Magen-Darm-Blutung


Synonyme im weiteren Sinne

GI-Blutung; Magenblutung, Darmblutung

Medizinisch: gastrointestinale Blutung, Ulcusblutung
Englisch: gastrointestinal bleeding (haemorrhage)

Definition Magendarmblutung

Eine Magen-Darm-Blutung ist eine Blutung des Gastrointestinaltrakts, die nach außen hin sichtbar wird. Blut wird dabei entweder erbrochen oder mit dem Stuhlgang ausgeschieden, was dann zu schwarzem oder blutigem Stuhlgang führen kann.

Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in Deutschland
In Deutschland sind jedes Jahr etwa 100 pro 100.000 Einwohner von einer Magen-Darm-Blutung betroffen. Ein steigender Anteil entfällt dabei auf die über 60-jährigen.

Abbildung Magengeschwür

Man erkennt das Magen- geschwür an typischer Stelle am Magenausgang lokalisiert.

Im Bild unten ist die Magenwand im Querschnitt dargestellt und man kann erkennen, wie tief das Magengeschwür reicht.

Schichten der Magenschleimhaut

  1. Mukosa (Schleimhaut)
  2. Ulcus (Magengeschwür)
  3. Submukose (Bindegewebsschicht)
  4. Blutgefäße

    Wenn die Schleimhaut einen Schaden hat dieser bis ins darunterliegende Bindegewebe reichen, wodurch es zu einer Magenblutung kommen kann.

Todesgefahr

Während chronische Magenblutungen häufig über längeren Zeitraum unbemerkt bleiben und lediglich als Zufallsbefund (Symptome einer Blutarmut, typisches Blutbild) auffallen, verlaufen akute Magenblutungen hingegen oft massiv und lebensbedrohlich, wobei es in 10-20% der Fälle zum Tod kommen kann.

Gefährlich werden Magenblutungen immer dann, wenn es im Rahmen von Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren zu Verletzungen bzw. Eröffnungen von größeren Magengefäßen (A. gastrica) kommt, da durch diese in relativ kurzer Zeit große Mengen Blut verloren gehen können (ein Verlust von 20% des normalen Blutvolumens ist lebensgefährlich).

Desweiteren können angeborene Gefäßfehlbildungen im Magen bei dessen Verletzung größere Blutungen verursachen. Das sogenannte "Dieulafoy-Ulcus" ist eine seltene, angeborene Erkrankung, bei der ein Magengeschwür eine sehr dicht unter der Schleimhaut gelegene, erweiterte Gefäßanomalie eröffnen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen kann. Stoppen Magenblutungen nicht von alleine oder kommt es zu großen Blutverlusten mit Schocksymptomen durch akuten Blutmangel im Kreislaufsystem, muss eine schnelle endoskopische oder chirurgische Blutstillung eingeleitet werden. Auch die Gabe von Blutkonserven kann bei hohem Blutverlust notwendig werden.

Ursachen und Entstehung (Ätiologie und Pathogenese)

Die Auslöser einer gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) sind sehr vielfältig:

können für eine Blutung des Magens oder des Darms verantwortlich sein.
Auch durch Magensäure hervorgerufene Verätzungen sowie bösartige Tumoren des Magens (Magenkarzinom / Magenkrebs) stellen mögliche Gründe dar.

In der Regel sind Magenblutungen als eine Folge verschiedenster Grunderkrankungen anzusehen und manifestieren sich dabei entweder als akute, lebensbedrohliche oder chronische Komplikation. Bei etwa 50% der Patienten, die eine Magenblutung erleiden, liegen sogenannte Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) vor.
Dabei handelt es sich um einen Defekt in der Magenwand, welcher über die Magenschleimhaut hinaus in die Tiefe reicht und der durch Stress, verminderte Schleimhautdurchblutung, chronischer Einnahme von entzündungs- und schmerzhemmenden Mitteln (NSAR wie z. B. Ibuprofen, Diclofenac) oder eine Magenschleimhautinfektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht werden kann.

Bestehen Magengeschwüre unbehandelt über längere Zeit, können sich diese weiter vertiefen und ausbreiten, sodass es unter Umständen zu Zerstörungen von Magengefäßen oder sogar zu Magenwanddurchbrüchen kommen kann. In 15% der Fälle ist hingegen eine Schädigung lediglich der Magenschleimhaut (Erosion) verantwortlich für die auftretende Magenblutung.

