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Schlüsselbeinbruch

Synonyme im weiteren Sinne

  • Klaviculafraktur
  • Klaviculabruch
  • Schlüsselbeinfraktur
  • Bruch des Schlüsselbeins
  • Bruch der Clavicula
  • Sprengung Schultereckgelenk
  • Schulterbruch

Definition

Bei einem Schlüsselbeinbruch/ Claviculafraktur handelt es sich um einen Bruch des Schlüsselbeins durch indirekte oder direkte Gewalteinwirkung.
Der Schlüsselbeinbruch ist die häufigste Fraktur des menschlichen Körpers überhaupt.

Ursache

Mit einem Frakturanteil von 10-15% beim Erwachsenen ist das Schlüsselbein nach der handgelenksnahes Speiche (distale Radiusfraktur) am zweithäufigsten von knöchernen Verletzungen betroffen.

Ursache kann eine indirekte Gewaltenwirkung sein (häufiger), wie der Sturz auf den ausgestreckten, sich abfangenden Arm (z.B. Sturz vom Fahrrad) mit Weiterleitung der einwirkenden Kraft auf das Schlüsselbein oder ein direktes Trauma (seltener) durch einen Schlag oder Sturz auf die vordere Schulter. Verkehrsunfälle (ca. 50%, hier besonders Motorradfahrer, die sich durch die Unterkante des Motorradhelms das Schlüsselbein brechen) und Sportverletzungen (ca. 35%, häufigster Bruch des Radfahrers) sind die häufigsten Ursachen für Schlüsselbeinbrüche.

In ca. 80% der Fälle bricht das Schlüsselbein / Clavicula im mittleren Schaftbereich, weil dort der Durchmesser des Schlüsselbeins am geringsten ist. In ca. 15% der Fälle ist das laterale (seitliche, schulternahe), in ca. 5% das mediale (brustbeinnahe) Schlüsselbeinende betroffen. Der Knochen hat in diesen Bereichen einen größeren Durchmesser, ist also stabiler und wird darüber hinaus von zahlreichen Bändern zusätzlich stabilisiert.

Symptome

Klassische Anzeichen für einen Schlüsselbeinbruch/ Claviculafraktur sind:

  • Schwellung und Schmerzen über dem Schlüsselbein
  • Hämatomverfärbung (Bluterguß)
  • Fehlstellung
  • Funktionseinschränkung (Funktio laesa), insbesondere beim Heben des Armes
  • Kreptitaion (Knochenreiben)

Der betroffene Arm wird vom Patienten in einer Schonhaltung nah am Körper getragen, eine eigentätige Bewegung im Schultergelenk findet nicht mehr statt (Funktio laesa).

Bei der Betrachtung des Patienten fällt eine Schwellung und häufig auch eine Stufenbildung im Verlauf des Schlüsselbeines auf. Die Haut ist meistens unverletzt; offene Schlüsselbeinbrüche mit freiliegenden oder durchspießenden Knochenanteilen sind die Ausnahme.

Über dem Schlüsselbeinbruch beklagt der Patient einen erheblichen Druckschmerz.

Jeder Versuch der Schultergelenksbewegung wird als extrem schmerzhaft empfunden, oft lassen sich dabei Reibegeräusche des gebrochenen Knochens erzeugen (Krepitationen).

Zusammen mit einer deutlichen Fehlstellung des Schlüsselbeins und offenen Schlüsselbeinbrüchen, ist die Crepitatio ein sicheres Hinweiszeichen für das Vorliegen einer Fraktur.

Bei der Untersuchung darf nie vergessen werden nach begleitenden Gefäß- und Nervenverletzungen zu fahnden, um durch evtl. frühzeitiges Eingreifen Folgeschäden zu vermeiden und um im Zweifelsfall zwischen unfallursächlicher und therapeutischer (iatrogener) Genese bei evtl. Komplikationen unterscheiden zu können.

Auch sollte immer auch nach weiteren Verletzungsfolgen gesucht werden:

Verletzungen der Schulter

Diagnostik

Bei begründetem Verdacht auf ein Schlüsselbeinbruch sollte in jedem Fall eine Röntgenaufnahme des Schlüsselbeines in zwei Ebenen (von vorne (a.p.-Aufnahme) und 45° gekippt) durchgeführt werden. Wichtig ist dies zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose, Einschätzung des Frakturausmaßes, der Frakturart und zum Planen der Therapiemaßnahmen des Schlüsselbeinbruchs. Bei den kompletten Schlüsselbeinschaftfrakturen zeigt sich eine typische Fehlstellung mit hochstehendem medialen Fragment und tiefstehendem lateralen Fragment, verursacht durch verschiedene Muskelzüge an den Fragmenten und dem Eigengewicht des Armes.

