LWS-Syndrom

Synonyme

Lendenwirbelsäulensyndrom, Hexenschuss, Kranken- gymnastik, Physiotherapie, chronischer Rückenschmerz, chronische Lendenwirbelsäulenbeschwerden, Lenden- wirbelsäulenschmerz

Englisch: low back pain

Einleitung

Dieser Artikel ist vorwiegend aus physiotherapeutischer / krankengymnastischer Sicht geschrieben.

Der Begriff LWS-Syndrom beschreibt kein eigenständiges, auf bestimmte anatomische oder morphologische Gegebenheiten zurückführbares Krankheitsbild, sondern ist eine Sammelbeschreibung (Syndrom) für verschiedene Krankheitszeichen (Symptome). Das Leitsymptom des LWS-Syndroms ist der lokale, auf die Lendenwirbelsäule bezogene Rückenschmerz.

Ein Großteil aller Erwachsenen hat bereits Erfahrungen mit dem Thema „Rückenschmerzen“ sammeln müssen. Nahezu jeder Mensch wird wenigstens einmal in seinem Leben an Rückenschmerzen erkranken. Kaum ein anderes orthopädisches Beschwerdebild hat in den letzten Jahren einen solch rasanten Anstieg zu verzeichnen gehabt wie die Anzahl von Patienten mit therapiebedürftigen Rückenschmerzen. Schmerzen in der Region der Lendenwirbelsäule (LWS) lassen sich grob in zwei große Bereiche:

  • akuter und
  • chronischer Rückenschmerz unterteilen.

Abbildung LWS-Syndrom

Abbildung LWS-Syndrom (weiblicher Rücken)
  1. Breiter Rückenmuskel -
    M. latissimus dorsi
  2. Zwölfter Brustwirbel -
    Vertebra thoracica XII
  3. Erster Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis I
  4. Breiter Rückenmuskel -
    M. latissimus dorsi
  5. Darmbeinkamm -
    Crista iliaca
  6. Fünfter Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis V
  7. Mittlerer Gesäßmuskel -
    M. gluteus medius
  8. Großer Gesäßmuskel -
    M. gluteus maximus
  9. Ischiasnerv - N. ischiadicus
  10. Darmbeinschaufel - Ala ossis ilii
  11. Lenden-Kreuzbein-Nervengeflecht - Plexus lumbosacralis
  12. Steißbein - Os coccygis
  13. Oberschenkelschaft - Corpus femoris
    A - Bauchspeicheldrüse, B - Gebärmutter, C - Harnblase, D - Ischiasnerv

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Ursachen

Die Ursachen eines LWS-Syndroms sind zahlreich. Die häufigste Ursache für Schmerzen im Rahmen eines LWS-Syndroms sind degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule. Hierunter fallen insbesondere Bandscheibenvorwölbungen (Protrusion) und Bandscheibenvorfälle (Prolaps), die zu Nervenschmerzen im Rücken führen können, sowie arthrotische Veränderungen von Wirbelkörpern und Wirbelgelenken, wie beispielsweise eine Osteochondrose. Auch eine Spinalkanalstenose (Wirbelkörperenge) und eine Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) können durch den Verschleiß der Wirbelsäule entstehen und ein LWS-Syndrom verursachen. Muskelverspannungen und Fehlhaltungen des Rückens aufgrund einer Schwäche der Rückenmuskulatur sind ebenfalls häufig Auslöser eines LWS-Syndroms.

Eine weitere wichtige Ursache für Beschwerden im Rahmen eines LWS-Syndroms sind Verletzungen der Wirbelsäule, zum Beispiel Wirbelkörperbrüche. Wirbelkörperbrüche können durch ein Trauma der Wirbelsäule (zum Beispiel bei einem Autounfall) entstehen, häufiger jedoch sind sogenannte osteoporotische Wirbelkörperbrüche, das heißt Wirbelkörperbrüche, die durch eine Osteoporose entstehen. Bei der Osteoporose, welche auch als Knochenschwund bezeichnet werden kann, kommt es zu einem Abbau von Knochenmaterial und damit zu einer Abnahme der Knochendichte und der Festigkeit des Knochens, wodurch es zu Brüchen, unter anderem an der Wirbelsäule kommen kann. Seltener ist eine weitere Erkrankung, die Osteomalazie, bei welcher es zu einer Mineralisierungsstörung der Knochen kommt, Grund für Wirbelkörperbrüche.

