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Entzündung Dickdarm

Einleitung

Der Dickdarm (lat: Colon), auch Grimmdarm genannt, ist Teil des 5-6 Meter langen Darms des Menschen, in welchem die Nahrung von ihrer Aufnahme durch den Mund bist zur Ausscheidung im Stuhl transportiert wird. Der Dickdarm schließt sich hierbei an den Dünndarm an, in dem schon die allermeisten Nährstoffe aus der Nahrung in den Körper aufgenommen wurden.

Dem Dickdarm kommt die Aufgabe der Eindickung zu. Er entzieht dem verdauten Nahrungsbrei noch das Meiste des enthaltenen Wassers sowie darin gelöste Salze (=Elektrolyte), sodass bis zu seinem Ende im Enddarm (lat: Rectum) bei gesunden Menschen nur noch der feste Stuhl übrig bleibt. Außerdem befinden sich im Dickdarm die Darmbakterien, die wichtige Aminosäuren als Bestandteil von Proteinen und Vitamine für den Menschen bilden. Alle vorherigen Abschnitte des Darmes sind frei von Bakterien.

Im Dickdarm kann die Nahrung auch vor ihrem Weitertransport zwischengespeichert werden, sowie Schleim zur besseren Gleitfähigkeit abgegeben werden.

Wenn man von außen auf den Bauch schaut so liegt der Dickdarm in etwa wie ein Rahmen um die Bauchkontur. Er beginnt rechts unten im Bereich des Blinddarmes (lat: Caecum), verläuft nach oben hin zur Leber unter dem rechten Rippenbogen, zieht dann nach links unter den Rippenbogen in Richtung der Milz um dann wieder an der linken Seite des Bauches nach unten zum Enddarm und Anus hin zu verlaufen. Eine Entzündung des Darmes wird in der medizinischen Fachsprache als Colitis bezeichnet, wobei die Endung „-itis“hinter dem medizinischen Fachausdruck für das Organ immer die Entzündung des Organes beschreibt.

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Ursache

Entzündungen des Dickdarmes können viele Ursachen haben, die entweder für eine kurzfristige oder im schlimmsten Fall für lebenslang wiederkehrende Entzündungen des Dickdarmes verantwortlich sind.

Für Kurzfristige Entzündungen, die dann eine typische Magen-Darm-Grippe verursachen sind meist Viren oder Bakterien, selten Pilze oder Einzeller, verantwortlich. Da man bei Ansteckung mit krankheitserregenden Viren oder Bakterien von einer Infektion spricht, nennt man diese Art der Erkrankung dann infektiöse Gastroenterocolitis als Hinweis auf die Beteiligung des Magens (lat: Gaster), des Dünndarms (lat: Enterum) und des Dickdarms (lat: Colon) an der Infektion mit den Bakterien.
Die für die infektiöse Darmentzündung verantwortlichen Bakterien oder Viren sind meist E. coli-Bakterien, Yersinien oder Campylobakter-Bakterien sowie Rota- oder Noroviren. Diese nisten sich in die Darmschleimhaut ein woraufhin sich diese entzündet und es kommt schon kurze Zeit nach Aufnahme der Bakterien durch Nahrung oder Kontakt zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen bei den Betroffenen. Die meisten dieser Infektionen heilen von selbst innerhalb von zwei Wochen aus und bedürfen außer Flüssigkeits- und Salz- Aufnahme keiner Behandlung.

Eine nur den Dickdarm betreffende Entzündung durch Bakterien ist in Europa die sogenannte Ruhr durch Shigella-Bakterien. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Amöbenruhr, welche durch andere Bakterien ausgelöst wird und eher in subtropischen Gebieten auftritt.

Eine weitere sehr plötzliche Entzündung des Dickdarmes kann eine Blinddarmentzündung verursachen. Der Blinddarm selbst ist der erste Teil des Dickdarmes. Bei einer Blinddarmentzündung entzündet sich jedoch nur ein kleiner Fortsatz des Blinddarmes, der sogenannte Wurmfortsatz (lat: appendix vermiformis).

