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Schmerzen am Blinddarm

Einleitung

Die häufigste Ursache von Schmerzen im Blinddarm ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung seines Wurmfortsatzes, im Volksmund bekannt unter Blinddarmentzündung. Der Blinddarm („caecum“) ist ein Teil des Dickdarms und befindet sich im rechten Unterbauch.

Die Bezeichnung „Blinddarm“ kommt daher, dass Dünn- und Dickdarm nicht einfach ineinander übergehen, sondern der Dünndarm über eine Klappe in den Blinddarm mündet, der nach unten „blind“ mündet und nach oben in den aufsteigenden Teil des Dickdarms (Colon ascendens) übergeht. An dem blinden Ende des Blinddarms hängt der sogenannte Wurmfortzsatz (Latein „Appendix“). Dies ist der Teil, der entzündet ist, wenn von einer Blinddarmentzündung gesprochen wird. Der Blinddarm selbst ist von der Entzündung in der Regel nicht betroffen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Aufgabe des Blinddarms

Diese mit Schmerzen einhergehende Entzündung betrifft etwa 100 von 100000 Personen im Jahr. Am häufigsten sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, wobei die Blinddarmentzündung bei Kindern unter zwei Jahren eher selten ist.

Ursachen für Schmerzen im Blinddarm

Die häufigste Ursache für Schmerzen im Blinddarm ist die umgangssprachlich als Blinddarmentzündung bezeichnete Entzündung des Wurmfortsatzes. Diese kann verschiedene Ursachen haben:

Da der Durchmesser des Wurmfortsatzes lediglich etwa 1 cm beträgt, kann es relativ leicht zu einem Verschluss kommen. Dies kann beispielsweise durch Kotsteine, Abknicken oder Narben entstehen. Selten können auch Fremdkörper die Öffnung des Wurmfortsatzes verschließen, zum Beispiel ein verschluckter Kirschkern. Ein Verschluss des Fortsatzes kann eine Entleerungsstörung zur Folge haben, was zu einer Entzündung führen kann.

Eine weitere Ursache einer Blinddarmentzündung hängt mit der Funktion des Wurmfortsatzes zusammen. Lange Zeit wurde angenommen, dass der Wurmfortsatz ein funktionsloses Überbleibsel der Evolution ist. Inzwischen wird ihm eine Bedeutung in der Immunregulation zugesprochen. Es wird davon ausgegangen, dass das lymphatische Gewebe des Wurmfortsatzes an der Abwehr von Infektionen und der Weiterverarbeitung immunologisch relevanter Informationen beteiligt ist. Kommt es nun zu einer Entzündung im Körper (zum Beispiel einer Grippe oder Mandelentzündung) können die Erreger über das Blut in den Wurmfortsatz gelangen. Aufgrund seiner Funktion in der Immunregulation kann dies zu einer heftigen Reaktion und einem übermäßigen Anschwellen des Wurmfortsatzes führen.

Eine weitere Ursache für Schmerzen im Blinddarm können Entzündungen im Bereich anderer Darmabschnitte sein. Diese können sich auf den Blinddarm ausbreiten und so zu Schmerzen führen. Am häufigsten tritt dies im Rahmen der beiden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn auf.

Ebenfalls zu Schmerzen im Blinddarm kann eine sogenannte Torsion führen. Damit wird eine Verdrehung des Darms um seine Gefäßaufhängungen bezeichnet. Durch die Verdauungsbewegungen des Darms kann dies zu einem Verschluss des Darms und seiner Blutzufuhr führen.

Auch eine sogenannte Invagination kann Schmerzen im Bereich des Blinddarms verursachen. Dabei stülpen sich Darmabschnitte ineinander, so dass es ebenfalls zu einem Abschnüren des Darms und der Blutzufuhr kommt.

Bei Invagination und Torsion liegen meistens krampfartige Schmerzen vor. Bei Patienten mit schlechter Abwehrlage, wie beispielsweise bei AIDS-Patienten oder Krebspatienten nach einer Chemotherapie, können die Bakterien, die im Darm leben und normalerweise harmlos sind, eine Entzündung des Blinddarms verursachen. In diesem Fall liegt meistens eine Kombination aus Fieber und Druckschmerz im rechten Unterbauch vor.

Bei einer Pseudoappendizitis liegen ebenfalls Schmerzen im Bereich des Blinddarms vor. Dabei kommt es zum Anschwellen von Lymphknoten im Bereich des rechten Unterbauchs. Zum einen kann dies direkt durch eine Infektion mit dem Bakterium Yersinia pseudotuberculosis verursacht sein. Zum anderen können bei Kindern Infekte im Bereich der Atemwege zu einem Anschwellen von Lymphknoten führen und so das Bild einer Blinddarmentzündung hervorrufen.

