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Luftröhrenkrebs

Synonym

Trachealkarzinom, Tracheakarzinom

Definition

Luftröhrenkrebs ist ein Tumor im Bereich der Luftröhre (Trachea) und gehört zu den Kopf-, Hals- Tumoren. Unter einem Tumor versteht man allgemein ein ungehindertes Wachstum des Gewebes zu einem Geschwulst (Neoplasie, Neubildung). Dieser Vorgang kann auch ohne wachstumsauslösende Faktoren ablaufen. Man spricht dann von einer autonomen Gewebeneubildung. Es werden gutartige (benigne) Tumore und bösartige (maligne) Tumore unterschieden. Die Unterteilung erfolgt nach den Wachstumseigenschaften der Neubildung und ist maßgeblich für die Auswahl der geeigneten Therapie.

Die gutartigen Geschwulste wachsen langsam und verdrängend, das bedeutet nicht invasiv in die umliegenden Zellverbände hinein. Diese Neubildung kann meistens schon gut mit bloßem Auge von dem Normalgewebe unterschieden werden und hat sehr gute Heilungschancen. Dagegen abzugrenzen ist der bösartige Tumor, der schnell und zerstörerisch (invasiv- destruierend) in das angrenzende Gewebe wächst. Er kann schlecht vom Normalgewebe unterschieden werden. Zusätzlich können diese Tumorzellen streuen und weitere Tumore in anderen Regionen des Körpers auslösen. Dies wird als Metastasierung bezeichnet.

Einteilung

Epitheliale Tumore gehen von Platten- oder Drüsenzellverbänden aus, was ebenfalls in der Trachea vorhanden ist. Als Papillome werden gutartige Tumore des Plattenepithels bezeichnet, die in Haut und Schleimhaut vorkommen sowie im Gewebe der Harnblase (Urothel). Adenome sind weitere gutartige Tumore und gehen vom Drüsenepithel aus. Bösartige Tumore dieser genannten Zellverbände werden Karzinome genannt und machen etwa 90% der bösartigen Tumore aus.

Mesenchymale Tumore sind allgemein Geschwulste, die von Muskel-, Binde- oder Stützgewebe ausgehen. Da die Luftröhre aus Knorpelspangen besteht, können auch Tumore aus diesem Material entstehen. Darüber hinaus zählen dazu auch Tumore des Gefäßgewebes und der Blutzellen. Unter mesenchymal versteht man Zellen, die sich noch in einem Vorläuferstadium befinden. Auch davon sind viele verschiedene gutartige und bösartige Tumore bekannt.

Ursachen

Als Hauptursache der Entstehung des Luftröhrenkrebses wird der massive Konsum von Tabak und deren krebserregenden (kanzerogen) Inhaltsstoffe angesehen. Auch die übermäßige Zufuhr von hochprozentigem Alkohol gehört zu den Hauptrisikofaktoren.

Weitere schädliche Stoffe sind Asbest, Arsen, KFZ- Abgase oder radioaktive Substanzen. Diese können durch den ständigen Kontakt im Berufsalltag den Krebs auslösen. Auch genetische Faktoren wie eine erblich bedingte Anlage oder gewisse Empfindlichkeit (Prädisposition) oder die Häufung von Krebsleiden in der Familie zählen allgemein zu den Ursachen. Tumore in der Luftröhre können durchaus auch durch Streuung aus anderen Primärtumoren entstanden sein.

Der Prozess der Entwicklung eines Tumors erfolgt auf molekularer Ebene und wird in der Medizin Kanzerogenese genannt. Durch eine Veränderung (Mutation) in der DNA wird dieser Vorgang angestoßen (Initiierung). Oftmals sind solche Veränderungen durch einen eigenen Reparaturmechanismus der DNA nicht mehr zu beheben. Darauf folgt schließlich eine Störung der Zellen und führt zum ungehinderten Wachstum (Proliferation) dieser bereits geschädigten Zellen. Diese Phase der Tumorentstehung wird als Latenzphase bezeichnet. Die ursprüngliche gesunde Zelle ist nun so weit verändert (pathologisch), dass in der Zelle den unkontrollierten Wachstum aufhaltende Faktoren unwirksam bleiben. Dagegen kann die Veränderung innerhalb der Zelle auch eine Überaktivität wachstumsfördernder Faktoren ausgelöst haben. Diese werden dann als Onkogene bezeichnet.

