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Laktatazidose

Definition

Bei einer Laktatazidose kommt es zu einer erhöhten Konzentration von Milchsäure im Blut, wodurch der pH-Wert unterhalb des physiologischen Bereichs fällt, sich folglich hin zu sauren Werten verschiebt.

Eine Änderung des pH-Wertes durch eine Azidose kann schwere Auswirkungen haben. Normalerweise ist das menschliche Blut leicht basisch oder alkalisch auf Grund des gelösten Salzes. Bei einer Azidose wird das Blut leicht sauer.

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Ursachen einer Latatazidose

Eine Laktatazidose entsteht in der Regel durch eine gestörten Zellstoffwechsel, bei dem die sauerstoff-verbrauchende (aerobe) Glucoseverwertung nicht funktional ablaufen kann. Als Zwischenprodukt des unvollständigen Glucosstoffwechsels reichert sich infolge häufig Laktat an, da die Energiegewinnung von Glucose zu Laktat auch ohne Sauerstoff möglich ist. Somit kommt es zu einer erhöhten Ausschöpfung der anaerob-lactaciden Energiebereitstellung (anaerob = ohne Sauerstoff).

Bei der Laktatazidose entsteht unter Sauerstoffmangel das Pyruvat aus der Glykolyse und wird zu Milchsäure umgewandelt. Die Glykolyse ist der Prozess im Körper bei dem Kohlenhydrate in Einfachzucker zerlegt werden und dem Blutkreislauf zugeführt werden. Die Leber kann Laktat in einem gewissen Maß wieder abbauen und die Laktatazidose ein Stück weit kompensieren. Bei einem Abfallen der Leberfunktion kann die Anhäufung von Laktat allerdings nicht mehr gestoppt werden und der Körper übersäuert.

Eine Laktatazidose tritt häufig bei Diabetikern im Rahmen einer diabetischen Ketoazidose auf. Ebenfalls ursächlich können Leber- und Nierenerkrankungen, sowie eine Blutvergiftung (Sepsis) sein. Normalerweise wird überschüssiges Laktat in der Leber im Rahmen des Glucosaufbaus (Gluconeogenese) verwertet und somit abgebaut. Liegt allerdings eine Lebererkrankung vor, kann dieser Prozess eingeschränkt sein und Laktat sammelt sich an. Besonders bei einer massiven Laktatanreicherung kann die geschädigte Leber den Zustand nicht mehr kompensieren.

Eine weitere Ursache stellen lebensbedrohliche Zustände wie ein Schock, eine Lungenembolie und große Operationen dar, in denen Gewebe teilweise unzureichend durchblutet wird und folglich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, weswegen der Körper auf die Energiegewinnung durch die Entstehung von Laktat zurückgreifen muss. Im Rahmen eines hohen Blutzuckerspiegels bei Diabetikern zum Beispiel kommt es zu einer starken Entwässerung des Körpers, sodass zu wenig Blut im Gefäßsystem verbleibt. Es kommt zu einem sogenannten hypovolämischen Schock. Durch diesen Schock sind Organe zu wenig durchblutet und folglich zu wenig mit Sauerstoff versorgt und es kommt zur Entstehung einer Laktatazidose.

Auch verschiedene Medikamente, wie vor allem das Antidiabetikum Metformin, können zu einer Laktatazidose führen. Medikamente, die zu einer Laktatazidose führen, hemmen in der Regel die Atmungskette, wodurch weniger Sauerstoff entsteht und für die Energiegewinnung zur Verfügung steht, weshalb auf den Laktatstoffwechsel ausgewichen werden muss. Auch ein Mangel an Thiamin (Vitamin B1), im Rahmen des Beriberi-Syndroms, welches häufig durch Mangelernährung und Alkoholismus provoziert wird, kann zu einer Laktatazidose führen. Durch den Thiaminmangel wird der Citratzyklus gedrosselt, wodurch sich das Zwischenprodukt Pyruvat anhäuft, welches zu Laktat umgewandelt werden kann. Auch im Rahmen von Tumorerkrankungen kann es zu einer Laktatazidose kommen, da manche Tumore Laktat produzieren.

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Laktatazidose bei Extremsportlern

In seltenen Fällen kann es auch bei Extremsportlern zu einer Laktatazidose führen, da bei starker körperlicher Beanspruchung der Stoffwechsel ab einer bestimmten Schwelle auf die anaerobe Energiegewinnung (ohne Sauerstoff) zurück greift. Dies ist ein physiologischer und normalerweise ungefährlicher Prozess, geschieht dies aber in einem extremen Maß, kann es zur Laktatazidose führen. In diesem Fall reicht es meist als Therapie aus, wenn sich der Sportler eine Zeit lang schont und zwischen der sportlichen Aktivität Ruhepausen einlegt, sodass sich der Stoffwechsel wieder normalisieren kann.