Diese entsteht meist auf dem Boden einer entzündlichen Magenerkrankung (erosive Gastritis), die ebenfalls durch Medikamenteneinnhahmen (NSAR, Glukokortikoide), Bakterien (Helicobacter pylori) oder Viren (z.B. Noroviren), Stress, aber auch durch Alkohol- oder Nikotinmissbrauch sowie Autoimmunreaktionen und Gallensäurenrückfluss aus dem Dünndarm hervorgerufen werden kann.
Übermäßiger und dauerhafter Alkoholkonsum kann neben einer Magenschleimhautentzündung jedoch auch zu dem sogenannten Mallory-Weiss-Syndrom führen, bei dem durch heftiges Erbrechen und Würgen Einrisse in der Magenschleimhaut entstehen können.

Diese Einrisse können zu 5-10% ebenfalls eine Magenblutung verursachen. Auch erweiterte Magengefäße (Magenvarizen; Fundusvarizen), die bei verschiedenen Erkrankungen der Milz und der Leber entstehen können, sind potenzielle Blutungsquellen.

Zu den eher selteneren Ursachen zählen mit ca. 1% zum einen gutartige oder bösartige Magentumore, die mit zunehmendem Wachstum Magengefäße zerstören können. Zum anderen können auch Gefäßfehlbildungen in der Magenwand (Angioplasien) zu Blutungen führen, wenn diese sich von alleine eröffnen oder durch scharfkantige Nahrungsbestandteile versehentlich verletzt werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Magenkrebs

Stress als Ursache

Sowohl kurzzeitiger, starker Stress (z.B. große chirurgische Eingriffe, Verbrennungen, Blutvergiftungen, Schock, Polytrauma, psychische Belastung), als auch chronischer Stress über längere Zeit, sind wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren, die unter Umständen zu Magenblutungen führen können. Die Ursache dafür, ist die verstärkte Produktion und Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin) aus den Nebennieren (Nebennierenmark), die in akuten Stresssituationen stattfindet und u.a. zu Gefäßverengungen in der Magenschleimhaut sowie vermehrter Produktion von schleimhautaggressiver Magensäure führt.

Die daraus resultierende verminderte Durchblutung und die beginnende Selbstverdauung der Schleimhautschicht des Magens, können in einer entzündlichen Veränderung und Zerstörung der Magenwand enden. Auf chronische Stressbelastungen reagiert der Körper in der Regel mit einer verminderten Abwehrlage, einem dauerhaft erhöhten Blutdruck, einer verzögerten Wundheilung, verstärkter Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, körperliche Leistungsminderung, Libidoverlust sowie Magen- und Darmproblemen. Letztere entstehen hierbei jedoch nicht durch vermehrte Stresshormonproduktion, wie es bei akutem Stress der Fall ist, sondern vielmehr durch die verstärkte Kortisonausschüttung aus den Nebennieren (Nebennierenrinde), die zu einer verminderten Schleimbildung im Magen-Darm-Trakt führt.

Dieser Schleim, der normalerweise für die Neutralisierung der Magensäure zuständig ist, wird nur noch vermindert produziert oder fehlt ganz, sodass die Schutzbarriere der Magenschleimhaut verloren geht. Das Resultat ist auch hier eine zunehmende Schleimhautzerstörung, die in Entzündungen, Geschwüren und Blutungen übergehen kann. Desweiteren sind die Magen-Darm-Probleme unter Dauerstressbelastung auch dadurch bedingt, dass der Magendarmtrakt weniger durchblutet wird, um sämtliche Blut- und Energiereserven den unter Stress vermehrt beanspruchten Organen (Herz, Lunge, Muskeln, Gehirn) zukommen lassen zu können. Die Folge ist eine verminderte Magen-Darm-Tätigkeit, die zu unterschiedlichsten Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder sogar Durchfall führen kann.

Alkohol als Ursache

Neben der bei vielen bekannten Schädigung der Leber und dessen Folgeerkrankungen, kann ein verstärkter Alkoholkonsum über längeren Zeitraum auch den Magen schädigen. Alkohol gehört neben Nikotin und einigen Medikamenten zu den toxischen Substanzen, welche die Magenschleimhaut reizen und schädigen können.