Häufigkeit

Der primäre sowie der sekundäre durch Metastasen entstandene Luftröhrenkrebs sind eher selten. Die Häufigkeit liegt bei circa 2% und steht meistens in Verbindung mit dem Tabakmissbrauch. Am häufigsten kommt der Luftröhrenkrebs in den unteren Abschnitten vor. Ab der Teilung (Bifurkation) der Luftröhre in ihre beiden Hauptstämme für den linken und rechten Lungenflügel werden die Tumore bereits dem Lungenkarzinom (Bronchialkarzinome) zugerechnet. Diese kommen weitaus öfter vor.

Diagnose

Hinsichtlich der Therapie spielt die Diagnostik eine sehr wichtige Rolle. Mittels der genauen Untersuchung wird der Tumor auf den histologischen Typ und seiner Ausbreitung und Größe bestimmt. Die Information, aus welchen Zellen der Tumor schließlich hervorgeht, ist entscheidend für die Auswahl der richtigen Therapiemittel.

Bei der Diagnostik wird der Patientin zunächst im Rahmen eines Gespräches (Anamnese) genau zu seinen Beschwerden und Auffälligkeiten befragt. Dazu gehört auch eine ausführliche Auskunft darüber zu erhalten, ob bereits Krebserkrankungen in der Familie bekannt sind und dadurch eine Anlage besteht.

Es folgt die Begutachtung des Rachens, Kehlkopfs und der Nasen- und Mundhöhle sowie das Abtasten auf Schwellungen und Schmerzen. Neben der Untersuchung des Blutes werden auch Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen (von vorne und seitlich), eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur besseren Darstellung der Weichteile gemacht.

Sinnvoll ist ebenfalls eine Untersuchung des Auswurfs der Lunge, um den Inhalt auf vielleicht bestehende Entzündungen oder infektiöse Veränderungen zu bestimmen.

Weitere basisdiagnostische Untersuchungen bei einem Verdacht auf Luftröhrenkrebs sind die endoskopischen Verfahren wie Bronchoskopie, die bis in die Lungenlappen durchgeführt werden kann und die Panendoskopie. Dies sind minimal-invasive Eingriffe, mit denen besonders gut Hohlräume angesehen werden können. Mit Hilfe eines flexiblen Endoskops oder einem starren Rohr werden die Luftröhre und speziell bei der Panendoskopie der Speiseweg (Ösophagus) unter Narkose oder mit lokaler Betäubung dargestellt. So kann das Ausmaß und die Lokalisation des Tumors eingeschätzt werden. Um die Diagnose zu sichern oder auszuschließen werden dabei Proben vom entarteten Gewebe entnommen und histologisch/zytologisch bestimmt. Da es sich bei den meisten Geschwülsten im Bereich der Luftröhre um einen ausgestreuten Tumor handelt, ist es wichtig im Rahmen der Diagnostik den Primärtumor und eventuell weitere Streuungen (Metastasen) ausfindig zu machen. So empfiehlt es sich neben dem bereits erwähnten CT und MRT auch Ultraschalluntersuchungen zum Beispiel des Bauches und eine Ganzkörper- Positronenemissionstomographie zu machen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ​​​​

Oftmals können auch geschwollene Lymphknoten ein Hinweis auf eine Ausbreitung der Krebserkrankung sein. Verdächtige Lymphknoten sollten mikroskopisch kontrolliert werden.

Ziel der gesamten Diagnostik ist es, den Tumor genau zu charakterisieren und dementsprechend die bestmögliche individuelle Therapie für den Betroffenen zu erarbeiten.

Symptome

Da es sich bei dem Luftröhrenkrebs meistens nicht um einen Primärtumor handelt, sondern bereits als Streuung verursacht wird, zeigen sich häufig in fortgeschrittenen Tumorstadien Symptome. Oftmals wird dadurch der Krebs erst später diagnostiziert. Die Symptome können besonders dann entstehen, wenn entartetes Gewebe aus den umliegenden Nachbarorganen in die Luftröhre wächst. Dazu zählen bösartige Kehlkopftumore, Krebs der unteren Rachenwege, Speiseröhrenkrebs und Schilddrüsenkrebs.

Die klinischen Beschwerden des Patienten können vielfältig sein. Typischerweise treten häufiger Husten auf, der sich chronisch, d. h. länger als 6 Monate festigt. Er kann auch mit Blut durchsetzt sein und mit unterschiedlicher Konsistenz und Charakteristik auftreten. Viele Patienten berichten über eine zunehmende Schwerfälligkeit beim Atmen bis hin zu Atemnot und/oder deutlich zu hörenden Pfeiftönen. Man spricht dann von einer Dyspnoe, die durch die Einengung der Atemwege verursacht werden kann.