Eine weitere wichtige Ursache eines LWS-Syndroms ist die Gruppe der entzündlichen Erkrankungen des Rückens, welche rheumatischer und infektiöser Genese sein können. Zu den entzündlichen Erkrankungen des Rückens rheumatischer Genese zählen die Bechterew-Krankheit, die reaktiven Gelenkentzündungen (zum Beispiel das Reiter-Syndrom), die enteropathische Spondylarthritis (eine mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa assoziierte Gelenkentzündung), die Psoriasis Spondylarthritis (eine mit Schuppenflechte assoziierte Gelenkentzündung) und die undifferenzierten Gelenkentzündungen, welche häufig bei Kindern und Jugendlichen auftreten.

In sehr seltenen Fällen sind Tumoren von Wirbelkörpern im Bereich der LWS oder angeborene Fehlbildungen der LWS, wie beispielsweise eine Skoliose (Wirbelkörperseitverkrümmung) Ursache eines LWS-Syndroms.

Lesen Sie mehr zum Thema: LWS Syndrom Ursachen

Symptome

Das LWS–Syndrom (Lendenwirbelsäulesyndrom) bezeichnet eine Sammlung verschiedener Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule.
Diese Symptome betreffen entweder die Region der Lendenwirbelsäule selbst oder gehen von dieser Region aus und können bis zum Steißbein ausstrahlen.
Symptome in diesem Bereich sind häufiger als in anderen Bereichen der Wirbelsäule, da die Lendenwirbelsäule besonderen Belastungen ausgesetzt ist.

Die betroffenen Patienten beschreiben oft, dass der Schmerz plötzlich eingetreten ist und in der Stärke davon abhängig ist, in welcher Position sie sich gerade befinden.
Durch bestimmtes Verhalten des Patienten kann der Schmerz stärker oder schwächer empfunden werden, beispielsweise beim Gehen oder im Sitzen.
Zusätzlich dazu kann die Intensität der Symptome beim:

  • Husten
  • Niesen
    oder
  • Pressen

verstärkt werden.
Der Schmerz selbst wird häufig als dumpfer Schmerz, seltener als stechender Schmerz, beschrieben.
Die häufigste Ursache dieses plötzlichen, stechenden Schmerzes ist ein Hexenschuss (Lumbago), der häufig durch eine vorangegangen Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule verursacht wurde und dann bei einer bestimmten Bewegung plötzlich stark schmerzt. Am häufigsten kommt es zu einem Hexenschuss bei ruckartigen Bewegungen, schwerem Heben oder Bücken.

Beginnen die Symptome eher schleichend, so deutet dies auf einen erhöhten Verschleiß (Degeneration) der Lendenwirbelsäule hin.
Dabei können Wirbelgelenke, Bänder und Muskel gleichermaßen betroffen sein.
Andere Ursachen, wie Entzündungen, Tumoren oder Missbildungen, werden eher seltener als Ursache für das LWS-Syndrom (Lendenwirbelsyndrom) gefunden.
Zusätzlich dazu kann der Schmerz zwar im Lendenwirbelbereich lokalisiert sein, seinen Ursprung aber an den inneren Organen haben (beispielsweise Gebärmutter, Bauchspeicheldrüse oder Blase).
Dies ist auch eher selten, bedarf aber einer genaueren Abklärung, um bösartige Neubildungen (Karzinome) frühzeitig erkennen zu können.

Die Symptome beim LWS-Syndrom (Lendenwirbelsyndrom) befindet sich dem Namen nach meistens in der Lendenwirbelsäule selbst, können aber auch oberhalb oder unterhalb der Lendenwirbelsäule lokalisiert sein. Die Symptome strahlen selten in die Extremitäten (Beine) aus. Falls der Schmerz doch in die Extremitäten ausstrahlt, so ist häufig auch der Ischiasnerv (Nervus Ischiadicus) betroffen.
Diese Unterform des LWS – Syndroms bezeichnen die Ärzte mit Lumboischialgie oder Lumbales Wurzelsyndrom.

Strahlen die Symptome wie oben Beschrieben in die Beine aus und werden zusätzlich Symptome wie:

  • Taubheit
  • Kribbeln
    oder
  • Lähmungserscheinungen

beobachtet, so sollte dringend ein Arzt konsultiert werden.
Kommt es zusätzlich oder auch isoliert noch zu Blasen- und Darmentleerungsstörungen, so ist dies besonders alarmierend und sollte deswegen notfallmäßig abgeklärt werden.
Diese Beschwerden gehen häufig mit einem akuten Bandscheibenvorfall einher, sodass eine operative Intervention notwendig wird, um die Nerven im Rückenmark wieder zu entlasten.