Im Verlauf kann es zur Entstehung einer akut oder chronisch verlaufenden Magenschleimhautentzündung oder sogar zur Bildung von Magengeschwüren kommen. Beide Erkrankungen können durch voranschreitende Zerstörung der Magenschleimhaut bzw. Magenwand zur Eröffnung von Blutgefäßen führen, sodass es zu Blutungen im Magen kommt.

Darüber hinaus können Magenblutungen jedoch auch durch das sogenannte Mallory-Weiss-Syndrom verursacht werden, das gehäuft bei Patienten mit einem langfristigen Alkoholkonsum in der Anamnese und einer bereits vorgeschädigten Magenschleimhaut auftritt. Kommt es im Rahmen von Alkoholexzessen zu starkem Erbrechen und/oder Würgen, kann die damit verbundene Druckerhöhung im Magen zu Schleimhauteinrissen im Übergangsbereich des Magens zur Speiseröhre führen. Kommt es dabei auch zu Verletzungen oder Zerreißungen von Magengefäßen, können leichte bis starke Blutungen ausgelöst werden.

Medikamentöse Ursachen

Die Einnahme einiger Medikamente oder die Kombination bestimmter Arzneimittel über einen längeren Zeitraum gehen mit einem gesteigerten Risiko für Gastrointestinal- bzw. Magen-Darmblutungen einher.
Blutungen im Magen-Darm-Trakt treten vermehrt im Zusammenhang mit sogenannten NSAR (Nicht-steroidalen-Antiphlogistika) auf. Sie besitzen neben einer schmerzhemmenden Wirkung auch eine antientzündliche Wirkung.
Typische Vertreter aus der Gruppe der NSAR sind Ibuprofen®, Diclofenac®und Naproxen®sowie Aspirin® (Acetylsalicylsäure).

Neben der regelmäßigen Einnahme spielt auch die Höhe der Dosierung eine wichtige Rolle beim Auftreten von Nebenwirkungen.
Entzündliche Schleimhautveränderungen und Geschwüre zählen zu den Komplikationen, aber auch schwerwiegendere wie die genannte Blutung oder Magen- und Darmwanddurchbrüche und Verschlüsse zählen dazu.

Allgemein gilt, dass die Einnahme das Risiko für Nebenwirkungen erhöht, die schwerwiegenden Komplikationen aber dennoch selten sind.
Im Fall von Diclofenac wurde bei rund 3 Patienten von insgesamt 1000 bei täglicher Einnahme von 150 mg eine solche Nebenwirkung beobachtet.

Wirkungsweise der nichtsteroidalen Antirheumatika

Zu den oben genannten NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika), die entzündungshemmende Schmerzmittel sind, gehören sowohl Aspirin® (Wirkstoff: Acetylsalicylsäre/ASS), als auch Voltaren® (Wirkstoff: Diclofenac).

Ihre Wirkungsweise ist identisch, beide hemmen ein Enzym, welches hauptverantwortlich für die Bildung von Gewebshormonen (Prostaglandine) ist.

Diese Gewebshormone sind u.a. maßgeblich an der Entstehung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt. Eine wesentliche Nebenwirkung bei der dauerhaften Einnahme von Aspirin/Voltaren in Bezug auf den Magen-Darm-Trakt ist, dass auch das von der Magen-Darm-Schleimhaut produzierte Gewebshormon E2 (Prostaglandin E2) in seiner Bildung gehemmt wird.
Dieses führt dazu, dass vor allem die Magenschleimhaut weniger neutralisierenden Schleim herstellen kann, der vor der aggressiven Magensäure schützt.

Die Folge ist ein deutlich erhöhtes Risiko für Magenschleimhautentzündungen und die Bildung von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi), wobei beide Erkrankungen durch die Zerstörung von Magenwandgefäßen zu Magenblutungen führen können. Das Blutungsrisiko hängt jedoch von der Dosis und der Dauer der Medikamententherapie ab. So erhöhen z.B. 75mg ASS das Risiko um das 2-fache, 150mg schon um das 3-fache.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema auf unserer Hauptseite zu NSAR

Magen- Darm- Blutung durch Ibuprofen

Ibuprofen gehört der Gruppe der nicht-steroidalen Antiphlogistika an und besitzt eine schmerzhemmende, antientzündliche und fiebersenkende Wirkung.
Darüber hinaus reduziert es auch die Schleimproduktion im Magen und erhöht damit das Risiko für Schleimhautschäden.
Das Risiko innerhalb eines Jahres eine schwerwiegenden Komplikation wie eine Magen-Darm-Blutung zu erleiden liegt einer Studie zufolge bei täglicher Einnahme von 2400mg Ibuprofen bei rund 1%.
Allgemein gilt, dass derartige Nebenwirkungen bei Patienten im höheren Lebensalter häufiger beobachtet werden.