Eine wichtige Ursache dauerhafter Entzündungen im Dickdarm sind die sogenannten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ihre wichtigsten Vertreter sind die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes sowie des Krankheitsverlaufes. Ihre Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, man vermutet jedoch autoimmune Prozesse gegen die Darmschleimhaut. Autoimmun bedeutet, dass der Körper die Darmschleimhaut nicht mehr als zum Körper gehörend erkennt und mit Hilfe des Immunsystems zu bekämpfen versucht, was in einer Entzündung der bekämpften Schleimhaut endet.
Neben diesen Ursachen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden noch genetische Komponenten, psychische Einflüsse sowie bestimmte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten untersucht. Der Morbus Crohn kann im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten und überall für Entzündungen der Wandschleimhaut sorgen während die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt bleibt. Bei der Colitis ulcerosa beschränkt sich die Entzündung auch auf die oberste Schleimhautschicht während sie beim Morbus Crohn auch auf tiefere Schichten der Darmwand übergreifen kann.
Beide Krankheitsbilder verlaufen schubweise, was bedeutet dass sich beschwerde- und nahezu entzündungsfreie Phasen mit Phasen der Entzündung abwechseln. Beide Krankheiten sind in den allermeisten Fällen nicht heilbar und bedürfen einer lebenslangen immer wiederkehrenden Therapie um den immer wiederkehrenden Entzündungsschüben nach zu kommen.

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Ebenso wiederkehrende Entzündungen im Dickdarm können sogenannte Divertikel auslösen. Als Divertikel werden Ausstülpungen oder Aussackungen der inneren Darmschichten nach außen bezeichnet. Diese Entstehen an Schwachstellen der Muskulatur der Darmwand, wodurch sich durch erhöhten Druck im Darm, wie bei Verstopfung oder allgemeiner Bindegewebsschwäche, die inneren Anteile nach außen stülpen können. Die dadurch entstandenen kleinen Hohlräume in der Darmwand können sich unter anderem durch darin wachsenden Bakterien oder angestauten Nahrungsbrei entzünden und für Bauchschmerzen sorgen. Auch wenn die Divertikel in allen Abschnitten auftreten können so finden sie sich am häufigsten am Ende des Dickdarmes im S-förmigen Sigmoid.

Symptome

Je nach Ursache unterscheiden sich die Anzeichen einer Entzündung des Dickdarmes voneinander. Den meisten gemeinsam sind jedoch Durchfall und Bauchschmerzen.

Die infektiöse Entzündung durch die verschiedenen krankheitserregenden Keime beginnt meist Stunden nach der Aufnahme, z.B. von Lebensmitteln, die den Keim an sich tragen, mit Übelkeit und es folgt daraufhin Durchfall und Erbrechen. Begleitend kann Fieber auftreten. Diese Symptome verschwinden meist innerhalb weniger Tage wieder von selbst.

Eine Blinddarmentzündung beginnt meist mit stechenden oder drückenden Bauchschmerzen um den Bauchnabel, die dann im Verlauf typischerweise in den rechten Unterbauch wandern.

Eine Entzündung eines Divertikels (lat: Divertikulitis) äußert sich meist mit Bauchschmerzen im betroffenen Bereich, meist im linken unteren Teil des Bauches wo sich die meisten Divertikel befinden. Diese Entzündungen werden von Fieber begleitet und nicht selten findet sich Blut im Stuhl der Betroffenen.

Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wird meist erst in ihrem Verlauf erkannt. Markanter Hinweis ist oft anhaltender Durchfall, der bei Colitis ulcerosa auch Blut enthalten kann. Bei Morbus Crohn ist oftmals kein Blut sichtbar. Im Schub einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist der Durchfall oft von kolikartigen, das heißt an- und abschwellenden, Bauchschmerzen und Fieber begleitet. Das Ausmaß der Beschwerden ist vom Ausmaß der Darmentzündung abhängig, welches sich im Verlauf der Krankheit ständig ändern kann. Durch die dauerhafte Entzündung der Darmzellen sind diese in ihrer Funktion eingeschränkt und in Folge eines Nährstoffmangels im Körper kann es zum Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen kommen.

