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Medikamente gegen Magenschmerzen

Einleitung

Je nach Ursache der Magenschmerzen kommen in der Medizin verschiedene Medikamente zur Anwendung. Darunter fallen krampflösende Medikamente (Spasmolytika), normale Schmerzmittel (Analgetika) und Medikamente, die den Säuregehalt des Magens reduzieren.

Neben Medikamenten kann man zur Linderung der Symptomatik auch auf eine Änderung des Lebensstils abzielen. Zum Beispiel durch eine Änderung seiner Essgewohnheiten oder durch den Verzicht auf Zigaretten und Alkohol.

Lesen Sie mehr zum ThemaWas tun bei Magenschmerzen?

Auch „Hausmittel“ wie Wärme und Kräutertees (KamilleMelissePfefferminz) verschaffen eine Besserung und werden anfangs bevorzugt angewendet.

Medikamente

Rezeptfreie Medikamente

In der Behandlung von Magenschmerzen können eine Vielzahl rezeptfreier Medikamente eingesetzt werden. Magenschmerzen sind bei vielen Menschen ein alltägliches Problem. Sie müssen nicht immer auf eine schwere Grunderkrankung hinweisen. Besonders oft treten Magenschmerzen nach dem Essen auf, da es hierbei zu einer Reizung des Magens, Darms oder der Speiseröhre kommt. Diese ist meist vorübergehend, sodass sich der Schmerz mit rezeptfreien Medikamenten überbrücken lässt.

Lesen Sie hierzu auch das Thema: Magenschmerzen nach dem Essen

Analgetika (Schmerzmittel) sind ein Mittel der Wahl bei vielen Arten von Schmerzen. Besonders stark wirkende Analgetika, zum Beispiel die „Opioide“, sind größtenteils rezeptpflichtig. Die Gruppe der NSAR, zu der Ibuprofen, Aspirin®, Naproxen oder Diclofenac gehören, sind in jeder Apotheke rezeptfrei zu erhalten.
Auch Paracetamol ist ein gut wirksames Schmerzmittel bei leichten bis mittleren Schmerzen.
Die Nebenwirkungen der NSAR können selbst jedoch Beschwerden am Magen verursachen. Sie führen zu einem verstärkten Säureaufkommen im Magen und können die Schleimhäute des Magens und der Speiseröhre dadurch reizen.

Ist der Schmerz durch die Magensäure verursacht, können Antazida, Antihistaminika oder Protonenpumpenhemmer die Beschwerden lindern. Auch sie sind größtenteils rezeptfrei in der Apotheke zu erhalten.

Spasmolytika

Wenn Magenschmerzen im Rahmen von Magenkrämpfen auftreten, kann man krampflösende Medikamente verschreiben, die sogenannten Spasmolytika. Magenkrämpfe sind durch einen wellenhaften Verlauf gekennzeichnet und treten in zeitlichen Intervallen auf.

Bei den Spasmolytika unterscheidet man verschiedene Substanzklassen, deren Gemeinsamkeit es ist den Spannungszustand der glatten Muskulatur zu lockern.

Zu den Spasmolytika zählen die Parasympatholytika, welche antagonistisch zur normalen Wirkung des Parasympathikus wirken. Die Medikamente blockieren die Rezeptoren für den parasympathischen Botenstoff Acetylcholin, sodass es zu einer verminderten Kontraktionsbereitschaft der glatten Muskulatur, welche den Magen-Darm-Trakt auskleidet, kommt. Zu den Parasympatholytika zählen Medikamente wie:

  • Atropin
  • Butylscopolamin (Handelsnahme: Buscopan®)
  • Ipratropium

Erfahren Sie mehr zu den Themen: Atropin und ähnliche Anticholinergika und Buscopan®

Als Nebenwirkungen kann es, dadurch, dass der Parasympathikus gehemmt wird, zu einer erhöhten Herzfrequenz und unter Umständen Angina-pectoris-Anfällen kommen. Desweiteren kann die Darmentleerung verzögert werden, Mundtrockenheit sowie Müdigkeit oder Unruhe auftreten.

Eine andere Substanzklasse stellen die Sympathomimetika dar. Diese aktivieren sogenannte Adrenorezeptoren, wodurch das sympathische Nervensystem aktiviert wird. Im sympathischen Nervensystem unterscheidet man zwischen alpha- und beta-Rezeptoren. Nur die beta-Rezeptoren führen zur einer Relaxation der glatten Muskulatur, weshalb als Spasmolytika nur Substanzen gewählt werden, die selektiv auf die beta-Rezeptoren wirken.

Beispiele für diese beta-Sympathomimetika sind:

Sowohl Parasympatholytika als auch beta-Sympathomimetika wirken auf die Rezeptoren des Nervensystems, man bezeichnet sie als neurotrope Spasmolytika. Hier kann es als Nebenwirkungen zu einem leichten Zittern kommen, sowie zu einer erhöhten Herzfrequenz und Blutdrucksteigerung.