Erfahren Sie hier mehr über Ibuprofen®

Magen- Darm- Blutung durch Aspirin

Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure gehört ebenfalls zur Gruppe der nicht-steroidalen Antiphlogistika und senkt das Risiko für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems wie Herzinfarkte.
Es verringert die Wahrscheinlichkeit für die Verklumpung von Blutplättchen in den Gefäßen.

Einer Studie zufolge besteht bei täglicher Einnahme von 1200mg ASS ein Risiko von weniger als ein Prozent eine Magen-Darm-Blutung zu erleiden.
Bei langfristiger Einnahme von Aspirin, sollte, insbesondere bei Kombination mit anderen antithrombotischen Medikamenten, immer auch ein Magenschutz (Protonenpumpeninhibitor) verschrieben werden.

Lesen Sie zu diesem Thema unter

Druckerhöhung im Magen als Ursache

Eine weitere Ursache ist die mit einem Anteil von 10% an den Blutungen des oberen Magen-Darm-Traktes (Gastrointestinaltrakts) eher seltene Mallory Weiss - Läsion, bei der es durch Druckerhöhung im Magen, z.B. bei starkem Erbrechen, zum blutenden Einriss der unteren Speiseröhre kommt.

Ösophagusvarizen als Ursache

20% der Blutungen entfallen auf die Varizen (Krampfadern) der Speiseröhre (Ösophagus), welche entstehen, wenn der Blutfluss durch die Leber infolge deren bindegewebigen Umbaus durch exzessiven Konsum von Alkohol gestört ist (medizinisch Leberzirrhose):
Anstelle den direkten Weg zur ins Herz führenden, unteren Hohlvene, zu nehmen, fließt das Blut über nun stärker beanspruchte Nebenwege- die Venen des Ösöphagus (medizinisch: es bilden sich Kollateralkreisläufe aus).
Die krankhaft erweiterten Venen werden als Varizen bezeichnet und können zu potentiell tödlichen Blutungen führen.

Zu den mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziierten Medikamenten gehören Aspirin (da es die Bildung blutgerinnungsfördernde Stoffe in den Blutplättchen, den Thrombozyten, hemmt) und andere verwandte Schmerz- und Fieber senkende Arzneimittel, d.h. die ebenfalls zu den als NSAR (= nicht-steroidale Anti-Rheumatika), zählenden Präparate.
Auch die speziell zur Hemmung der Blutgerinnung verabreichten Antikoagulantien (medizinischer Begriff für Hemmstoffe der Blutgerinnung), zu denen z.B. Phenprocoumon (Handelsname: Marcumar), Coumadin (Handelsname: Warfarin) und die Heparine (z.B. Liquemin, Fragmin) zählen, können insbesondere bei Überdosierung eine gastrointestinale Blutung nach sich ziehen.
Die obig aufgeführten Ursachen führen dabei in der Regel zu einer im oberen Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt), zu dem definitionsgemäß nicht nur Speiseröhre und Magen, sondern auch der erste Abschnitt des Dünndarms gezählt wird, lokalisierten Blutung.

Altersbedingte Ursachen

Die häufigsten Ursachen für eine im unteren GI-Trakt (Magen-Darm-Blutung) lokalisierten Blutung sind altersabhängig.
Erleiden jüngere Patienten bis 30 Jahre eine Blutung des Darms, so ist am wahrscheinlichsten eine als Meckel-Divertikel bezeichnete, angeborene Fehlbildung, dafür verantwortlich.
Dabei handelt es sich um eine ca. fünf Zentimeter große Ausstülpung des Dünndarms, die 60-90 Zentimeter vor der Dünn- und Dickdarm trennenden Klappe lokalisiert ist.
(Die Klappe heißt nach den sie trennenden Darmabschnitten Ileozäkalklappe; das Zäkum- alte Schreibweise: Coecum- meint nichts anderes als den in der Bevölkerung besser bekannten Magen-Darm-Blutung. Die Funktion der auch als Bauhin’sche Klappe bekannten Ileozäkalklappe besteht in der Vermeidung von Rückfluss von Darminhalt aus dem stark mit Bakterien besiedelten Dickdarm in den Dünndarm).
Die meist im oberen Dünndarm befindlichen Meckel-Divertikel verursachen oft keine Beschwerden; in der Hälfe der Betroffenen enthält das Divertikel allerdings (im Rahmen der Embryonalentwicklung) versprengte Magenschleimhaut oder anderes Gewebe, welches neben Blutungen auch zu langanhaltenden Schmerzen, Völlegefühl, Verdauungsprobleme und Entzündungen bis hin zum potentiell lebensbedrohlichen Verschluss des Darms (medizinisch: mechanischer Ileus) führen kann.