Anzeichen

Die Symptome einer Laktatazidose können sehr unterschiedlich ausfallen. Zu ihnen gehören Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, schnellere Atmung, Herzrasen und eine Veränderung des psychischen Zustandes kann sich ebenso einstellen. Des Weiteren sind Angstzustände, Müdigkeit, unregelmäßige Herzfrequenz, Lethargie und Schwäche Symptome mit denen man bei einer Laktatazidose rechnen muss.

Typisches Anzeichen für eine Laktatazidose ist auch die sogenannte Kußmaul-Atmung. Sie dient der Kompensation der Übersäuerung des Körpers. Es handelt sich um eine tiefe und regelmäßige Atmung, bei der der Körper versucht die überschüssige Säure in Form von Kohlenstoffdioxid abzuatmen. Hinzu kommen häufig noch Unruhe, Atemnot, Fieber und Kreislaufstörungen. Auffällig werden die Patienten häufig im weiteren Verlauf durch zunehmende Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübung bis hin zum Koma.

Der Verlauf einer Laktatazidose

Der Verlauf einer Laktatazidose kann unterschiedlich sein. Es ist eine sehr seltene Krankheit und viel hängt auch von der auslösenden Ursache ab. Bei Profi- und Extremsportlern klingt die Krankheit meistens wieder komplett ab, wenn entsprechende Ruhepausen eingesetzt werden. Bei einer Organstörung als Ursache, vor allem bei Niere und Leber, ist die Wahrscheinlichkeit einer tödlich verlaufenden Laktatazidose am höchsten.

Folgen/Komplikationen

In schweren Fällen kann die Laktatazidose bis hin zum Schock führen inklusive eines lebensgefährlichen Nierenversagens. Liegt die Laktatazidose aufgrund einer Organschädigung vor, wie einer Nieren- oder Leberschädigung, kann sie auch tödlich enden. In diesem Fall sollte sofort ärztliche Hilfe kontaktiert werden. Anzeichen für eine Laktatazidose im kritischen Stadium sind: blaugefärbte Lippen oder Fingernägel, Veränderungen in Wesen und Bewusstseinszustand (Ohnmacht, Teilnahmslosigkeit), Schmerzen in der Brust, Brustdruck, Herzklopfen, hohes Fieber (höher als 38,5° Celsius), Atemprobleme (Atemnot, schnelle Atmung, Atemstillstand) und schwere Bauchschmerzen. Bei diesen Symptomen sollte umgehend ein Notruf abgesetzt werden, da es sonst zu schweren gesundheitlichen Problemen, bis hin zum Tode kommen kann.

Metformin

In den letzten Jahren haben sich in Europa die Todesfälle nach Antibiotikagebrauch von Metformin gehäuft. Experten zählten in den letzten zehn Jahren 37 Todesfälle von denen 29 auf eine Laktatazidose zurückzuführen sind. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht geklärt und daher sollte man stets klären, ob man das Medikament nehmen kann und auf was man zu achten hat. In den 70er und 80er Jahren wurden ähnliche Medikamente auf Grund von häufig auftretenden Todesfällen nach einer Einnahme vom Markt genommen. Metformin ist das letzte Antidiabetikum, das noch auf dem Markt erhältlich ist.

Metformin ist ein Antidiabetikum, welches zu den Biguaniden gehört. Es blockiert den Elektronentransport in der Atmungskette, wodurch weniger Sauerstoff entsteht und der anaerobe Stoffwechsel, sprich der laktatproduzierende Stoffwechsel angetrieben wird.

Gefährdet unter Therapie mit Metformin eine Laktatazidose zu bekommen, sind vor allem Patienten mit einer eingeschränkten Leberfunktion. Metformin hemmt neben der Atmungskette vermutlich auch die Gluconeogenese (Bildung von Glucose) in der Leber. Als Baustein wird für diesen Stoffwechselweg Laktat verwendet. Durch die Hemmung der Gluconeogenese reichert sich folglich mehr Laktat an, welches eine vorgeschädigte Leber schlechter eliminieren kann als eine gesunde Leber.

Ebenfalls bei einer eingeschränkten Nierenfunktion kann es zu einer Laktatazidose kommen, da Metformin über die Nieren ausgeschieden wird. Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, wird das Medikament langsamer ausgeschieden und es kommt zu erhöhten Plasmaspiegeln. Dadurch ergibt sich eine längere Wirksamkeit des Medikaments, wodurch die Laktatwerte weiterhin ansteigen können. Aufgrund dieses Zusammenhangs werden bei allen Patienten vor der Verschreibung von Metformin die Nierenwerte überprüft. Eine Kontraindikation liegt vor, wenn der Kreatinin-Wert bei Männern bei mindestens 1,5mg/dl liegt und bei Frauen bei 1,4mg/dl und wenn die Kreatinin-Clearance unter 60ml/min liegt.

