Antimykotika) gegeben werden. Handelt es sich jedoch um eine Infektion mit dem Herpes Virus, sollten antiviral wirksame Medikamente wie zum Beispiel Aciclovir (Aciclobeta®, Zovirax®) gegeben werden.

Je nach Stadium und Schmerzen kann eine Ruhigstellung des Fußes über einen gewissen Zeitraum sinnvoll und erforderlich zur Genesung sein.

Lesen Sie mehr zum Thema: Behandlung einer Nagelbettentzündung

Welche Salben können helfen?

Bei einer Nagelbettentzündung können verschiedene Salben helfen. Diese lassen sich nach ihrer Wirkung in drei Gruppen einteilen.

Zum einen gibt es solche mit entzündungshemmender Wirkung die entweder Schmerzmittel oder pflanzliche Wirkstoffe wie Arnica enthalten. Sie dienen einer Reduktion der Symptome wie Schmerz und Schwellung und sollen den Heilungsprozess fördern.
Eine andere Wirkung haben die sogenannten Zugsalben. Diese beschleunigen die Reifung bei einer eitrigen Nagelbettentzündung, damit der Eiter schneller abfließen kann.
Die dritte Art von Salben, die bei einer Nagelbettentzündung am Zeh helfen können, sind solche mit einem direkten Wirkstoff gegen Keime (meist ein Antbiotikum). Diese Art von Salben muss in der Regel vom Arzt verschrieben werden und sollte nur ärztlicher Anordnung verwendet werden.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema Zugsalben

Die Homöopathie

Bei einer leichten Nagelbettentzündung kann eine Behandlung mit homöopathischen Mittel versucht werden. Die Auswahl des Präparates richtet sich dabei nach der Art der Symptome.

  • Bei klopfenden Schmerzen, einem heißen Nagelbett und leichter Rötung sollten Globuli mit Belladonna eingenommen.
  • Bei eher stechenden Schmerzen und einem hellroten und geschwollenen Nagelbett wird Apis mellifica empfohlen.
  • Bei stechenden Schmerzen und beginnender Eiterung kann die Einnahme von Hepar sulfuris erfolgen.

Jedoch ist bei diesen Symptomen gegebenenfalls auch schon eine schulmedizinische Behandlung durch eine chirurgische Entlastung angezeigt.
Generell sollte man eine Nagelbettentzündung am Zeh nicht mehr allein durch Homöopathie behandeln, wenn die Entzündung nach mehreren Tage nicht abklingt, sich viel Eiter bildet, starke Schmerzen bestehen oder sich das Allgemeinbefinden verschlechtert. In einem solchen Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Welche Hausmittel können helfen?

Bei einer leichten Nagelbettentzündung können verschiedene Hausmittel eingesetzt werden, um Beschwerden zu lindern und das Abheilen zu beschleunigen.

Es handelt sich vor allem um pflanzliche Produkte, die eine entzündungshemmende oder keimabtötende Wirkung aufweisen. Geeignet sind zum Beispiel Präparate aus Arnika, Zwiebelextrakt oder Meerettich.
Ein häufig angewandetes Hausmittel ist zudem Teebaumöl, das unverdünnt mehrmals täglich auf die entzündete Stelle gegeben werden kann. Zudem eignet sich eine Wanne mit einem warmen Kamillebad, in die der Fuß für etwa zehn Minuten gehalten wird.

Sollte die Entzündung weiter zunehmen, starke Schmerzen bereiten oder sich Eiter bilden, ist eine alleinige Behandlung mit Hausmittel nicht mehr angezeigt. Stattdessen sollte man dann frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Teebaumöl

Teebaumöl ist ein beliebtes Hausmittel, dass zur Behandlung von verschiedensten entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt werden kann.
Es wirkt keimabtötend und kann unverdünnt bei einer Nagelbettentzündung am betroffenen Zeh dünn aufgetragen werden. Die Anwendung sollte dann zweimal täglich erfolgen. In seltenen Fällen reagiert die Haut auf das Teebaumöl gereizt. Sollte es zu einer Zunahme der Schmerzen oder Brennen kommen, sollte das Öl abgewaschen und nicht mehr weiterverwendet werden.

Wenn die Nagelbettentzündung nach einigen Tagen nicht abklingt oder es zu einer Zunahme der Beschwerden kommt, ist zudem eine ärztliche Vorstellung angezeigt.

Lesen Sie hier mehr zur Wirkung des Teebaumöls.

Wann braucht man eine OP?

Eine Operation bei einer Nagelbettentzündung am Zeh ist zum Beispiel dann erforderlich, wenn sich ein Eiterherd gebildet hat. Der Arzt muss je nach Ausmaß unter örtlicher Betäubung eine Öffnung in den Nagel bohren, einen Teil oder die gesamte Nagelplatte entfernen, damit der Eiter gut abfließen kann. Anschließend wird ein Verband angelegt.
In regelmäßigen Abständen muss die Zehe untersucht und der Verband erneuert werden. Dies kann in der Regel in der Arztpraxis erfolgen. Auch wenn der Eingriff einfach klingt sollte man niemals selbst versuchen, den Eiterherd bei einer Nagelbettentzündung zu öffnen. Dadurch kann es ansonsten zur Keimverschleppung in tiefere Gewebeschichte kommen.