Neben den Rückenschmerzen kann es auch zu verstärktem Schwitzen bei Nacht kommen. Nicht selten schwitzen die Patienten dabei so stark, dass ein Wechsel der Bettwäsche unumgänglich ist.

Treten neben den Rückenschmerzen auch Fieberschübe auf, so muss direkt eine entzündliche Erkrankung der Lendenwirbelsäule (z.B. eine Spondylodiszitis) abgeklärt werden. Hierbei handelt es sich um einen medizinischen Notfall.

Lesen Sie mehr zum Thema: LWS-Syndrom Symptome.

Schmerzen

Schmerzen beim LWS-Syndrom äußern sich als Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), welche ins Steißbein, in die Beine und sogar bis in die Füße ausstrahlen können. Schmerzen im Rahmen eines LWS-Syndroms sind von ziehendem, stechendem oder dumpf drückendem Charakter unterschiedlicher Intensität und zeichnen sich durch ein plötzliches, schlagartiges Auftreten aus. Es kann zu einer Chronifizierung der Schmerzen kommen, das heißt die Schmerzen können über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.

Neben den Schmerzen kann es beim LWS-Syndrom zu weiteren Beschwerden wie Sensibilitätsstörungen, beispielsweise Taubheitsgefühle, Ameisenlaufen oder Kribbeln, sowie zu einer Kraftminderung der Beine kommen.

Schmerzen im Rahmen eines LWS-Syndroms sollten unbedingt therapiert werden, da es sonst zu einer Vermeidung von Bewegung und langfristig zu einer Fehlhaltung des Rückens kommen kann. Meist werden zur Schmerzlinderung beim LWS-Syndrom Präparate aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen angewendet. Bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen gegen NSAR kann alternativ auch Paracetamol verwendet werden, welches über einen anderen Mechanismus als die NSAR ebenfalls schmerzhemmend wirkt. Sprechen die Schmerzen beim LWS-Syndrom nicht auf die genannten Medikamente an, müssen stärkere Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide, wie beispielsweise Morphin oder Tramadol angewendet werden.

Lesen Sie auch: MRT Rücken

Schmerzlokalistion des LWS-Syndroms

Wenn Patienten über Rückenschmerzen klagen, sind gemein hin Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule gemeint.
Alternativ wird bei einem LWS Syndrom auch der Begriff Probleme mit dem Rückgrad oder Rückenleiden verwendet.
In der Regel wird der Schmerz als dumpf oder ziehend empfunden. In Teilen können diese Schmerzen aich in die Beine ausstrahlen. Diese Form der Rückenschmerzen wird auch als Lumboischialgie bezeichnet.

Akutes LWS-Syndrom

Akute Beschwerden beim LWS - Syndrom:

Ein großer Anteil dieser Beschwerden resultiert aus einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Überhaupt werden die meisten Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) gefunden.

Während Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule (HWS) noch recht häufig auftreten, sind sie im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS) sehr selten.

Viele Patienten mit einem plötzlichen (akuten) Rückenschmerz sind in erster Linie besorgt, dass ein Bandscheibenvorfall Ursache ihrer Beschwerden sein könnte. Das Krankheitsbild ist weithin „bekannt“ und wird als ernst und gefährlich – nicht ganz zu unrecht eingestuft. Über andere Erkrankungen, die zu einem akuten LWS-Syndrom oder einem so genannten „Hexenschussführen können, ist wenig bekannt. Allenfalls ist noch der Begriff der „Blockierung“ im weiteren Sinne für das Vorliegen eines LWS Syndroms bekannt. Die Patienten verstehen darunter meist einen akuten Rückenschmerz, der zu einer eingeschränkten körperlichen Beweglichkeit und Belastbarkeit führt.

Charakteristische Anzeichen für das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalles der Lendenwirbelsäule sind:

  • Ein scharfer ins Bein ziehender Rückenschmerz (Lumboischialgie), der häufig bis in den Fuß einstrahlt. In den meisten Fällen liegt bei einer Lumboischialgie jedoch eine harmloserer Ursache zugrunde.
  • Schmerzverstärkung durch Niesen , Husten oder Pressen.
  • Die Schmerzen im Bein überwiegen den Rückenschmerz.
  • Es bestehen Missempfindungen (Parästhesie; z.B. Kribbeln, Ameisenlaufen) oder Minderempfindungen (Hypästhesie; z.B. „als wenn der Fuß in Watte eingepackt wäre“) im Bereich der Beine.
  • Es bestehen Lähmungen oder ein Kraftverlust bestimmter Muskelgruppen (erschwerter Zehen- oder Hackenstand).
  • Verlust der Kontrolle für Wasserlassen oder Stuhlgang (Inkontinenz).