Die Blutungen kommen durch die Produktion von aggressiver Salzsäure durch das Magenschleimhautareal zu Stande.
Die Säure verätzt dann umliegendes Gewebe und Gefäße und verursacht so blutige Erosionen (oberflächliche Gewebsdefekte) und Ulzera (tiefe, oft bis in die Muskulatur reichende Gewebsdefekte).

Bei Patienten bis 60 Jahre sind dagegen blutende Divertikel der Dickdarmschleimhaut, d.h. Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die den gesamten Darm überziehende, äußere Bindegewebsschicht (medizinisch: Serosa), die am weitesten verbreitete Ursache für eine gastrointestinale Blutung (Magen-Darm-Blutung).
Der genaue Entstehungsmechanismus der Dickdarmdivertikel, die bei multiplem Auftreten die als gesamtes Krankheitsbild bezeichnete „Divertikel-Krankheit“ (medizinisch: Divertikulose) hervorrufen, ist unbekannt.
Vermutlich fördern eine faserarme Ernährung und Bewegungsmangel die Bildung der Divertikel. Fehlbildungen der Gefäße (Angiodysplasien) sind die häufigste Blutungsquelle bei Über-60-Jährigen.

Siehe auch: Erkrankungen im Blut

Symptome / Beschwerden

Die auftretenden Beschwerden sind i.d.R. uncharakteristisch:
Es treten;

  • Übelkeit
  • Völlegefühl und
  • Schmerzen in Oberbauch auf.

Speziell bei stechenden Schmerzen im rechten Oberbauch oder unterhalb der Rippenbögen (medizinisch: Epigastrium) ist an eine perforierende Verletzung als typische Ursache zu denken.

Weitere Folgeerscheinungen der gastrointestinalen Blutungen (Magen-Darm-Blutung) sind direkt Folgen der starken Blutung, und bestimmen sich auch in ihrem Ausmaß nach der Höhe des Blutverlusts.
Durch den Volumenmangel kommt es:

  • zur Beschleunigung des Herzschlags (Tachykardie) und
  • Unruhe
  • zu Kopfschmerzen
  • Schwindel und
  • Kaltschweißigkeit.

Im Extremfall kann der starke Blutverlust bis hin zum (Volumenmangel-) Schock führen.
Lebensbedrohlich sind Blutverluste ab ca. 20% des normalen Blutvolumens. Typisch für die obere gastrointestinale Blutung ist das Erbrechen von blutigem Mageninhalt, was als Hämatemesis (Emesis= Erbrechen, griechisch häma= Blut) bezeichnet wird und nie bei der unteren gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) auftritt.