Neben diesen gibt es Stoffe, die direkt auf die glatte Muskulatur wirken und eine Relaxation auslösen, die sogenannten myotropen Spasmolytika. Zu ihnen zählen Papaverin, sowie organische Nitrate und Calciumgegenspieler (z.B. Nifedipin).

Analgetika

Zur Schmerzbehandlung eignen sich auch Medikamente wie:

Paracetamol zählt neben ASS und Ibuprofen zu den am häufigsten eingesetzten Schmerzmedikamenten. Es findet bei leichten und mittleren Schmerzen seine Anwendung. Paracetamol gehört zur Gruppe der Cyclooxygenase-Hemmstoffe beziehungsweise zur Gruppe der Nicht-Opioid-Analgetika. Zusätzlich weist es eine fiebersenkende Wirkung auf. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit wird es gerne bei Kindern angewendet.
Paracetamol hemmt das Enzym Cyclooxygenase 2, welches bei Zellschädigungen aktiviert wird und entzündungsfördernde und auch schmerzverstärkende Prostaglandine produziert. Bei der Einnahme sollte man unbedingt beachten, dass man die Tageshöchstdosis nicht überschreitet, da es ansonsten zu lebensgefährlichen Leberschädigungen kommen kann.

Paracetamol ist sehr arm an Nebenwirkungen. Sehr selten kann es bei ordnungsgemäßer Einnahme zu Nebenwirkungen wie einer Störung der Blutbildung, allergische Reaktionen, Bauchschmerzen, Übelkeit und einem Erhöhung der Leberwerte kommen.

Ibuprofen zählt zu den nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) und ebenso wie Paracetamol zu den Nicht-Opioid-Schmerzmitteln. Ebenfalls wird es bei leichten bis mittleren Schmerzen eingesetzt, aber anders als Paracetamol auch im Rahmen von Entzündungen, da es neben einer schmerzlindernden und geringen fiebersenkenden Wirkung auch eine antientzündliche Wirkung besitzt. Ibuprofen hemmt ebenfalls das Enzym Cyclooxygenase, allerdings hemmt es wie die anderen NSARs die Cyclooxygenase 1 und 2, was insgesamt auch zu einer unterdrückten Bildung der entzündungsfördernden, schmerzauslösenden, sowie fiebersteigernden Prostaglandine führt.

Ibuprofen führt häufiger zu Nebenwirkungen als Paracetamol. Häufig treten Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, sowie leichte Blutungen im Magen-Darm-Trakt auf.

Antazida

Zur Bekämpfung von säurebedingten Magenschmerzen können auch Medikamente eingesetzt werden, die den sauren pH-Wert im Magen erhöhen. Dafür eigenen sich die sogenannten Antazida. Bei den Antazida handelt es sich um schwache Basen oder das Salz einer schwachen Säure, sodass es zu einer Pufferung der Magensäure kommt und das Milieu im Magen weniger sauer wird. Angewendet werden Aluminium- und Magnesiumhydroxidgele sowie Verbindungen aus Calcium- und Magnesiumcarbonat.

Sie sind gut verträglich und werden kaum resorbiert, sodass sie nur im Magen wirken. Durch die Entwicklung von Protonenpumpeninhibitoren und H2-Antagonisten werden Antazida mittlerweile weniger angewendet, da diese die Magensäureproduktion direkt hemmen und so besser und länger wirken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Antazida

Antihistaminika

, auch als H2-Antagonisten bezeichnet, hemmen die Magensäuresekretion. Antihistaminika binden H2-Rezeptoren, sodass kein Histamin mehr aufgenommen werden kann. Histamin fördert normalerweise die Magensäuresekretion, sodass sich der pH-Wert im Magen Richtung alkalischeren Werten verschiebt.

Antihistaminika bewirken eine geringere Magensäuresekretionshemmung als die vergleichbaren Protonenpumpenhemmer. Zu den Antihistaminika zählen unter anderem Cimetidin und Ranitidin. Selten treten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Durchfall und Verstopfung auf.

Erfahren Sie mehr über: Antihistaminika

Protonenpumpenhemmer

Durch die Protonenpumpeninhibitoren wird die Protonen-Kalium-Pumpe in der Magenschleimhaut gehemmt. Diese trägt über die Freisetzung von Protonen zur Bildung der Magensäure bei, sodass die Magensäureproduktion durch die Protonenpumpenhemmer gehemmt wird.

Die Blockade findet irreversibel statt, sodass die Säure erst wieder sezerniert werden kann, wenn die Pumpen nach zwei bis drei Tagen neu gebildet werden.

Protonenpumpeninhibitoren lösen selten Nebenwirkungen aus. Zu den beschriebenen Nebenwirkungen zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Völlegefühl und Schwindel. Mittlerweile werden unnötigerweise unverhältnismäßig vielen Patienten teilweise ohne richtige Indikation Protonenpumpeminhibitoren verschrieben.

