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Beinschmerzen

Einleitung

Unter Beinschmerzen versteht man ein unangenehmes und störendes Gefühl im Bereich der unteren Extremität, also von der Hüfte bis in den Fuß. Der alleinige Begriff „Beinschmerz“ ist erst einmal relativ unspezifisch, sodass zur genaueren Ursachenfindung der Schmerzcharakter und die schmerzhafte Region näher eingegrenzt werden müssen. Beinschmerzen können nämlich unzählige Ursachen haben. Wie schwerwiegend dir grundlegende Erkrankung oder der Auslöser für den Beinschmerz ist, kann sehr variieren. Daher ist es sehr wichtig, generell alle möglichen Gründe in Erwägung zu ziehen, natürlich in Abhängigkeit von bestimmten charakteristischen Eigenschaften. Man muss beim erstmaligen Auftreten der Beinschmerzen nicht sofort einen Arzt aufsuchen, jedoch gilt prinzipiell, dass länger anhaltende Schmerzen immer abklärungsbedürftig sind.

Treten Beinschmerzen bei Kindern auf, handelt es sich oft um wachstumsbedingte Schmerzen. Es gibt jedoch auch viele weitere, schwerwiegende Ursachen, die abgeklärt werden sollten. Lesen Sie mehr zum Thema hier: Beinschmerzen bei Kindern.


Ursachen

Die Ursachen des Beinschmerzes sind sehr vielseitig. Neben harmlosen Auslösern können hinter dem Beinschmerz auch schwerwiegendere und behandlungspflichtige Erkrankungen stecken. Es ist also sehr wichtig, der Sache auf den Grund zu gehen und jeden länger anhaltenden Beinschmerz ernst zu nehmen. Die Schmerzen können generell von jeder Struktur des Beins ausgehen: sowohl von Knochen, Muskeln und Sehnen als auch von Gefäße oder Nerven. Man kann die Beinschmerzen also schon einmal grob in 3 Hauptgruppen einteilen: muskuloskelettale, vaskuläre und neurologische Ursachen. Anhand dieser Kategorisierung gibt es typische Auslöser des Beinschmerzes, welche im Folgenden erläutert werden.
Ein Großteil der Beinschmerzen kann traumatisch bedingt ausgelöst werden. Dazu zählen jegliche Verletzungen des Bewegungsapparats der unteren Extremität. Die Beschwerden können von den Gelenken (Hüft -, Knie –und Sprunggelenk) oder aber von den großen Ober –und Unterschenkelknochen nach einer Fraktur ausgehen. Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen sind weitere typische traumatische Auslöser für den Beinschmerz. Je nach Art der Verletzung kann die Dauer der Schmerzen variieren. Muskulär bedingte Beinschmerzen sind zwar nicht weniger intensiv, jedoch regenerieren solche Verletzungstypen sehr zeitnah, sodass Betroffene nach einer Woche meistens wieder beschwerdefrei sind. Häufig handelt es sich bei Beinschmerzen um einen einfachen Magnesiummangel, sodass die Muskeln sich schmerzhaft anspannen. Man spricht im hierbei von Muskelkrämpfen. Je nach Größe des betroffenen Muskels, kann der Schmerz sehr stark sein. Des Weiteren können Entzündungen jeglicher Strukturen des Beins Grund für den Beinschmerz sein; es kann zu Gelenk-, Sehnen –oder Schleimbeutelentzündungen kommen. Wenn sich ein Gelenk entzündet spricht man auch vom Krankheitsbild der „Arthritis“ (lat. arthros = Gelenk, „-itis“ = Entzündung).

Degenerativ bedingte Ursachen für den Beinschmerz können zudem Erkrankungen wie die Osteoporose oder die Arthrose sein. Die Osteoporose beschreibt ein Krankheitsbild, bei der es aufgrund einer verminderten Knochendichte durch ein Missverhältnis zwischen Auf –und Abbauprozessen zur eine Instabilität der Knochen kommt. Dadurch ist das Frakturrisiko erhöht und es kann bereits durch kleine Mikroläsionen zu Schmerzen am Bein kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Welche Schmerzen treten bei Osteoporose auf?

Bei der Arthrose kommt es zur Schädigung von Knochen –und Knorpelgewebe aufgrund von langanhaltender Belastung und Verschleißerscheinung, was letztendlich mit starken Schmerzen einhergehen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema Schmerzen in den Beinen Ursachen