In jedem Fall sollte bei Unsicherheiten bezüglich der Krankheitsursache ein Arzt (Orthopäde) aufgesucht werden.

Chronisches LWS-Syndrom

Chronisch Beschwerden beim LWS - Syndrom

Unter diesen Themenkomplex fallen Krankheitsbilder wie:

  • Osteochondrose = Gemeinsame Erkrankung von Bandscheibe und Wirbelkörper im Rahmen verschleißbedingter (degenerativer) Veränderungen.
  • Spondylarthrose = Arthrose der Wirbelgelenke (Facettensyndrom)
  • Kleiner Bandscheibenvorfall (Bandscheibenvorfall)
  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion)
  • Spinalkanalstenose = Verschleißbedingte Wiirbelkanalenge
  • Spondylolisthesis / Spondylolyse = Wirbelgleiten
  • Skoliose = Wirbelsäulenseitverkrümmung
  • Muskuläre Insuffienzen = Schwäche der Rückenmuskulatur
  • Chronischer Muskelhartspann = Schmerzhafte Muskelhärten/Verkrampfungen
  • Osteoporose = Knochenschwund
  • Wirbelkörperfraktur = Meist osteoporotisch bedingter Wirbelbruch
  • etc.

Die meisten dieser Krankheitsbilder kann man unter die Bezeichnung degenerative Wirbelsäulenerkrankung zusammenfassen.

Die o.g. Krankheitsbilder können in Kombination miteinander oder als Einzelerkrankung auftreten. Gerade bei schweren, verschleißbedingten Wirbelsäulenveränderungen ist die Differenzierung der Schmerzursache sehr schwierig. Für Detailinformationen zu einzelnen Krankheitsbildern folgen sie bitte dem Link.

Die Anwendung krankengymnastischer und physikalischer Therapiemaßnahmen ist in der Behandlung des LWS – Syndroms sehr erfolgreich und kommt routinemäßig, zumindest in den Krankenhäusern zum Einsatz.

Diagnose

Da das LWS Syndrom für sich genommen keine eigene Krankheit beschreibt, sind auch die Möglichkeiten zur Diagnose sehr unterschiedlich.
Als LWS Syndrom wird der lokale Schmerz in der Lendenwirbelsäule bezeichnet, welcher eine Vielzahl von Ursachen haben kann.
Durch die gezielte Anamnese der Schmerzen lässt sich die Möglichkeit der Ursachen um ein Vielfaches eingrenzen. Hierbei fragt der Arzt genau nach dem Ort, der Dauer und der Art des Schmerzes aber auch, ob der Schmerz sich in verschiedenen Situationen verändert.

Ist der Schmerz abhängig von der Bewegung und verursacht eine Bewegungseinschränkung, ist die naheliegendste Ursache eine Muskelverspannung im unteren Rücken. Die Frage nach dem Beruf und der Alltagsgestaltung können weitere Indizien sein. Schon eine körperliche Betrachtung lässt Fehlhaltungen erkennen, die häufig auf ein langerbestehendes Problem hindeuten. Hierzu zählen Hohlkreuze oder seitliche Verkrümmungen der Wirbelsäule.

Ist das Problem muskulär, lässt sich das auch durch Tasten der Rückenmuskeln feststellen. Diese sind in dem Fall verhärtet und druckempfindlich.

Nennt der Patient ein genaues Ereignis, zum Beispiel einen Unfall, als die Ursache für seine auftretenden Schmerzen, kommen muskuläre Probleme seltener in Frage.
Liegen bei einer neurologischen Untersuchung Beteiligungen der Rückenmarksnerven nahe oder ereignete sich der Unfall beim tiefen Bücken oder schweren Heben, sollte apparative Diagnostik zum Einsatz kommen.
Hierzu zählen Röntgen, CT und MRT Aufnahmen. Es besteht die Verdachtsdiagnose eines Bandscheibenprolapses oder Bandscheibenvorfalls.

In schweren Fällen können unter Mitbeteiligung von Nerven akute Lähmungserscheinungen auftreten. Schnell muss die Diagnose gesichert werden, wobei das MRT die erste Wahl ist. Ein Röntgenbild zeigt hauptsächlich knöcherne Strukturen gut auf, wohingegen das MRT besonders Weichteilgewebe detailliert darstellen kann.