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Therapie

Eine Entzündung im Rahmen einer Magen-Darm-Grippe endet meist von selbst innerhalb weniger Tage bis maximal zwei Wochen. Eine medikamentöse Therapie ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Da die meisten Fälle durch Viren bedingt sind ist auch ein Antibiotikum nur selten notwendig und sollte nur bei nachgewiesener bakterieller Ursache eingesetzt werden.

Wichtig ist in allen Fällen der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes durch den Durchfall sowie den Verlust wichtiger Salze im Körper. Dieser Verlust kann zur totalen Austrocknung des Körpers führen und in extremen Fällen lebensbedrohlich sein. Ziemlich rasch von der Austrocknung bedroht sind vor allem Säuglinge oder ältere Menschen. Ein Krankenhausaufenthalt ist dann notwendig um den Flüssigkeits- und Salzverlust durch direkte Flüssigkeitsgabe in das Gefäßsystem des Körpers, den sogenannten „Tropf“, auszugleichen.
Außerhalb des Krankenhauses gilt es den Flüssigkeitsverlust durch ausreichendes Trinken so gering wie möglich zu halten. Hierfür eignen sich besonders Tee, hier Kräuterteesorten wie Schwarztee oder Kamillentee, da diesen eine zusätzlich beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt zugeschrieben wird. Sehr gut geeignet ist auch Cola, das durch seinen hohen Zuckergehalt die Flüssigkeitsaufnahme in den Körper zusätzlich fördert.

Eine Blinddarmentzündung kann nur durch eine Entfernung endgültig therapiert werden. Bei weniger ausgeprägten Anzeichen einer Entzündung kann auch unter Schmerztherapie abgewartet werden, ob sie von selbst ausheilt. Die Entzündung kann dann jederzeit erneut auftreten und dann eine Operation notwendig machen.

Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen sind schwerer zu behandeln und nur in den seltensten Fällen zu heilen. Nicht selten bedarf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung einer lebenslangen Therapie mit Medikamenten. Um die Entzündung einzudämmen wird oftmals eine Kortisontherapie oder eine Therapie mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, angewendet, z.B. Mesasalazin. Dieses gilt als sehr verträglich und ist als Zäpfchen verfügbar. Bei schweren Schüben kann auch ein Präparat namens Azathioprin eingesetzt werden. Dieses hat eine stark hemmende Wirkung auf das menschliche Immunsystem. Es wirkt erst nach einer Einnahme von mehreren Monaten und ist auch sehr nebenwirkungsreich. Um einem Rückfall vorzubeugen muss oftmals dauerhaft eine geringe Dosis eines der Medikamentes eingenommen werden.
Als nicht-medikamentöse Maßnahme gilt es auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und Lebensmittel, die Unverträglichkeiten auslösen, sollten gemieden werden. Während eines Schubes empfiehlt sich leichte, ballaststoffarme Kost. Bei schweren Schüben einer Colitis ulcerosa kann es notwendig sein Teile des Dickdarmes operativ zu entfernen um einem Aufreißen der Darmwand durch eine schwere Entzündung vorzubeugen.
Bei Morbus Crohn ist man sehr viel zurückhaltender gegenüber einer potenziellen Entfernung von Darmteilen, da die Entzündung alle Teile des Darmes betreffen kann und nur eine Entfernung gewisser Mengen des Darmes mit einer ausreichenden Verdauung zu vereinbaren sind.

Die Behandlung eines Divertikels unterscheidet sich je nach Ausmaß der Entzündung. Bei einer leichten Entzündung kann mit einer Antibiotikagabe sowie entzündungslindernden Medikamenten behandelt werden. Betroffene können die Ausheilung der Entzündung positiv beeinflussen durch regelmäßigen Stuhlgang, ballaststoffarme Kost und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Bei einer schwereren Entzündung wird zwingend ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Um den Darm nicht zu belasten wird dort eine komplette Nahrungskarenz angesetzt sowie weiter Antibiotika, Schmerzmittel und entzündungslindernde Medikamente verabreicht. Besteht jedoch die Gefahr des Aufreißens der Darmwand so muss das Divertikel operativ behandelt werden. Die notfallmäßige Operation sollte jedoch verhindert werden und verdächtige Divertikel schon in einem entzündungsfreien Intervall entfernt werden.