Wichtige Erkrankungen aus der Gruppe der vaskulären Ursachen sind die Thrombose und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (=pAVK). Bei der pAVK handelt es sich um einen Erkrankung der Gefäße, bei der es zu deren Verschluss kommt. Die Gefäße verschließen sich in den meisten Fällen aufgrund von Ablagerungen an der Gefäßwand, sodass das Lumen verkleinert wird. Die Ablagerung von Fetten oder Kalk in einem Gefäß definiert das Krankheitsbild der Arteriosklerose. Durch das stenosierte Gefäß und damit einhergehenden Durchblutungsstörungen kann es an der unteren Extremität dann zur Ausbildung von Beinschmerzen kommen. In engen Zusammenhang zur pAVK steht auch das Krankheitsbild der Thrombose. Darunter versteht man das Vorliegen von Blutgerinnseln in den Gefäßen, sogenannten Thromben. Man kann je nach betroffenem Gefäß zwischen der Phlebothrombose und der Thrombophlebitis differenzieren; erst genannte beschreibt das Vorliegen von Blutgerinnseln in tiefgelegenen Beinvenen, also eine tiefe Beinvenenthrombose (=TVT), bei der Thrombophlebitis handelt es sich jedoch um eine oberflächliche Thrombose. Beide haben jedoch den charakteristischen ziehenden Schmerz mit einem Spannungsgefühl gemeinsam.

Neben den bisher erläuterten muskuloskelettalen und vaskulären Ursachen bleibt nun noch der neurologisch bedingte Beinschmerz übrig. Klassisch hierfür ist das Vorliegen einer Polyneuropathie. Eine Polyneuropathie ist eine systemische Erkrankung der Nerven, die mit einem Verlust der isolierenden Myelinschicht der Nerven einhergeht und dadurch neben Schmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle entstehen können. Ganz häufig ist ein gesteigerter Alkoholkonsum Auslöser einer solchen Polyneuropathie. Der genaue pathologische Mechanismus ist noch nicht ganz geklärt, jedoch führt der Alkoholabusus zur Rückbildung der Isolationsschicht, also der Myelinscheide. Letztendlich gibt es nun unzählige weitere Ursachen wie z.B. Tumore, Kompartementsyndrom, Diabetes, Bandscheibenvorfälle, Varizen, Gicht etc., die für das Auftreten von Beinschmerzen verantwortlich sein können. Die wichtigsten Ursachen wurden jedoch erläutert. Mit deren Kenntnis und im Zusammenhang mit den entsprechenden folgenden Symptomen sollte eine korrekte Diagnosestellung nach dem Auftreten von Beinschmerzen möglich sein.

Symptome

Das Leitsymptom Schmerz kann in seiner Intensität und seinem Charakter variieren. Zudem entsteht der Schmerz oft auch in Abhängigkeit von Belastung und der Tageszeit. All diese Faktoren bezüglich des Schmerzes können Hinweise auf jeweilige Krankheiten geben. Stechende und sofortig einsetzende Beinschmerzen, die in Zusammenhang mit einem traumatischen Ereignis gebracht werden können, sprechen in der Regel für Verletzungen wie Muskelrisse, Brüche, Prellungen oder Verstauchungen.

Treten die Schmerzen bevorzugt nachts auf, ist dies ein klassischer Hinweis auf das Vorliegen einer pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Betroffene, die bereits an jenem nächtlichen Ruheschmerz leiden, befinden sich jedoch schon in einem fortgeschrittenen Stadium der Verschlusskrankheit. Es gibt eine Klassifikation (nach Fontaine) in 4 Stadien, bei der im Stadium I noch keine Schmerzen auftreten, in Stadium 2 der Schmerz belastungsabhängig ist, im 3. Stadium der Schmerz bereits in Ruhe spürbar ist und im letzten Stadium sogar schon eine nekrotische Veränderung aufgrund der Durchblutungsstörung vorliegt. Zudem kann die Beschwerdelokalisation bei einer pAVK variieren: am häufigsten treten die Schmerzen am Oberschenkel auf (90%). Der Beinschmerz kann sich aber auch in der Gesäß –oder Hüftregion und dem Unterschenkel manifestieren.