Die Farbe des Erbrochenen gibt dem Arzt dabei weitere Hinweise auf die Lokalisation der Blutungsquelle:
Hatte das Blut Kontakt mit der Salzsäure des Magens, so nimmt das Erbrochene durch die chemische Reaktion des im Blut enthaltenem Blutfarbstoffs Häm mit der Salzsäure zu einem Produkt namens Hämatin, eine schwarze, anschaulich oft als „kaffeesatzartig“ beschriebene Farbe an. Kommt es nicht zu Kontakt des Bluts mit Salzsäue, z.B. bei einer Blutung der Speiseröhre, ist das erbrochene Blut hellrot (wenn es aus einer sauerstoffreiches Blut führenden Arterie stammt) oder dunkelrot (venöses Blut).
Durch Abfluss des Blutes bei einer Blutungsquelle im Magen in den Darm, kann eine obere gastrointestinale Blutung auch zum Abgang blutigen Stuhls führen. Auch dabei wird zwischen durch Salzsäure schwarzen Stuhl (medizinisch: Meläna, zu deutsch: Teerstuhl), und dem Stuhl aufgelagerten, rotem Blut, auch als Hämatochezie, bezeichnet, unterschieden.
Beide Beschwerdebilder treten- anders als man bei Austritt von Blut aus dem Darm zunächst vermuten könnte- häufiger bei der oberen als bei der unteren gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) auf.
Auffällig sind der bei Teerstuhl auftretende, penetrante Geruch und das klebrig-glänzende Aussehen, die dem Arzt die Unterscheidung von anderen, möglicherweise ähnlich aussehenden Ausscheidungs- produkten erleichtern (schwarz gefärbte Stühle müssen keine gastrointestinale Blutung sein- dies tritt auch bei Einnahme Kohle-, Bismut- oder Eisen haltigen Medikamenten auf und ist sogar nach dem Genuss von Blaubeeren beschrieben worden).
Zu beachten ist, dass das Absetzen von Teerstuhl immer einen Hinweis auf einen zurückliegenden Blutungsbeginn hinweist: Das Blut muss sich mindestens acht Stunden im Darm befunden haben.

Lesen Sie mehr unter: Blut im Stuhl.

Schmerzbeschwerden

Die Magenblutung wird in den meisten Fällen, wie oben bereits beschrieben, erst dann bemerkt, wenn Bluterbrechen (Hämatemesis), schwarz gefärbter Stuhl (Teerstuhl) oder sogar blutmangelbedingte Kreislaufstörungen (Volumenmangelschock) auftreten.

Leichtere und chronische Magenblutungen können sogar auch lange Zeit unbemerkt bleiben und werden dann nur zufällig bei ärztlichen Routineuntersuchungen festgestellt. Der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Schmerzen im Bereich der Magengegend als alarmierendes Zeichen und dem tatsächlichen Bestehen einer Blutung, ist nicht immer unbedingt gegeben.
Der Grund hierfür ist, dass die Blutung an sich keine Schmerzen verursacht, sodass nicht erst dann von einer Blutung ausgegangen werden darf, wenn Beschwerden im linken oder mittleren Oberbauch auftreten. Vielmehr kommt es eher durch Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) und Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) zu einer Reizung der Nerven mit entsprechenden schmerzhaften Empfindungen, wobei beide Erkrankungen im Verlauf zu einer Magenblutung führen und dieser somit vorausgehen können.

Schmerzen in der Magengegend sind somit eher als Symptom für Magengrunderkrankungen mit potenzieller Blutungsmöglichkeit anzusehen, wobei die Blutung zum Schmerzzeitpunkt jedoch noch nicht bestehen muss.
Magenschleimhautentzündungen können neben linksseitigen oder mittleren Oberbauchbeschwerden auch durch Übelkeit, Aufstoßen und Völlegefühl symptomatisch werden.
Spürbare Magengeschwüre werden vor allem durch dumpfe und bohrende Schmerzen unmittelbar nach dem Essen wahrgenommen.
Diese typischen Symptome, sowohl für Magengeschwüre, als auch für Magenschleimhautentzündungen, werden jedoch nur von ca. 50% aller Patienten geschildert, bei der anderen Hälfte bleiben auch diese Erkrankungen unbemerkt.

Wichtig ist darüber hinaus, dass nicht jeder Schmerz in der Magengegend auch unmittelbar direkt ein Zeichen für Erkrankungen des Magens ist.
Linksseitige und mittlere Oberbauchschmerzen können auch Symptome für eine Reihe anderer Bauchraumerkrankungen sein, wie zum Beispiel für Erkrankungen am Zwölffingerdarm (z.B. Ulcus duodeni), an der Bauchspeicheldrüse (z.B. Pankreatitis), der Milz (Milzinfarkt, Milzriss) oder den Nieren bzw. dem harnableitenden System (Nierenstein, Harnleiterstein, Nierenbeckenentzündung).

Einteilung der Magen- Darm- Blutung

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer oberen und einer unteren Magen-Darm-Blutung.
Der obere Magen-Darm-Trakt besteht aus den Magen, den oberen Abschnitten vom Dünndarm, also dem Zwölffingerdarms (medizinisch: Duodenum) undden Übergang zum Leerdarm (Jejunum), die als „flexura duodenujejunalis“ bezeichnet.