Je nach Größe und Lage des Tumors können auch Störungen bei der Stimmbildung oder beim Schlucken entstehen, indem der Tumor von Seiten der Luftröhre die Organgrenzen überschreitet und die Stimmritze beziehungsweise die Speiseröhre in deren Funktion wesentlich beeinträchtigt. Demnach kann ebenfalls eine Heiserkeit vorkommen. Neben diesen organbezogenen Symptomen, die direkt durch den Tumor bedingt ausgelöst werden, können zusätzlich die charakteristischen Beschwerden bei einer Krebserkrankung auftreten.

Unter den Begriff B- Symptomatik fallen im Allgemeinen Gewichtsverlust, Fieber und Müdigkeit. Die Patienten leiden häufig an Appetitlosigkeit und Übelkeit sowie einer fortschreitenden Leistungsminderung. Darüber hinaus können auch Hautveränderungen wie zum Beispiel Juckreiz auftreten. Nicht zuletzt ist der Betroffene immungeschwächt und kann schneller an sekundären Infekten erkranken. Durch die breitgefächert auftretenden Symptome liegt in den meisten Fällen ein schlechter Allgemeinzustand vor.

Diese Symptome sind den Beschwerden beim Rachenkrebs sehr ähnlich. 
Erfahren Sie mehr dazu unterWelche Symptome weisen auf Rachenkrebs hin?

Therapie

Die Behandlung einer Krebserkrankung ist oft umfangreich und interdisziplinär gestaltet. Das bedeutet, Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen wie Innere Medizin, Chirurgie, Fachärzte der Krebsheilkunde (Onkologie) und auch Psychotherapeuten und Pfleger bilden ein Team um eine optimale Versorgung zu ermöglichen. Sie beraten sich über die besten Möglichkeiten für den Patienten.

Die Therapie ist abhängig von der Größe und der Art des Tumors und muss zudem dem bereits fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung individuell angepasst werden. Je nach Zelltyp spricht das entartete Gewebe unterschiedlich gut auf eine Strahlen- und/ oder Chemotherapie an. Da in den meisten Fällen bereits eine Metastasierung stattgefunden hat, ist eine operative Entfernung mit anschließender Chemotherapie nur in seltenen Fällen geeignet. Im Vordergrund steht dann die palliative Versorgung des Patienten. Dabei sollen dem Patienten die Schmerzen genommen und die Lebensqualität so gut wie möglich erhalten oder verbessert werden.

Besonders wichtig bei Luftröhrenkrebs ist das Offenhalten der Atemwege, damit der Patient nicht in die Situation gerät, an Atemnot zu leiden. Um dies zu gewährleisten, kann der Tumor mit einem Laser verkleinert werden. In extremen Fällen kann auch die Anlage eines Luftröhrenschnittes (Tracheotomie) notwendig sein. Durch die Chemotherapie kann es zu dem so genannten ANE- Syndrom kommen- die Behandlung führt zu anstrengenden Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit (Anorexia), Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis). Eine begleitende Therapie dieser Symptome ist erforderlich um dem Patienten eine angenehmere Therapie zu ermöglichen und ein frühzeitiges Abbrechen der Chemotherapie zu verhindern. Medikamente gegen Übelkeit und eine gut angepasste Schmerztherapie sind wesentlicher Bestandteil der Behandlung in der Krebsheilkunde (Onkologie).

Zusätzlich zu der medikamentösen Therapie sollte eine psychotherapeutische Begleitung für den Patienten angeboten werden. Der Krankheitsverlauf und die Behandlung übt viel Stress aus und Interventionen hinsichtlich der Krankheitsverarbeitung und der Bewältigung des Alltages können sich positiv auf den Umgang mit der Erkrankung und schließlich auf den weiteren Verlauf auswirken. Ziel ist es, die Lebensqualität zu sichern und den Patienten in seinen eigenen Ressourcen zu unterstützen und zu stärken.

Prognose

Die 5- Jahres- Überlebensrate (5- JÜR) wird bei Krebsleiden als prognostischer Wert herangezogen. Patienten, die zum Beispiel an einem Lungenkarzinom leiden und eventuell Metastasen in der Luftröhre besitzen, haben eine 5- JÜR von 5%. Eine Prognose ist immer vom Stadium und Ausmaß des Tumors abhängig. Sie fällt umso besser aus, je früher der Krebs diagnostiziert und therapiert wird.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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