Auf dem Bild des MRTs kann der Arzt dann beurteilen, wie die Form und der Schaden an der Zwischenwirbelscheibe ist und in welche Richtung sich der Schaden ausbreiten kann. Anhand dieser Beurteilung des im Vergleich zu den anderen diagnostischen Möglichkeiten sehr detaillierten Bildes kann der Arzt eine gezielte Therapie planen. Auch im eher seltenen Fall eines Tumors, der Rückenschmerzen verursacht, lässt sich die Diagnose durch ein MRT Bild stellen.

In äußerst seltenen Fällen können Borreliosen oder Herpesinfektionen ähnliche Schmerzen hervorrufen.
Ist auf dem MRT Bild nichts zu erkennen, kann man solche Erreger durch eine Blutuntersuchung feststellen.

Therapie eines LWS Syndrom

Da es sich bei dem LWS-Syndrom um eine Sammlung verschiedener Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule handelt, muss je nach dem Ursprung des Schmerzes ein anderer Therapieansatz gewählt werden. Deswegen ist es besonders wichtig, dass eine genaue Anamnese (erhebung der Krankengeschichte) erhoben wird, damit die Schmerzursache bestmöglich eingegrenzt werden kann.

Die häufigste Ursache für das akute, plötzlich auftretende LWS-Syndrom ist der Bandscheibenvorfall (Prolaps). Beim Bandscheibenvorfall drückt die verschobene Bandscheibe auf Nerven in der Wirbelsäule, sodass es zu Schmerzen und Lähmungen kommen kann, die häufig auch in die Beine ausstrahlen.
Wenn der Bandscheibenvorfall frisch aufgetreten ist, ist das erste Ziel der Therapie eine Schmerzreduktion des Patienten. Bereits in dieser Phase können die Schmerzen des Patienten aktiv durch bestimme physiotherapeutische Lagerungsmanöver gelindert werden, beispielsweise durch die Stufenlagerung. Bei stärkeren Schmerzen sollte eine MRT – Aufnahme der LWS des Rückens gemacht werden, um zu erkennen, wo und wie stark die Bandscheibe auf die Nerven drückt.
Ist dies durch konservative Therapie wie:

nicht zu behandeln, so muss über eine Operation als Ausweg nachgedacht werden.
Grundsätzlich ist die Operation den konservativen Behandlungsmethoden aber nur dann überlegen, wenn der Patient bereits Lähmungserscheinungen in den Beinen hat.
Zusätzlich zur Physiotherapie können wärmende Bänder oder Kompressen angewendet werden. Während der kompletten Therapie sollte immer sichergestellt sein, dass der Patient durch geeignete Medikation mit Schmerzmitteln möglichst schmerzfrei ist.

In seltenen, besonders schweren Fällen wird dem Patienten zu einer Operation geraten, bei der die angrenzenden Wirbelkörper versteift werden (Spondylodese).

Um der zukünftigen Entstehung des LWS – Syndroms vorzubeugen, sollte ich der betroffene Patient vom seinem Arzt oder Physiotherapeuten genaue Anweisung zu richtigen Körperhaltung im Alltag sowie für sportliche oder physiotherapeutische Aktivitäten, welche die verletzten Regionen im Rücken schonen und einer erneuten Schädigung entgegenwirken.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Therapie akutes LWS Syndrom

Dauer

Die Dauer eines LWS-Syndroms ist sehr variabel und abhängig von seiner Ursache, sowie vom Ausmaß der LWS-Schädigung. Je nach Ursache kommen beim LWS-Syndrom konservative und operative Therapiemaßnahmen in Betracht, deren Anwendungsdauer stark differieren kann.

Schnellstmöglich sollte, auch nach einem operativen Eingriff mit der Durchführung regelmäßiger Physiotherapie und der Ausführung von Übungen zum Aufbau der Rückenmuskulatur begonnen werden, da hierdurch der Heilungsprozess beschleunigt und die Krankheitsdauer verkürzt werden können.

Wichtig ist daher auch die Gabe von schmerzlindernden Medikamenten, da sie die schmerzfreie Bewegung des Rückens ermöglichen.

Wird die Ursache des LWS-Syndrom nicht oder zu kurz therapiert, kann es zu einer Chronifizierung der Beschwerden kommen, das heißt die Beschwerden können über einen längeren Zeitraum andauern.

Lesen Sie mehr zum Thema: LWS Syndrom Dauer

LWS-Syndrom

  1. Bandscheibe
  2. Wirbelkörper
  3. Bandscheibenvorfall

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.08.2016
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