Der Grund für diese Einteilung in obere und untere Magen-Darm-Blutung (GI-Blutung) anhand der flexura duodenujejunalis liegt in der unterschiedlichen Vorgehensweise des Arztes bei Diagnostik und Therapie:
Zum Nachweis einer oberen Magen-Darm-Blutung (GI-Blutung) werden Endoskope (Schlauchkamera) benutzt, die dem Patienten über dem Mund (nach der Verabreichung eines sedierenden, d.h. beruhigenden Medikaments wie dem zu den kurzwirksamen Benzodiazepinen zählenden, Midazolam) eingeführt, bis in den Magen vorgeschoben und ermöglichen dem Arzt Einblick in den Verdauungsapparat des Patienten bis hin zu diesem Übergangspunkt der beiden Dünndarmabschnitte (flexura duodenujejunalis).
Liegt die vermutete Blutungsquelle bei einer Darmblutung noch tiefer (medizinisch: weiter distal, in Richtung Anus), muss das Gerät über den Darm eingeführt werden. D.h. es muss eine Spiegelung des Dickdarms, eine sog. Koloskopie durchgeführt werden, welche auch den letzten und dritten Abschnitt des Dünndarms, den Krummdarm, medizinisch auch Ileum genannt, erreicht.

Es bleibt anzumerken, dass diese Einteilung zwar heute noch immer sinnvoll ist, da sich die obere und die untere gastrointestinale Blutung (Magen-Darm-Blutung) deutlich hinsichtlich der Ursachen, der betroffenen Altersgruppen und auch in der Wahl der Behandlungsmethode deutlich unterscheiden, aber die ursprüngliche Herkunft der Einteilung ist heute aufgrund modernerer Endoskope mit größerer Reichweite nur noch von eingeschränkter Gültigkeit.

Wie erfolgt die Diagnose einer Magen-Darm-Blutung?

Die diagnostische Vorgehensweise richtet sich, wie eben beschrieben, nach der Art der Magen-Darm-Blutung:
Bei Auftreten von Teerstuhl wird nach der Befragung des Patienten über den möglichen Hergang (bekannte Vorerkrankungen bzw. Risikofaktoren, eingenommene Medikamente, mögliche Verletzungen, zuletzt eingenommene Mahlzeiten etc.) zur Diagnose einer Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) notfallmäßig ein Endoskop (Schlauchkamera) eingeführt.
Kann dort eine Magen-Darm-Blutung ausgeschlossen werden, muss die Quelle in Dickdarm oder Dünndarm zu finden sein.

Der Nachweis erfolgt durch die Gabe von radioaktiv markierten roten Blutkörperchen (das auf Detektion der ausgesandten radioaktiven Strahlung abzielende Verfahren wird als Szintigrafie bezeichnet).
Anschließend erfolgt dann die selektive Diagnose der betroffenen Gefäße, die eine genauere Lokalisation ermöglicht.

Umstritten ist der Wert einer notfallmäßig, also ohne entsprechende Vorbereitung des Darms durchgeführten Darmspiegelung (Koloskopie), da die Aussagekraft bei einem nicht vorher durch Abführmittel gereinigten Darm begrenzt und die Untersuchung technisch schwierig ist.

Die Vorgehensweise bei Erbrechen von Blut (Hämatemesis) ist ähnlich wie bei dem Absetzen von Teerstuhl; bei massiven Blutungen ist allerdings unverzüglich eine notfallmäßige Operation angezeigt.

Liegt dem ausgeschiedenen Stuhl rotes, arterielles Blut auf (Hämatochezie), wird oft mit der digital-rektalen Diagnose (Untersuchung des Anus mit dem Finger) begonnen, da so der tastende Finger des Untersuchers tastbare Neubildungen (Neoplasien) und Gewebsverletzungen (Ulzerationen) sowie durch Blutkoagel harte Hämorrhoiden, schnell feststellen kann.
Führt diese Maßnahme nicht zum Erfolg, so schließen sich als folgende Untersuchungsgänge auch hier die Endoskopie (in dem Fall eine Endoskopie des auch als Rektum bezeichneten Enddarms, man spricht also von einer Rektoskopie) und die Darstellung der Gefäße mit Kontrastmittel (Angiografie) oder radioaktiv markierten Substanzen (Szintigrafie) an.

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Angiographie

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 30.01.2017
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