Besonders mediale Schlüsselbeinbrüche werden auf den Röntgenstandardaufnahmen wegen Überlagerungseffekten häufig übersehen. In diesem Fall kann eine Computertomographie (CT) angezeigt sein, bei der es diese Überlagerungseffekte nicht gibt und auch unscheinbare, kleine Frakturen diagnostiziert werden können.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) bleibt der Fragestellung nach Kapsel- Bandverletzungen der Schulter vorbehalten. Für die Beurteilung klassischer Schlüsselbeinbrüche sind CT und MRT der Schulter nicht notwendig.

Einteilung

Im klinischen Alltag wird gewöhnlich rein beschreibend zwischen medialen, lateralen und Schaftbrüchen des Schlüsselbeines unterschieden (Brüchen des Brustbein - nahen Anteils, Brüchen des Schulter - nahen Anteils oder des Schlüsselbeinschaftes). Die Schlüsselbeinschaftfrakturen werden unterteilt in einfache Brüche mit zwei Fragmenten und mehrfragmentäre Brüche. Häufig liegt ein Schlüsselbeinbruch mit zwei Hauptfragmenten plus einem Biegungskeil (3. Fragment) vor.

Komplikationen

Komplikationen bei der Therapie des Schlüsselbeinbruchs können bei der konservativen wie bei der operativen Therapie vorkommen.

Komplikationen bei konservativer Therapie:

  • Abrutschen der Fraktur / Bruch (Sekundäre Dislokation)
  • Falschgelenkbildung (Pseudarthrose)
  • Überschießende Kallusbildung mit Gefäß-Nervenkompression
  • Kosmetisch störende Kallusbildung (aufgetriebener Schlüsselbeinschaft)

Komplikationen bei operativer Therapie:

  • Gefäß- und Nervenverletzungen (sehr selten): Unterhalb des Schlüsselbeines verlaufen in relativer Nähe die Gefäße und Nerven zur Versorgung des Armes. Soll die bruchstabilisierende Platte auf dem Schlüsselbein zum Liegen kommen, müssen senkrechte Bohrlöcher für die Plattenschrauben gesetzt werden. Dabei kann es zu einer Gefäß- Nervenverletzung kommen. Es wird daher empfohlen die Platte von vorne auf das Schlüsselbein anzubringen. Dabei ist, bei gleicher Stabilität, die Gefahr der Gefäß- Nervenverletzung geringer.
  • Infektion: Der Weichteilmantel über dem Schlüsselbein ist sehr dünn. Die Gefahr einer postoperativen Infektion ist nicht unerheblich.
  • Metallockerung: Metallockerungen oder sogar Metallbrüche kommen vor. Auf das Schlüsselbein wirken starke statische und dynamische Kräfte ein.
  • Falschgelenkbildung (Pseudarthrose): Ist das Schlüsselbein nach 6 Monaten nicht knöchern verheilt, spricht man von einer verzögerten Knochenbruchheilung, darüber hinaus von einer dauerhaften Falschgelenkbildung. Durch die ausbleibende Knochenheilung verbleibt eine krankhafte Restbeweglichkeit im Bruchbereich, deshalb Falschgelenk. Bei einer beschwerdehaften Falschgelenkbildung muss korrigierend operiert werden (Revisionsoperation). Zur Bruchstabilisierung wird dann entweder bei kleineren Falschgelenkzonen Schwammknochen (Spongiosa) angelagert oder bei größeren ein Knochenspan vom körpereigenen Beckenkamm interponiert und verplattet.
  • Kosmetisch störende Narbenbildung: Besonders bei jungen Menschen und parallel zum Schlüsselbein geführtem Hautschnitt kann es durch den Brustmuskelzug zu einer überschießenden, kosmetisch störenden Narbenbildung kommen. Deshalb empfiehlt sich bei jungen Menschen der Säbelhiebschnitt, der durch seinen vertikalen Verlauf nicht derartigen Zugkräften ausgesetzt ist. Nachteil kann einer schlechtere Übersicht während der Operation sein.

Prognose

Die Prognose bei konservativer Therapie eines Schlüsselbeinbruch / Claviculafraktur ist gut. Auch wenn sich eine gewisse Verkürzung oder Fehlstellung des Schlüsselbeines nach Therapieabschluss einstellen sollte, wirkt sich diese funktionell (Funktion des Schultergelenks) meist nicht negativ aus. Bei stärkerer Verkürzung (ca. >1,5 cm) muss jedoch mit funktionellen Defiziten (Bewegungseinschränkung) gerechnet werden.

Auch die Ergebnisse nach operativer Therapie sind gut, jedoch sind die operativen Risiken nicht zu unterschätzen. So fanden Poigenfürst und Mitarbeiter (1988) eine Komplikationsrate von bis zu 10 % nach operativer Stabilisierung.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.08.2016
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