Es gibt zahlreiche weitere Krankheitsbilder, die sich ebenfalls mit Schmerzen im Bereich des Blinddarms äußern können und als Differentialdiagnose bedacht werden müssen. Dies können zum Beispiel Abszesse oder Tumore sein. Ein Leistenbruch oder Erkrankungen wie Steine des Harnleiters und eine Verdrehung des Hodens um den versorgenden Gefäßstiel können sich mit Schmerzen im Bereich des Blinddarms äußern. Auch gynäkologische Erkrankungen, wie Zysten der Eierstöcke, eine Entzündung von Eileiter und Eierstock oder eine außerhalb der Gebärmutterhöhle eingenistete Schwangerschaft (Extrauteringravidität) können mit Schmerzen im rechten Unterbauch einhergehen.

Symptome

Im Normalfall geht eine Blinddarmentzündung mit starken Schmerzen einher. Typischerweise treten diese Schmerzen sehr plötzlich auf.

Zu Beginn befindet sich der Schmerz meist im mittleren Oberbauch oder um den Bauchnabel herum. Oft wird er als dumpf beschrieben, eine genaue Stelle kann meistens nicht genauer definiert werden.

Haben die Bakterien die Darmwand durchwandert, so kommt es nach etwa 8 bis 12 Stunden zu einem dauerhaften Schmerz, dessen Position genau beschrieben werden kann. Diese Veränderung der Lokalisation der Schmerzen, das Wandern von Ober- oder Mittelbauch in den rechten Unterbauch ist nicht immer vorhanden, aber doch charakteristisch für die Schmerzen im Rahmen einer Blinddarmentzündung. Da der Wurmfortsatz aufgrund seiner Form sehr beweglich ist, kann er vom Blinddarm ausgehend in verschiedene Richtungen hängen. Daher ist der Ort der Schmerzen abhängig von der Lage des Wurmfortsatzes. Bei fast zwei Drittel der Menschen liegt der Wurmfortsatz hinter dem Blinddarm (retrozäkal). Diese Lage kann dazu führen, dass keine Schmerzen im Bauch vorhanden sind. Eine Entzündung des Wurmfortsatzes kann sich stattdessen beispielsweise durch Schmerzen in Bereich der rechten Flanke äußern. Das Anheben des gestreckten rechten Beins führt bei der Lage des Wurmfortsatzes hinter dem Blinddarm dazu, dass der Wurmfortsatz sich auf den Iliopsoasmuskel legt. Dies kann in der Diagnosestellung der Blinddarmentzündung genutzt werden, indem getestet wird, ob das Anheben des gestreckten rechten Beins Schmerzen verursacht oder verstärken kann (Psoaszeichen). Ein positives Psoaszeichen spricht dafür, dass der Wurmfortsatz hinter dem Blinddarm liegt und entzündet ist. Bei fast einem Drittel der Menschen hängt der Wurmfortsatz nach unten. In diesem Fall sind die Schmerzen oft durch Druck auf den Lanzpunkt (rechtes Drittel einer gedachten Linie zwischen den beiden vorderen oberen Darmbeinstacheln) oder McBurney-Punkt (Mitte einer gedachten Linie zwischen Bauchnabel und vorderem oberen Darmbeinstachel) hervorzurufen oder zu verstärken.

Außerdem gibt es noch seltene Lagevariationen des Wurmfortsatzes. Hängt dieser beispielsweise in das Becken hinein, können die Beckenorgane gereizt werden, so dass die Blinddarmentzündung mit Harn- und Stuhldrang einhergeht. In diesem Fall bestehen die Schmerzen vor allem auch im Rahmen von rektaler oder vaginaler Untersuchung. Generell verstärken sich bei einer Blinddarmentzündung die Schmerzen häufig beim Husten, Niesen und Gehen. Auch das Hüpfen auf dem rechten Bein ist oft aufgrund starker Schmerzen nicht mehr möglich.

Neben Schmerzen geht eine Blinddarmentzündung oft mit Übelkeit, Erbrechen und Fieber einher. Häufig liegt Appetitlosigkeit vor. Bei kleinen Kindern, alten Menschen sowie Schwangeren sind die Symptome einer Blinddarmentzündung oft wenig typisch. Alte Menschen und vor allem Diabetikern mit einer vorhandenen Polyneuropathie haben oft wenig Schmerzen und kaum Temperaturerhöhung.

Bei Schwangeren verlagert sich der Blinddarm durch die Gebärmutter nach oben, was dazu führt, dass die Schmerzen eher im Mittel- und rechten Oberbauch auftreten. Auch setzen bei manchen Betroffenen die Schmerzen nicht plötzlich ein, sondern nehmen langsam zu. Diese Variabilität kann die Diagnose einer Blinddarmentzündung deutlich erschweren.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome einer Blinddarmentzündung

Appendizitiszeichen

Zu der körperlichen Untersuchung durch den Arzt gehört die Untersuchung der sogenannten Appendizitiszeichen. Damit sind Schmerzen in Körperregionen gemeint, die durch bestimmte Bewegungen oder das Eindrücken bestimmter Punkte hervorgerufen oder verstärkt werden.