Eine OP kann zudem notwendig sein, wenn die Ursache der Nagelbettentzündung ein eingewachsener Zehennagel ist. In einem solchen Fall wird die Nagelplatte bei dem Eingriff verkleinert.
In extremen und weit fortgeschrittenen Fällen kann eine Nagelbettentzündung sich bis auf den Knochen ausweiten. Dann muss eine weitergehender chirurgischer Eingriff erfolgen. Im schlimmsten Fall muss die Zehe amputiert werden. Solche Verläufe sind allerdings sehr selten.

Informieren Sie sich hier rund um das Thema: OP bei einer Nagelbettentzündung

Dauer einer Nagelbettentzündung

Die Dauer eine Nagelbettentzündung am Zeh richtet sich nach dem Ausmaß der Entzündung, dem Auslöser und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginn.

Eine unkomplizierte Entzündung des Nagelbetts, die rechtzeitig erkannt und behandelt wird, heilt in der Regel innerhalb von drei Tagen aus. Wenn die Erkrankung jedoch nicht erkannt oder behandelt wird, kann es auch zu einer langwierigen Entzündungsreaktion kommen, die sich im schlimmsten Fall auf weitere Gewebestrukturen wie Sehnen oder Knochen ausweitet.
Die Dauer hängt zudem von den Begleitumständen und Erkrankungen des Patienten ab. Eine Durchblutungsstörung der Füße sowie Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) haben eine schlechtere Wundheilung sowie eine erhöhte Anfälligkeit für weitere Entzündungen zur Folge. Daher ist bei diesen Patienten eine direkte und konsequente Behandlung wichtig, um einem chronischen Verlauf mit Folgeschäden vorzubeugen

Prophylaxe

Als eine gute Prophylaxe hat sich eine gute Nagel- und Fußhygiene erwiesen. Ähnlich wie bei Fußpilz sollten Sie, darauf achten, dass Sie in Schwimmbädern und öffentlichen Duschen Badeschuhe tragen, wenn Sie Nagelbettentzündungen neigen. Regelmäßiges Nägelschneiden schützt auch zu gewissen Teilen vor einer Nagelbettentzündung, weil es dann nicht durch das Einreißen von Nägeln zu kleineren Verletzungen kommen kann, welche als Einfallstor für die Krankheitserreger dienen können. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass es nicht zu einem Einwachsen der Nägel kommt, weil auch hier das umgebende Gewebe unnötig gereizt wird.

Risikofaktoren

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch, gibt es auch Faktoren, welche die Entstehung einer Nagelbettentzündung begünstigen. Menschen die ein geschwächtes Immunsystem haben, können sich schlechter gegen Krankheitserreger zur Wehr setzen und leiden daher häufiger an Nagelbettentzündungen.
Ein geschwächtes Immunsystem kann viele Gründe haben, einige davon sind die Folgen einer Chemotherapie bei einer Krebserkrankung, erbliche Immunschwächen (SCID) oder auch eine Infektion mit dem HI-Virus. Die betroffenen Personen können aber nicht nur vermehrt an Nagelbettentzündungen leiden, sondern an vielen weiteren Infektionskrankheiten auch.
Ein weiterer prädisponierender Faktor, auch für schwerere Verlaufsformen, sind Neuropathien in den Beinen, diese können dabei diabetisch oder direkt neurologisch bedingt sein. Das Problem bei Neuropathien ist, dass die Betroffenen nicht nur ein vermindertes Vibrationsempfinden haben, sondern auch ein herabgesetztes Schmerzempfinden. Dadurch werden die oberflächlichen Nagelbettenzündungen erst später bemerkt, als bei anderen Menschen. Diese zusätzliche Zeit für den Erreger in der dieser nicht behandelt wird, kann bedeuten, dass sich die Entzündung weiter ausbreiten kann. Daher ist es vor allem für Menschen, die an Neuropathien leiden wichtig, dass sie besonders stark auf ihre Fußhygiene achten. Wenn man sich in dieser Situation die Fußpflege nicht mehr allein zutraut, kann auch eine medizinische Fußpflege eine gute Lösung sein. Folgeschäden durch eine Nagelbettentzündung sind glücklicherweise sehr selten.

Epidemiologie

Generell finden sich nur schwer Zahlen, um das Auftreten einer Nagelbettentzündung am Zeh epidemiologisch korrekt zu beurteilen, da viele Menschen, die an einer Nagelbettentzündung leiden, nicht zum Arzt gehen, sondern diese erfolgreich selber behandeln. Es lässt sich aber schon sagen, dass es häufiger zu den leichteren oberflächlichen Formen kommt, die leicht behandelbar sind, als zu den schweren tiefen Formen, welche auch Folgeschäden wie Steifigkeit im betroffenen Gelenk zur Folge haben können. Aufgrund der Schmerzen beim Gehen, wird die Nagelbettentzündung meist im Frühstadium erkannt, so dass es durch eine schnelle und effektive Behandlung erst gar nicht zu einer weiteren Ausbreitung der Erkrankung kommt.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2018
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