Eine weitere Ursache nächtlicher Beinschmerzen kann das sogenannte „Restless Leg Syndrom“, ein neurologisches Problem, welches mit unangenehmen Missempfindungen und Schmerzen am Bein einhergeht, sein. Typisch ist, dass die Schmerzen mit einem gesteigerten Bewegungsdrang einhergehen, da dies möglicherweise für einen kurzen Moment die Symptome lindert. Häufig entstehen die Schmerzen in Ruhe, also oft auch in der Nacht, sodass Betroffene häufig unter Ein –und Durchschlafstörungen leiden. Ist die Thrombose Ursache für den Beinschmerz kommt es zu ziehenden Schmerzen im Bereich der Blutgerinnsel Bildung. Neben dem ziehenden Schmerz ist ein begleitendes Spannungsgefühl charakteristisch. Bei einer Polyneuropathie kann der Beinschmerz als Wadendruckschmerz genauer definiert werden. Begleitsymptome sind bei einer Polyneuropathie Gefühlsstörungen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle. Weitere Begleitsymptome zum Beinschmerz, die sich nicht auf ein bestimmtes Krankheitsbild beziehen, sind häufig eine Schwellung, Rötung oder Überwärmung einer bestimmen Beinregion. Damit einher kann auch das Gefühl einer Bewegungseinschränkung gehen. Hinsichtlich der Bewegungsabhängigkeit können Beinschmerzen danach unterschieden werden, ob sie nach längerem Stehen, beim Laufen oder beim Sitzen auftreten. Die rücklegbare Laufstrecke, ohne dass Schmerzen auftreten ist in der Klassifikation der pAVK-Stadien aufgefasst. Können Patienten nicht länger als 200m ohne Schmerzen laufen, befinden sie sich in Stadium II b. Stadium II a ist nur dann erfüllt, wenn eine Laufstrecke länger als 200m symptomlos möglich ist. Durch langes Sitzen kann es ebenfalls zu starken Beinschmerzen kommen. Grund dafür ist in den meisten Fällen ein muskuloskeletalles Problem im Bereich des Kniegelenks, nämlich das sogenannte „femoro-patellare Schmerzsyndrom“ (lat. Chrondropathiae patellae). Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Erkrankung der Patella, also der Kniescheibe. Aufgrund von Muskelverkürzungen der Oberschenkelmuskulatur oder Über –und Fehlbelastung kommt es zur Reizung der Patella in ihrem Gleitlager. Daher treten gerade in sitzender Position die Beinschmerzen auf, dass die Patella im gebeugten Knie besonders unter Druck und Zug gesetzt wird. Beinschmerzen, die durch langes Stehen provoziert werden, sind häufig ein Hinweis auf eine Spinalkanalstenose. Der Spinalkanal verläuft im Bereich der Wirbelsäule und beinhaltet das Rückenmark mit den Nerven, die unter anderem auch ins Bein ziehen. Bei einer Stenose kommt es aus unterschiedlichen Gründen, meisten jedoch degenerativ bedingt, zur Verengung des Spinalkanals, wodurch es zu ausstrahlenden Schmerzen ins Bein kommt. Wie bei der pAVK kann dadurch die Gehstrecke des Patienten eingeschränkt sein. Langes Stehen führt zur Verstärkung der Schmerzintensität in den Beinen.

Beinschmerzen bei Kindern

Die Ursachen für Beinschmerzen bei Kindern weichen in der Regel von denen der Erwachsene etwas ab. Gerade degenerativ bedingte Gründe sollten in den jungen Lebensjahren noch keine relevante Rolle spielen. Kinder leiden dagegen sehr oft an wachstumsbedingten Beinschmerzen. Diese treten vor allem in Ruhe, also abends und in der Nacht auf, während die Kinder tagsüber unter Bewegung und Belastung beschwerdefrei sind. Die genaue Pathogenese der Wachstumsschmerzen ist noch nicht ganz geklärt, vermutlich entstehen die Schmerzen jedoch durch unterschiedlich schnelles Wachstum von knöchernen und muskulären Anteilen. Gerade die untere Extremität schmerzt in der Wachstumsphase der Kinder. Nichtsdestotrotz sollten Beinschmerzen bei Kindern nicht einfach als harmlose Wachstumsschmerzen abgetan werden. Das Vorliegen von Knochentumoren oder dem „Restless Leg Syndrom“ sollten während der Diagnosestellung immer berücksichtig und ausgeschlossen werden.

Diagnostik

Um eine genaue Diagnose stellen zu können ist beim Auftreten von Beinschmerzen ein ausführliches Anamnesegespräch unumgänglich. Hierbei können wichtige Informationen über bereits bekannte vorliegende Erkrankungen und die genauere Schmerzcharakteristik (Intensität, Dauer, belastungs –oder tageszeitabhängig) gewonnen werden. Anschließend sollte man sich das Bein des Patienten genau anschauen und auf Rötungen oder Schwellungen achten, da dies Begleitsymptome typischer ursächlicher Erkrankungen sein können. Auch die Palpation, also das Abtasten der Pulse an der unteren Extremität ist wichtig um einen Gefäßverschluss mit Durchblutungsstörungen ausschließen zu können. Die Blutabnahme dient dem Nachweis von möglicherweise erhöhten Entzündungsparametern (z.B. CRP-Wert). Auch die Bewegungsprüfung ist für die Diagnosestellung wichtig, da man schnell Rückschlüsse auf rein muskuloskelettale Ursachen ziehen kann. Je nach Verdacht steht dem Untersucher ein breites Spektrum an bildgebenden diagnostischen Mittel zur Verfügung. Dazu zählen das Röntgen, MRT, CT, der US und die Gefäßangiographie. Vaskulär bedingte Ursachen können beispielsweise mithilfe einer angiographischen Gefäßdarstellung gut erkannt werden. Muskuloskelettale Ursachen diagnostiziert man hingegen mit Röntgen –oder MRT-Aufnahmen.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema "Beinschmerzen" finden Sie hier:

Eine Übersicht aller orthopädischen Themen finden Sie hier: Orthopädie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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