Lesen Sie mehr zum Thema: Protonenpumpeninhibitoren

Homöopathie

Bei leichten Beschwerden kann und sollte in vielen Fällen von Medikamenteneinnahme abgesehen werden. Bei Verdauungsbeschwerden oder Verkrampfungen des Magens können einfache Tricks, natürliche oder homöopathische Mittel zur Linderung beitragen. Eine Wärmeflasche oder ein heißes Bad können leichte Verkrampfungen lösen. Dazu helfen heiße Tees mit natürlichen Zusätzen wie Kümmel, Anis, Fenchel oder Kamille. Sie verschaffen auch Linderung bei Schleimhautreizungen, zum Beispiel bei Säurereizungen der unteren Speiseröhre.

Je nach Art des Magenschmerzes kommen unterschiedliche homöopathische Mittel zum Einsatz. Bei Beschwerden, die nach dem Essen oder nach Alkoholkonsum auftreten ist „Nux vomica“ ein beliebtes Mittel. Bei homöopathischen Mitteln muss genau auf den Umstand und die seelische Verfassung des Patienten geachtet werden. Je nach Gemütszustand und organischer Ursache für die Magenschmerzen muss ein anderes homöopathisches Mittel zum Einsatz kommen.

Bei starken Schmerzen sollte allerdings von einer Selbstbehandlung abgesehen werden. Starke Krämpfe oder Koliken, die andauern und mit weiteren Symptomen auftreten, müssen schulmedizinisch untersucht werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Homöopathie bei Magen-Darm-Erkrankungen

Naturheilkunde

Bevor man überlegt medikamentös gegen die Magenschmerzen vorzugehen, sollte man erstmal ein paar bewährte Hausmittel ausprobieren, die oft Linderung verschaffen.

So haben zum Beispiel Kräutertees eine beruhigende Wirkung auf die Magenschleimhaut. Lindernd wirken unter anderem:

Ebenso Wärme in Form von Wärmflaschen oder Wärmekissen kommt häufig bei Magenschmerzen zur Anwendung, da sie die Organmuskulatur entspannen.

Lesen Sie mehr zum Thema Hausmittel gegen Magenschmerzen

Zusätzlich sollte man bei gehäuftem Auftreten von Magenschmerzen auf seine Lebensgewohnheiten achten. Zu Vermeiden sind kleine Mahlzeiten zwischendurch und der übermäßige Konsum von Süßwaren. Weiterhin sollten auch fettreiche und üppige Mahlzeiten vermieden werden. Man sollte sich angewöhnen zu festen Zeiten zu essen. Ebenso ein starker Konsum an Alkohol und Zigaretten kann zu Magenbeschwerden führen und sollte deswegen auf jeden Fall gedrosselt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: richtige Ernährung bei Magenbeschwerden

Magenschmerzen durch Diclofenac Gel

Der Wirkstoff Diclofenac aus der Gruppe der NSAR wird oft in Gelform appliziert. Das Gel wird insbesondere bei orthopädischen Schmerzen und auf Gelenken aufgetragen. Über die Haut gibt es den Wirkstoff nur an der jeweiligen Stelle ab. Da es sich um ein saures Schmerzmedikament handelt, kann als seltene Nebenwirkung ein Säureüberschuss im Magen entstehen, der die Schleimhäute angreift und zu Magenschmerzen führt. Liegen typische Magenschmerzen vor, die nicht mit einem Essen in Zusammenhang stehen, könnte das Diclofenac Schmerzgel ursächlich sein.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Nebenwirkungen von Diclofenac

Medikamente gegen Magenschmerzen in der Schwangerschaft und Stillzeit

In der Stillzeit und Schwangerschaft ist der weibliche Körper starken Beanspruchungen ausgesetzt. Eine Schwangerschaft selbst kann Auslöser für Erkrankungen und Magenschmerzen sein. Durch gewisse Hormonumstellungen in der Schwangerschaft lockern sich auch die Schließmuskeln im Magen-Darm-Trakt. Die Schwangerschaft ist nicht selten Auslöser für Reizungen der Schleimhaut der Speiseröhre und die Säurerefluxerkrankung.

Die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft muss mit Vorsicht gehandhabt werden. Bei leichten bis mittleren Schmerzen sollte versucht werden auf eine Medikamentengabe zu verzichten. Auch rezeptfreie Mittel wie Aspirin® können Schäden des Kindes nach sich ziehen. Nachweislich kann es Herzfehler und Hirnblutungen des Kindes zur Folge haben. Auch die NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac können in einer fortgeschrittenen Schwangerschaft zu Schäden an Herz und Niere des Ungeborenen führen.

Am Häufigsten wird Paracetamol in der Schwangerschaft eingesetzt. Aktuell sind kaum Komplikationen mit Paracetamol in der Schwangerschaft bekannt. Wenn möglich sollten dennoch Hausmittel und Wärme bei leichten Beschwerden Vorrang haben, bevor zum Medikament gegriffen wird.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Magenschmerzen in der Schwangerschaft

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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