Diagnose

Die Diagnose einer Magen-Darm-Grippe kann oftmals durch Befragung des Patienten schon eindeutig festgestellt werden. Meist ist keine weitere Untersuchung notwendig, da die Infektion unabhängig vom verursachenden Keim von selbst ausheilt. Nur in besonderen Fällen ist ein Nachweis des Keimes nötig und so kann dieser anhand der mikroskopischen Untersuchung einer Stuhlprobe im Labor durchgeführt werden um eine spezielle auf den Keim abgestimmte Therapie einzuleiten.

Eine Blinddarmentzündung kann leider erst während der Operation eindeutig festgestellt werden. Zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit können jedoch eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Blutuntersuchung Hinweise geben.

Eine Divertikulitis wird bei Patienten neben der Befragung durch eine körperliche Untersuchung gestellt, bei der sich im betroffenen Darmteil eine Verhärtung tasten lässt. Zusätzlich können Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Computertomographie (=CT) Divertikel darstellen und die Diagnose kann daraufhin gestellt werden. In diesen Verfahren lassen sich auf den Bildern Entzündungen, Verdickungen, Aussackungen oder gar Darmdurchbrüche oft gut erkennen.
Nicht zuletzt bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Divertikeln erbringt die Darmspiegelung den entscheidenden Hinweis bei der Ursachensuche. Bei Divertikeln ist diese jedoch nur im Intervall ohne Entzündung erlaubt. Durch die kleine Kamera im Schlauch kann man bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen an den entzündeten Stellen Rötungen und weißlich-gelbe Beläge erkennen. Letzte Unsicherheiten können auch im Rahmen der Darmspiegelung durch eine kleine Probeentnahme (=Biopsie) und mikroskopischer Untersuchung meist geklärt werden. Die Diagnose einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung darf jedoch erst dann endgültig gestellt werden wenn alle anderen Ursachen einer Entzündung wie die bakterielle Infektion ausgeschlossen sind.

Prognose

Auch wenn Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen nicht zu den angenehmsten Empfindungen unseres Körpers gehören, so sind die Symptome einer infektiösen Darmentzündung bei ausreichender Achtsamkeit auf den Flüssigkeits- und Salzhaushalt meist vorübergehend und enden auch ohne Medikamente innerhalb weniger Tage.

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind durch Medikamente zwar behandelbar, jedoch in den allermeisten Fällen nicht heilbar, sodass ein Leben lang mit Schüben der Entzündung gerechnet werden muss.

Divertikel im Darm sind nicht prinzipiell gefährlich, eine Entzündung kann jedoch bis zum Durchbruch der gesamten Darmwand führen, was dann lebensgefährlich werden kann. Da die Divertikel im Alter meist größer werden sollten verdächtige Divertikel beobachtet und rechtzeitig entfernt werden.

Prophylaxe

Die leichten Übertragungswege machen die Vorbeugung einer Infektion mit den auslösenden Bakterien und Viren einer Darmentzündung sehr schwierig. Es gilt unter anderem vor allem auf die eigene Körperhygiene zu achten.
Regelmäßiges Händewaschen kann die Keimzahl auf den Händen schon enorm verringern, da die meisten Erreger außerhalb des Magen-Darm-Traktes nur sehr kurze Zeit überleben können. Besonders wichtig ist das Händewaschen nach dem Toilettengang sowie vor der Zubereitung von Speisen in der Küche.

Nur gegen einen kleinen Teil der Erreger ist eine Schutzimpfung möglich.

Eine Prophylaxe einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist durch die teilweise erbliche Herkunft nur schwer möglich. Wie auch bei vielen anderen Darmerkrankungen werden auch Erkrankungen des Enddarmes durch Rauchen ungünstig beeinflusst und Nikotin sollte bei Krankheiten des Darmes vermieden werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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