Eine Laktatazidose, die durch Metformin verursacht wurde, ist mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. 30% der Patienten versterben daran.

Diagnostik

Gesichert kann eine Laktatazidose aufgrund der unspezifischen Symptome nur durch eine Laboruntersuchung werden. Von einer Laktatazidose spricht man, wenn der pH-Wert unterhalb von 7,36 liegt und gleichzeitig die Laktatkonzentration über 5 mmol/l erhöht ist. Ist nur der pH-Wert erniedrigt und die Laktatkonzentration weitestgehend im physiologischen Bereich, handelt es sich um eine metabolische Acidose.

Therapie der Laktatazidose

In der Regel finden Behandlungen einer Laktatazidose auf der Intensivstation eines Krankenhauses statt. Dort kann der Patient rund um die Uhr überwacht, und der Kreislauf stabilisiert werden. Um die hohe Säurekonzentration im Körper zu senken, wird oftmals das Gegenmittel „Bikarbonat“ verabreicht.

Man kann allerdings auch Maßnahme ergreifen, die einer Laktatazidose vorbeugen. Bei Medikamentenverabreichung sollte man immer abklären, ob Niere und Leber einwandfrei funktionieren und, ob das Medikament potenziell eine Laktatazidose hervorrufen kann. Bei den kleinsten organischen Einschränkungen von Niere und Leber kann bei Medikamenteneinnahme eine Laktatazidose als Nebenwirkung auftreten.

Der Körper besitzt eine eingebaute Schutzfunktion die greift, wenn die Laktatkonzentration einen bestimmten Level übersteigt. In einem solchen Fall beginnt der Körper die Atmung zu steigern, um durch das Abatmen von Kohlendioxid die Laktatkonzentration im Blut zu senken.

Damit die Therapie einer Laktatazidose zielführend ist, muss die provozierende Ursache eliminiert werden. Zu Beginn der Therapie wird erst einmal der Kreislauf durch in der Regel intensivmedizinische Maßnahmen stabilisiert. Zum Einsatz kommt die Gabe des basischen/alkalischen Bicarbonat, welches die Übersäuerung/Azidose neutralisieren kann. Es muss auch die Produktion der Milchsäure verlangsamt oder gestoppt werden, sodass der Körper das angehäufte Laktat abbauen kann. Allerdings sollte man Bicarbonat vorsichtig einsetzen, da es die bestehende Azidose unter Umständen auch verschlimmern kann. Falls die Azidose durch die Gabe von Metformin verursacht wurde, wird die Therapie sofort abgesetzt.Weitere Möglichkeiten der Behandlung einer Laktatazidose sind das Spritzen von bestimmten Flüssigkeiten, die helfen die Sauerstoffversorgung zu verbessern und so der Laktatproduktion entgegenzuwirken, und eine Sauerstofftherapie, damit der Körper wieder genug Sauerstoff erhält. Im Rahmen einer diabetischen Entgleisung wird zum Beispiel Insulin gespritzt, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Außerdem kann man noch Vitamin-Therapien durchführen oder Behandlungen mit einer Dialyse, damit das Blut von der Säure gereinigt werden kann.Liegt die Ursache der Laktatazidose bei einer irreversibel geschädigten Leber, kann sie nur durch eine Lebertransplantation therapiert werden.

Wenn man eine Laktatazidose nicht behandelt können schwerwiegende gesundheitliche Probleme auftreten und gegebenenfalls bleiben. Um lebensbedrohliche Situationen zu vermeiden und ihnen vorzubeugen, sollte man bei den genannten Anzeichen direkt einen Arzt aufsuchen und die Laktatazidose behandeln lassen. Beim Ausbleiben einer Therapie kann es zu Herzrhythmusstörungen, einem sportlichen Leistungsabfall, Schocks, Infektionskrankheiten oder Bewusstlosigkeit, bis hin zum Koma kommen.

Dialyse

Bei einer schweren Form der Laktatazidose kommt eine Dialyse (Blutwäsche) zum Einsatz, um das überschüssige Laktat aus dem Blut zu entfernen. Die Dialyse wird normalerweise bei einer endgradigen Niereninsuffizienz eingesetzt, um vor allem toxische Abfallprodukte und überschüssige Elektrolyte aus dem Blut zu filtern. Im Rahmen einer Laktatazidose findet die Dialyse vor allem ihre Anwendung, wenn der Blut-pH-Wert unter sieben liegt und/oder die Laktatkonzentration im Blut über 90mmol/l liegt. Normalerweise liegt der Laktatreferenzwert bei 0,5 bis 2,2mmol/l und der Blut-pH-Wert zwischen 7,37 und 7,45.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 27.12.2018
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