Wichtig ist, dass die Appendizitiszeichen lediglich als Hinweise dienen können und unbedingt im Zusammenhang mit anderen Befunden betrachtet werden müssen. Keines der Appendizitiszeichen beweist das Vorliegen einer Blinddarmentzündung und auch das Vorhandensein keines der Zeichen kann eine Blinddarmentzündung nicht ausschließen. Wurden bereits Schmerzmittel eingenommen, so ist dies dem Arzt in jedem Fall mitzuteilen, da dies den Schmerz demaskieren kann.

Zu den Appendizitiszeichen gehört zum Beispiel ein erzeugbarer Druckschmerz auf dem McBurney-Punkt. Dieser befindet sich in der Mitte einer gedachten Linie zwischen Bauchnabel und vorderem oberen Darmbeinstachel. Der Lanz-Punkt befindet sich im rechten Drittel einer gedachten Linie zwischen den beiden vorderen oberen Darmbeinstachels. Auch ein Druckschmerz an diesem Punkt kann für das Vorliegen einer Blinddarmentzündung sprechen. Bei der Prüfung des Blumberg-Zeichens oder auch Loslassschmerz wird im Bereich des linken Unterbauchs („kontralateral“) der Unterbauch eingedrückt und schnell losgelassen. Kommt es dabei im Bereich des rechten Unterbauches zu (verstärkten) Schmerzen, spricht man von einem positiven Blumberg-Zeichen.

Als positives Rovsing-Zeichen bezeichnet man Schmerzen die durch ein Ausstreichen des Dickdarms in Richtung des Blinddarms mit der Appendix auslösbar sind.

Sind Schmerzen auslösbar indem das rechte Bein im Hüftgelenk gegen Widerstand gebeugt wird, so liegt ein positives Psoas-Zeichen vor.

Wenn das rechte Bein gestreckt angehoben wird und das anschließende Fallenlassen zum Auftreten von Schmerzen führt, so ist das Baldwin-Zeichen positiv.

Das Cope-Dehnungszeichen entsteht, wenn in Linksseitenlage eine Überdehnung des rechten Beines zu Schmerzen führt.

Als Sitkowski-Zeichen werden Schmerzen im Bereich des rechten Unterbauchs bezeichnet, die entstehen, wenn in Linksseitenlage die Bauchmuskulatur gedehnt und entlastet wird.

Das Obturator-Zeichen ist positiv, wenn eine Innendrehung des rechten Beines Schmerzen im rechten Unterbauch hervorruft oder verstärkt.

Von einem positiven Chapman-Zeichen wird gesprochen wenn das Aufrichten des Oberkörpers die Schmerzen erzeugt oder verstärkt.

Führt die digital- rektale Untersuchung, das Austasten des Anus durch die Finger des Arztes, zu verstärkten Schmerzen, so liegt ein Douglas-Schmerz vor.

Als Ten-Horn-Zeichen wird bei Männern ein Schmerz im rechten Unterbauch bezeichnet, welcher durch den Zug am Samenstrang ausgelöst wird.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ultraschall des Bauches

Weitere Untersuchungen bei vermutlich durch den Blinddarm bedingte Schmerzen

Vermutet ein Arzt, dass die Schmerzen eines Patienten auf eine Entzündung des Blinddarms hindeuten, dann wird er neben den bereits ausgeführten klinischen Untersuchungen weitere Untersuchungen durchführen. In vielen Fällen ist die Diagnose einer Blinddarmentzündung nicht eindeutig zu stellen. Hinweise geben kann zum Beispiel das Vorliegen erhöhter Entzündungsparameter im Blut. Auch ein Temperaturunterschied zwischen der in der Achsel gemessenen und der im Enddarm gemessenen Temperatur von mehr als 1°C kann für eine Blinddarmentzündung sprechen. Sehr bewährt im Rahmen der Diagnostik einer Blinddarmentzündung ist auch die Ultraschalluntersuchung. Verschiedene Zeichen wie eine verdickte Wand oder ein vergrößerter Durchmesser können Hinweise darauf geben, ob eine Blinddarmentzündung vorliegt.

Komplikationen

Eine Komplikation ist der Durchbruch des Blinddarms. Dieser bewirkt zunächst ein plötzliches Nachlassen der Schmerzen, da der angestaute Eiter in die Bauchhöhle abfließen kann. Nach einer Weile verstärken sich die Schmerzen wieder, meistens sind diese dann schlimmer als zuvor. Der Austritt von Stuhl und Bakterien aus dem Darm in die Bauchhöhle führt zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis). Charakteristisch ist ein brettharter Bauch, zunehmende Teilnahmslosigkeit und Fieber.

Lesen Sie mehr dazu unter Blinddarmdurchbruch

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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